Heilbronner Hafen rutscht im Landesvergleich ab – Umschlagmengen weiter rückläufig
Daten des Statistischen Landesamtes belegen: Die Umschlagmengen am einst sechstgrößten deutschen Binnenhafen gehen stetig zurück. Das liegt vor allem an einer Warengruppe.
Von seinen Glanzzeiten ist der Heilbronner Hafen inzwischen weit entfernt. Noch 2002 lag er auf Rang sechs in Deutschland, gemessen am Güterumschlag in Millionen Tonnen. Im Land waren nur Karlsruhe und Mannheim stets größer, Heilbronn nahm Platz eins am Neckar ein. Da müssen die aktuellen Daten des Statistischen Landesamtes sehr ernüchternd wirken: Mit 1,557 Millionen Tonnen ist der hiesige Hafen inzwischen im Land auf Rang vier noch hinter Kehl zurückgefallen, deutschlandweit rangiert er nicht mehr unter den 15 größten Häfen. 2023 nahm er nur noch Rang 27 ein.
Heilbronner Hafen hatte schon deutlich mehr Schiffsbetrieb – Kleinere Städte legen zu
Damit liegen inzwischen Städte wie Saarlouis (Saar), Lingen (Ems) und Salzgitter (Mittellandkanal) vor dem immer noch größten Neckarhafen. Unangefochten auf Rang liegt Duisburg mit mehr als 40 Millionen Tonnen, gefolgt von Köln – und Hamburg. Denn die Stadt an der Elbe empfängt auch Schiffe, die über den Fluss oder Kanäle ankommen.
Dabei hatte Heilbronn auch schon deutlich mehr Schiffsbetrieb. 1990 betrug der Umschlag laut den Daten der Landesbehörde noch mehr als 5,9 Millionen Tonnen. In den folgenden Jahren schwankte er zwischen 5,357 (1998) und 4,207 (2003) Millionen Tonnen. 2007 sackte der Umschlag erstmals unter die Marke von vier Millionen Tonnen, 2015 wurden erstmals auch die drei Millionen Tonnen unterschritten.

Im Niedrigwasser-Jahr 2018 wurde ein vorläufiger Tiefststand von 2,179 Millionen Tonnen registriert, der in den Corona-Jahren 2020 und 2021 nochmals unterschritten wurde. Aber auch 2022 waren es nur noch 1,907 Millionen Tonnen, 2023 sogar nur 1,654, ehe vergangenes Jahr der langjährige Tiefststand erreicht wurde.
Am Rhein in Karlsruhe und Kehl ist der Umschlag sogar gestiegen
Dabei lief es an den anderen Häfen im Land deutlich besser in den vergangenen Jahren. In Karlsruhe waren es 1990 zwar auch knapp zwölf Millionen Tonnen, deren Menge bis 1998 in etwa halbiert war, doch seitdem schwanken die Umschlagmengen zwischen sechs und acht Millionen Tonnen - 2024 wurde der Vorjahreswert übertroffen. Das galt auch für den Hafen von Kehl, der auf mehr als vier Millionen Tonnen kommt, während in Mannheim die Flaute der Chemiebranche zu spüren ist – das Jahr 2024 markiert auch hier den tiefsten Wert in der Tabelle, die mit dem Jahr 1990 beginnt.
In Heilbronn war es jedoch weniger die Chemieindustrie, die zu dem Rückgang geführt haben dürfte. Zwar verschiffen die Südwestdeutschen Salzwerke vom Salzhafen aus Industriesalz für Chemiefabriken, wo es als Grundstoff für die Kunststoffherstellung dient.
Vor allem aber wird deutlich weniger Steinkohle angeliefert: Weil die Blöcke 5 und 6 des Kohlekraftwerks Heilbronn nur noch Reservekraftwerke sind und auch Block 7 nur noch auf Anforderung läuft, wird deutlich weniger Brennstoff benötigt. Nächstes Jahr, wenn das neue Gaskraftwerk in Betrieb gehen soll, dürfte daher der Umschlag im Heilbronner Hafen noch weiter zurückgehen.
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