Audi-Werk in den USA vorerst gestoppt – Zollsenkungen von Trump-Regierung gefordert
Audi will in den USA kräftig wachsen. Eine eigene Fabrik ist nun aber so gut wie vom Tisch. Eine Alternative gibt es aber bereits.
Der VW-Konzern verzichtet vorläufig darauf, in den USA ein Audi-Werk zu bauen. Jedenfalls solange Präsident Donald Trump die Belastung durch Zölle nicht senkt. Das sagte VW-Chef Oliver Blume im Interview mit dem „Handelsblatt“.
„Bei einer unveränderten Belastung durch die Zölle ist eine große zusätzliche Investition nicht finanzierbar“, so Blume. „Was wir brauchen, sind kurzfristige Kostenentlastungen und langfristige verlässliche Rahmenbedingungen.“ Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hat Europas größter Autobauer für das Werk Kosten von bis zu vier Milliarden Euro veranschlagt.
VW stoppt Audi-Werk in den USA vorerst wegen hoher Zollbelastungen unter Trump
Zum Bau eines Audi-Werks hat es seitens des VW-Konzerns im vergangenen Jahr einige Gespräche mit der Regierung in Washington gegeben, etwa mit Präsident Trump und seinem Handelsminister Howard Lutnick – aber noch ohne die benötigten Ergebnisse.
„Wer investiert, Arbeitsplätze und Wertschöpfung schafft, der muss auch Vorteile auf der Kostenseite haben“, forderte Blume. „Wir bleiben offen für Lösungen, von denen beide Seiten profitieren.“
Audi-Chef sieht Wachstumschancen auf dem amerikanischen Markt
Audi will in den nächsten Jahren seinen Absatz deutlich steigern. Zuletzt hat die Marke mit den vier Ringen im vergangenen Jahr rund 1,62 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Wie die Heilbronner Stimme aus Unternehmenskreisen erfahren hat, will Audi ab 2030 rund um den Globus mehr als zwei Millionen Fahrzeuge jährlich verkaufen. Das geht aus einer neuen Strategie hervor, die Audi-Chef Gernot Döllner am vergangenen Jahr seinen Topmanagern vorgestellt hat. „Auf eine Zahl will ich mich aktuell nicht festlegen. Aber wir haben uns natürlich Ziele für unsere Kernmärkte gesetzt“, sagte der 57-Jährige im Interview mit unserer Zeitung.
„Neben China und Europa soll der US-Markt die dritte große Säule für uns werden“, so Döllner. „In Nordamerika werden wir bis Ende des Jahres zehn neue Modelle auf den Markt bringen.“ In den Staaten hat Audi 2025 rund 202.000 Fahrzeuge verkauft, 2024 waren es noch rund 230.000 Einheiten. Mittelfristig, so hört man im Unternehmen, soll der Absatz auf 250.000 bis 300.000 Einheiten wachsen.
Audi: US-Zölle belasten das Finanzergebnis des Autobauers deutlich
Schuld an der Absatzdelle im vergangenen Jahr auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt sind nach Angaben von Audi vor allem die Zölle auf Neuwagen. In den ersten drei Quartalen musste die VW-Tochter dafür 850 Millionen Euro aufwenden. Für das Gesamtjahr rechnete Audis Finanzvorstand Jürgen Rittersberger zuletzt gar mit einer Last von rund 1,3 Milliarden Euro, die das Finanzergebnis schmälern wird. Die genauen Zahlen gibt das Unternehmen aber erst Mitte März bekannt.
Das wichtigste Modell für die USA, das SUV Q5, wird im Audi-Werk in Mexiko gefertigt. Alle anderen Fahrzeuge der Marke mit den vier Ringen müssen ebenfalls importiert werden.
Audi: Mögliche Produktion im Werk der VW-Tochter Scout
Nun läuft aber erst einmal alles darauf hinaus, dass es keine eigene Fabrik von Audi in den Staaten geben wird. Insider berichten zudem, dass die Option, im VW-Werk in Chattanooga (US-Bundesstaat Tennessee) auch Modelle von Audi zu fertigen, wohl endgültig vom Tisch sei. Diese gedankenspiele hatte es ganz zu Beginn der US-Planungen in den Jahren 2022 und 2023 gegeben.
Nun bahnt sich eine ganz andere Lösung mit einer wiederbelebten US-Marke an. Nach vier Jahrzehnten Pause kehrt Scout Motors zurück. Die US-Tochter des VW-Konzerns bereitet den Start ihrer ersten Modelle vor: das SUV Traveler und den Pick-up Terra. Bereits in diesem Jahr sollen im neuen Werk in South Carolina erste Vorserienfahrzeuge vom Band laufen. Die Serienproduktion ist für 2027 geplant. Auf der technischen Basis des SUV-Modells könnte es auch eine Audi-Variante geben, die auf einer Linien mit den Scout-Fahrzeuegen gefertigt wird.
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