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Unternehmensnachfolge in Baden-Württemberg: Was Familienbetriebe beachten sollten

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Der Fall Wolfgang Grupp macht deutlich, wie schwer sich Unternehmer mit der Übergabe der Firma tun. Die regionalen Wirtschaftskammern geben Tipps für die erfolgreiche Nachfolge.


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Der Suizid-Versuch des ehemaligen Trigema-Chefs Wolfgang Grupp beschäftigt noch immer viele Menschen im Land. Grupp leidet nach eigener Aussage an Altersdepressionen. Er frage sich, ob er überhaupt noch gebraucht werde, schrieb die Unternehmerlegende in seinem veröffentlichten Brief.

Der Bedeutungsverlust macht dem 83-jährigen Grupp zu schaffen, nachdem er sein Unternehmen und Lebenswerk im vergangenen Jahr an seine Kinder Bonita und Wolfgang übergeben hatte.

Rückzug aus dem Lebenswerk fällt vielen Unternehmern emotional besonders schwer

Nachfolge ist in vielen Familienunternehmen ein großes Thema. Oftmals schaffen es die Patriarchen nicht, die Verantwortung in jüngere Hände zu legen. „Die Angst vorm Loslassen ist gar nicht so selten“, sagt Sascha Grimm-Neumann, Abteilungsleiter Unternehmensberatung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Der Übergeber müsse sich von einer Aufgabe verabschieden, die sein Leben bestimmt habe und gleichzeitig seinen Alltag neu und sinnvoll gestalten, sagt er. Diese Herausforderung betreffe vor allem Familienunternehmen.

„Bei einer Übergabe innerhalb der Familie kann ein zusätzlicher Generationenkonflikt auftreten und den Nachfolgeprozess erschweren oder sogar verzögern“, sagt Grimm-Neumann. Die Unternehmensberater der Handwerkskammer versuchen, solchen Fällen vorzubeugen und sie zu moderieren. „Das zu erreichen, erfordert viel Fingerspitzengefühl“, betont Grimm-Neumann.

Handwerkskammer Heilbronn-Franken rät zu frühzeitiger Planung der Firmenübergabe

Er rät dazu, die Nachfolge rechtzeitig zu planen, idealerweise fünf bis zehn Jahre vor dem eigentlichen Übergabetermin. „Wir empfehlen, bereits ab dem 55. Lebensjahr erste Schritte zur Nachfolgeplanung zu unternehmen, um auf unvorhergesehene Ereignisse wie Krankheit oder Invalidität vorbereitet zu sein“, sagt Grimm-Neumann. Neben Zahlen, Daten und Fakten gehe es dabei in erheblichem Maße auch um Emotionen, Wünsche und Befürchtungen der Übergeber und Übernehmer. „Die Übergabe gelingt nur, wenn auch die Menschen hinter dem Unternehmen mitgenommen werden“, sagt Grimm-Neumann.

Themen wie Altersvorsorge die Rolle der Familie und die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells seien zentrale Punkte. „Es ist daher ratsam, sich frühzeitig von Experten beraten zu lassen, um die rechtlichen und finanziellen Aspekte der Übergabe zu klären, insbesondere im Erbschafts- und Schenkungsfall. „Wir begleiten Übergeber und Übernehmer als neutrale Partner – vertraulich, erfahren und lösungsorientiert“, verspricht der Abteilungsleiter.

Zehntausende Unternehmen stehen vor einem Generationswechsel: IHK fordert mehr Unterstützung durch das Land

Die IHK Heilbronn-Franken weist darauf hin, dass in Baden-Württemberg bis Ende 2026 rund 27.300 Unternehmen zur Übergabe anstehen. „Auf fünf Übergebende kommt statistisch ein Übernehmender“, teilt die Kammer mit.

Die IHKs forderten schon seit langem prozessbezogene Unterstützungs- und Coachingangebote für zur Nachfolge anstehende Unternehmen. Das Land solle nach Ansicht der Kammern entsprechende Programme finanzieren.

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