Geplante PSW-Schließung in Neckarsulm: IG Metall und Betriebsrat machen Druck
In Neckarsulm hat am Freitag erneut die Einigungsstelle zur geplanten PSW-Schließung getagt. Mitarbeiter und IG Metall protestierten lautstark für den Erhalt des Standorts.
Der Kampf um den Erhalt des PSW-Standorts Neckarsulm geht weiter. Am Freitag tagte die Einigungsstelle zum zweiten Mal im PSW-Gebäude in der Heiner-Fleischmann-Straße, während draußen die Beschäftigten des Entwicklungsdienstleisters ihrem Protest gegen die geplante Schließung des Standorts Ausdruck verliehen.
Belegschaft protestiert erneut gegen geplante Schließung des PSW-Standorts Neckarsulm
Wie berichtet plant die PSW-Mutter Audi einen massiven Sparkurs bei PSW Automotive Engineering. In der PSW-Zentrale in Gaimersheim bei Ingolstadt soll rund ein Drittel der 1000 Arbeitsplätze wegfallen, der Standort Neckarsulm mit derzeit 94 Beschäftigten soll geschlossen werden.
Dagegen wehren sich der PSW-Betriebsrat und die IG Metall seit Wochen.

PSW-Verhandlungen kommen voran, aber der Knackpunkt ist nicht geklärt
Wie erfolgversprechend die Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern vor der Einigungsstelle am Freitag verlaufen, vermag Gewerkschaftssekretär Christian Thym in der Mittagspause nicht beurteilen. Man habe sich in vielen Punkten angenähert, sagt Thym vor knapp 80 PSW-Mitarbeitern und Sympathisanten vor dem PSW-Gebäude. Beim entscheidenden Punkt, nämlich der Weiterbeschäftigung möglichst vieler PSW-Mitarbeiter, habe sich der Arbeitgeber aber nicht bewegt.
„Deshalb braucht es Druck“, ruft Thym den PSW-Mitarbeitern zu. „Wir sind ein Team, wir halten zusammen und machen Druck.“ Man werde die geplante Schließung des Standorts nicht hinnehmen, sagt der Gewerkschafter. Fall es am Freitag nicht zu einer Einigung kommt, wird in der kommenden Woche weiterverhandelt.
PSW-Betriebsrat fordert Weiterbeschäftigung für möglichst viele Mitarbeiter
Michael Koch, Betriebsratsvorsitzender bei PSW in Neckarsulm, formuliert als Ziel der Verhandlungen, „neue, stabile Beschäftigung“ für die PSW-Mitarbeiter zu schaffen. „Die Schließung darf nicht dazu führen, dass die Menschen ohne Perspektive zurückgelassen werden“, sagt er. Dies müsse gerade auch für ältere und beeinträchtigte Kolleginnen und Kollegen gelten, so Koch. Mögliche Qualifizierungsbedarfe bei den betroffenen Kollegen dürften für eine Anschlussbeschäftigung kein Ausschlusskriterium sein. Wenn eine Weiterbeschäftigung im Audi-Konzern nicht möglich sei, müsse eine Transfergesellschaft eingerichtet werden, um den Kollegen eine Perspektive zu bieten, so Koch.
Der Betriebsratsvorsitzende kritisiert, dass durch eine Schließung des PSW-Standorts Neckarsulm wertvolle Kompetenzen verlorengingen. „Und diese Kompetenzen kauft man dann künftig von extern ein“, so Koch. Natürlich sei der Standort Deutschland teurer als viele ausländische Standorte. Aber die Qualität sei sehr gut und habe in den zurückliegenden Jahren dazu beigetragen, dass Audi Milliardengewinne einfahren konnte.
Ex-Audi-Betriebsratschef Rolf Klotz unterstützt die PSW-Mitarbeiter
Für falsch hält auch Rolf Klotz das Vorgehen von Audi bei der Entwicklungstochter PSW. „Unsere Expertise wird gebraucht“, ruft er den Mitarbeitern zu. Es sei fatal für den Konzern, auf die Ideen und die Kompetenzen der PSW-Entwickler zu verzichten und stattdessen solche Dienstleistungen einzukaufen. „Es ist mir ein Herzensanliegen, dass ihr kämpft und erfolgreich seid“, sagt Klotz. Der Kampf um den PSW-Standort Neckarsulm dürfte auch nach diesem Freitag weitergehen.
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