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Krise bei Mercedes – Källenius blickt optimistisch in die Zukunft

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Trotz der schwachen Zahlen für das vergangene Jahr versprüht Mercedes-Chef Ola Källenius bei der Bilanzvorlage Optimismus. Internen Planungen zufolge will der Autobauer ab 2027 wieder wachsen.


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Ola Källenius wirkt oft etwas unterkühlt, fast schon unnahbar. Bei der Bilanzvorlage für das vergangene Jahr am Donnerstag in Stuttgart lächelt der 56-Jährige überraschend viel, obwohl die Zahlen etwas anderes vermuten lassen würden. Absatz, Umsatz, Gewinn: Mercedes befindet sich aktuell im Rückwärtsgang. Von der zweistelligen Umsatzrendite, die man in Stuttgart stets als Ziel hat, die Mercedes aber zuletzt 2023 erreichte, scheint man aktuell so weit entfernt zu sein wie selten zuvor.

Källenius hingegen ist bemüht, Optmismus zu verbreiten, die Bilanz läge „im Rahmen unserer Prognose“. Das Unternehmen fokussiere sich auf Effizienz, Geschwindigkeit und Flexibilität. Für dieses Jahr rechnet  der Vorstandschef damit, dass sich der Umsatz auf einem ähnlichen Niveau bewegen wird. Der operative Gewinn soll allerdings deutlich höher ausfallen - dabei sollen Einsparungen helfen.

Mercedes in der Krise: Abschied von der einstigen Luxusstrategie 

Die Produktion solle schlanker und effizienter werden, zudem will der Autobauer mit dem Stern bis zu 20.000 Stellen über Vorruhestandsregelungen und Abfindungen abbauen. Dem Vernehmen nach schlummert mittelfristig ein Sparpotenzial von bis zu fünf Milliarden Euro im Unternehmen.

Mercedes-Chef Ola Källenius an der aufgefrischten S-Klasse. Neben dem Flaggschiff kommen in diesem Jahr zahlreiche E-Autos auf den Markt.
Mercedes-Chef Ola Källenius an der aufgefrischten S-Klasse. Neben dem Flaggschiff kommen in diesem Jahr zahlreiche E-Autos auf den Markt.  Foto: Bernd Weißbrod

Weitaus wichtiger scheint aber der generelle Kurswechsel zu sein. Von der einstigen Luxusstrategie hat man sich in Stuttgart verabschiedet. In der Kommunikationsabteilung ist man bemüht zu betonen, dass es die so nie wirklich gegeben habe. Offiziell heißt es nun: „Mercedes-Benz steht seit jeher für das Besondere. Das haben wir mit der Überschrift unserer Strategie Ende 2020 auf den Punkt gebracht: ’Wir bauen die begehrenswertesten Autos der Welt.’“ Dazu gehört aber auch, Modelle an der Basis anzubieten. So hat Ola Källenius den Aufsichtsrat davon überzeugt, 2028 doch noch einmal eine neue Generation der A-Klasse auf den Markt zu bringen. Gemeinsam mit dem größeren CLA sowie den SUV-Ablegern GLA und GLB bildet der Fünftürer dann den Einstieg in die Modellpalette der Marke. Die Verlagerung der Produktion nach Ungarn soll zudem Kosten sparen.

China-Schwäche, E-Klasse und S-Klasse: Warum der wichtigste Markt Probleme bereitet

Besonders schmerzhaft für Mercedes war im vergangenen Jahr der Rückgang bei der E- und S-Klasse, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR – Center Automotive Research in Bochum. Beide Modelle werfen mit die größten Gewinne pro Fahrzeug ab. Mercedes kämpft vor allem mit dem schwächelnden chinesischen Markt, hohen US-Zöllen und dem stockenden Hochlauf der Elektromobilität.

Im Reich der Mitte, dem größten Automarkt der Welt, hat Mercedes im vergangenen Jahr 551.900 Fahrzeuge abgesetzt, fast ein Fünftel weniger als noch 2024. „Alle deutschen Premiumhersteller brauchen eine neue China-Strategie“, sagt Dudenhöffer. „Der Preisunterschied zwischen hochwertigen Chinesen und deutschen Premiumherstellern muss wesentlich kleiner werden, um den Turnaround in China zu schaffen.“

Mercedes-Aktie bleibt unter 60 Euro, Analysten sehen sie deutlich höher

Im Tagesverlauf notierte die Mercedes-Aktie am Montag um die 56 Euro. Die meisten Banken sehen ein Kursziel von mehr als 60 Euro, JP Morgan und Goldman Sachs trauen dem Autobauer gar eine Steigerung auf 70 beziehungsweise 71 Euro zu. Auf sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds), also börsengehandelte Indexfonds, haben die Kursschwankungen von Mercedes wohl eher keine Auswirkung.

ETFs orientieren sich an Indizes wie dem Dax, und der ist ziemlich stabil. Abgesehen davon macht Mercedes aktuell gerade mal ungefähr 2,7 Prozent im Dax aus.

Mercedes-Absatz soll ab 2027 wieder über die Marke von zwei Millionen steigen

Ola Källenius sagt es nicht laut, aber im Unternehmen selbst sprechen viele von einem Übergangsjahr, wenn von 2026 gesprochen wird. Bis alle neuen Modelle wie der Elektro-GLC ihre Wirkung entfalten, dauert es bis 2027. Laut interner Planungen  wollen die Stuttgarter den Absatz 2026 stabilisieren und erneut um die 1,8 Millionen Fahrzeuge verkaufen. Angesichts der laufenden Modelloffensive soll es dann in naher Zukunft aufwärts gehen: 2027 soll die wichtige Grenze von zwei Millionen Mercedes-Pkw wieder geknackt werden. Intern stehen für 2028 sogar mehr als 2,2 Millionen Autos als Ziel.

Bleibt dennoch die Frage, ob Umsatz und Gewinn Schritt halten können. „Die Kosten im gesamten Unternehmen müssen deutlich runter“, sagt ein Finanzplaner. „Nur so können wir auch den Gewinn steigern. Über den Verkauf allein wird das nicht funktionieren.“

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