Zolldeal mit den USA: Unternehmen aus der Region Heilbronn-Franken atmen auf
Die USA und die EU haben sich darauf geeinigt, dass die meisten Importe künftig mit 15 Prozent Zoll belegt werden. Unternehmen in der Region loben, dass damit eine Eskalation des Handelskriegs abgewendet wurde.
Die Europäische Union hat sich im Zollstreit mit den USA geeinigt. Ab August belegen die USA die meisten EU-Importe mit einem Zoll in Höhe von 15 Prozent, die Europäer kaufen im Gegenzug Öl und Flüssiggas im Wert von 750 Milliarden Dollar und sollen Milliarden in den Vereinigten Staaten investieren.
Zollstreit mit den USA beigelegt: Bundeskanzler Merz begrüßt Vereinbarung
Die von US-Präsident Donald Trump ursprünglich angedrohten Strafzölle in Höhe von 30 Prozent sind damit abgewendet. Ausgenommen sind laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wenige Waren, darunter Flugzeuge, manche Chemikalien, Agrarprodukte und kritische Rohstoffe.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Vereinbarung vom Sonntag. „Es ist gut, dass Europa und die USA sich geeinigt haben und so eine unnötige Eskalation in den transatlantischen Handelsbeziehungen vermeiden.“ Es sei gelungen, einen Handelskonflikt abzuwenden, der die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart getroffen hätte, sagte Merz weiter. „Dies gilt besonders für die Automobilwirtschaft, bei der die gegenwärtigen Zölle von 27,5 Prozent auf 15 Prozent fast halbiert werden.“
Gewinneinbruch bei Audi – US-Zölle treffen deutsche Autohersteller hart
Allerdings haben die US-Zölle im ersten Halbjahr unter anderem die deutschen Autohersteller hart getroffen. Der Gewinn des Audi-Konzerns, zu dem auch Lamborghini, Bentley und Ducati gehören, brach im Zeitraum Januar bis Juni um 37,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro ein. Allein die im Frühjahr erhöhten US-Zölle haben die Audi-Bilanz im ersten Halbjahr mit rund 600 Millionen Euro belastet, teilte Finanzvorstand Jürgen Rittersberger am Montag mit.

In den USA verzeichnete Audi in den ersten sechs Monaten ein Absatz-Minus von neun Prozent auf 98.712 Fahrzeuge. Der Hersteller denkt aktuell intensiv über ein eigenes Werk in den Staaten nach, eine Entscheidung soll bis Jahresende fallen. Sein wichtigstes Auto für den US-Markt, das SUV-Modell Q5, fertigt Audi aktuell in Mexiko. Die Zolleinigung der EU mit den USA sei aktuell in Bewertung, heißt es bei Audi.
Noch habe man keine Details und nichts Schriftliches, so Rittersberger. Grundsätzlich freue man sich aber, dass es jetzt Planbarkeit gebe. Aber auch die gesenkten Zölle bedeuten Mehrkosten. Audi-Vorstand Rittersberger kündigte an, man wolle den richtigen Kompromiss zwischen Preis und Volumen finden.
EBM-Papst zu US-Zöllen: Brauchen Planungssicherheit
Vorsichtig erleichtert reagieren auch andere Unternehmen in Heilbronn-Franken. „Die Verständigung zwischen der EU und den USA im Zollkonflikt ist ein wichtiger Schritt Richtung Stabilisierung der transatlantischen Beziehungen“, erklärt ein Sprecher von EBM-Papst auf Stimme-Anfrage. Auch wenn die Zollbelastung für die Industrie nicht beseitigt worden sei, gebe es nun zumindest Planungssicherheit. „Als international aufgestelltes Unternehmen ist Planungssicherheit für uns sehr wichtig.“
Mit seinen zwei US-Standorten verfolgt der Ventilatorenhersteller aus Mulfingen die Strategie, Produkte für den amerikanischen Markt möglichst vor Ort herzustellen. Klar ist aber: „Wir können aktuell nicht alle Teile, die wir brauchen, in den USA kaufen. Wir sind weiterhin darauf angewiesen, Teile aus Europa zu importieren, die dann den Zöllen unterliegen.“ Aktuell liege die Lokalisierungsquote bei 50 Prozent, langfristig soll sie auf 90 Prozent steigen – dann wären die US-Werke von EBM-Papst weitgehend unabhängig von Importen. „Die USA sind und bleiben für uns ein wichtiger Markt mit Wachstumspotenzial.“
US-Zölle treiben Preise für Produkte von Ziehl-Abegg
Joachim Ley, Vorstandsvorsitzender von Ziehl-Abegg in Künzelsau, findet, die Einigung ist „besser als ein unkontrollierter Handelskrieg. Wir müssen nun schauen, wie unsere Lieferanten in den USA und unsere Kunden das aufnehmen.“ Die Preise für Produkte des Ventilatorenherstellers würden durch die Strafzölle in die Höhe getrieben. „Denn auch unsere Zulieferer sind Importeure und müssen eventuell Zölle bezahlen“, sagt Ley.
Erst im vergangenen Jahr haben die Hohenloher in die USA expandiert und ein Produktionswerk in North Carolina eröffnet. Diese Investition sei sinnvoll gewesen, betont Ley. „Das neue Werk hilft uns, flexibler und schneller auf die Wünsche der Kunden einzugehen. Zudem treffen uns dadurch einige Zölle nicht, die bei einem kompletten Import anfallen würden.“ Generell wolle man näher an den Kunden produzieren, denn es mache auch „ökologisch meistens keinen Sinn, ein Produkt einmal um den halben Globus zu schippern“.
Würth: Zölle dürften Weltwirtschaft belasten
Der 15-Prozent-Zoll wirkt sich nur begrenzt auf die Würth-Gruppe aus, erklärt eine Sprecherin. Allerdings rechnet der Schrauben- und Werkzeughersteller mit „spürbaren Belastungen für die Weltwirtschaft“. Die USA seien mit 4500 Mitarbeitern und einem Anteil am Umsatz von rund 11 Prozent ein strategisch wichtiger Wachstumsmarkt, den die Künzelsauer weiter erschließen wollen, „auch unter veränderten Rahmenbedingungen“.
IHK Heilbronn-Franken: Deutsche Wirtschaft zahlt zu hohen Preis
Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, sieht die Einigung als ersten Schritt. Die Unternehmen hätten nun erst mal Planungssicherheit. „Allerdings ist der Preis, den die Wirtschaft für diesen Deal zahlt, zu hoch“, sagt Döring. Die Auto- und Maschinenbauer stünden seit langem unter hohem Druck. „Zölle in Höhe von 15 Prozent auf Exporte in die USA sind zwar besser als 30 Prozent. Sie werden die Situation aber dennoch weiter verschärfen.“ Döring fordert deshalb, dass nun weiter über ein Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten verhandelt wird.
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