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Der Heilbronner Hafen muss mehr Dienstleister werden

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Beim 3. Heilbronner Hafenforum sprach sich der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann für einen Infrastrukturfonds für alle Verkehrsträger aus: "Wir brauchen eine Modernisierungsoffensive." Gleichzeitig wurden Lösung besprochen, wie die Binnenschifffahrt auf dem Neckar gestärkt werden kann.

Der Hafen Heilbronn ist das trimodale Rückgrat der Region, der die Transportwege Wasser, Schiene und Straße miteinander verzahnt. Der Gesamtumschlag lag 2023 bei rund 2,7 Millionen Tonnen. Foto: Andreas Veigel
Der Hafen Heilbronn ist das trimodale Rückgrat der Region, der die Transportwege Wasser, Schiene und Straße miteinander verzahnt. Der Gesamtumschlag lag 2023 bei rund 2,7 Millionen Tonnen. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel

"Die Neckarschleusen sind alt, die Neckarbrücken sind alt - was müssen wir tun, damit die Binnenschifffahrt auf dem Neckar wieder stärker wird?", kam Verkehrsminister Winfried Hermann beim 3. Heilbronner Hafenforum in der Alten Rederei im Neckarbogen am Montag gleich auf den Punkt. Für ihn müssen Häfen Dienstleister und trimodale Drehscheiben werden. Außerdem müssen sie stärker in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden. Als Positivbeispiel nannte Hermann den Hafen Duisburg. Neben der Klimaneutralität müssten Häfen auch auf nachhaltige Energiestoffe wie Wasserstoff und deren Verteilung setzen.

Auch ohne Verlängerung müssen die Neckarschleusen saniert werden

Mit Nachdruck forderte Hermann einen Infrastrukturfonds für alle Verkehrsträger über Jahre hinweg: "Der Bund gab zuletzt deutlich zu wenig Geld für den Erhalt der Infrastruktur aus." Zu den Schleusen am Neckar sagte der Minister: "Die Entscheidung, sie nicht auszubauen, kam vom Bund, nicht von mir. Ich habe nur entschieden, dass das Land als Konsequenz die Förderung der Planstellen einstellt." Nichtsdestotrotz müssten alle Schleusen saniert werden.  Baden-Württemberg werde deshalb ein Strategiekonzept für die Binnenschifffahrt erarbeiten. 

Für Oberbürgermeister Harry Mergel ist das Hafenforum ein Symbol für den Stellenwert, den der Heilbronner Hafen hat: "Mit einem Gesamtgüterumschlag von 2,7 Millionen Tonnen ist er das trimodale Logistikrückgrat der Region und Drehscheibe für den nationalen und internationalen Warentransport." Kurz streifte Mergel das Aus der Neckarschleusen-Verlängerung: "Wir bedauern die Entscheidung, erwarten aber, dass zumindest die 110-Meter-Lösung nochmals ernsthaft geprüft wird."

Mit der Concorde über die Autobahn

Die Concorde und das U-Boot U17 über enge Straßen und Wege ins Technikmuseum nach Sinsheim oder tonnenschwere Bauteile des A380 nach Dresden zu transportieren - Nicolas Grimm, Projektleiter bei der Spedition Kübler GmbH, betonte die Leistungsfähigkeit heutiger Schwerlast-Transportfahrzeuge, sieht jedoch bei den Verkehrswegen Probleme: "Der Transport per Schiff dauert relativ lange, und die Autobahnen und deren teilweise maroden Brücken lassen in Sachen Leistungsfähigkeit zu wünschen übrig." 

"Der Schwertransport ist notwendige Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft. Deshalb müssen die Transportwege funktionieren", betonte Dr. Gerald Karch, Geschäftsführer der Til Group, die Bedeutung diese Sparte. Gesehen werden müsse diese Forderung wegen der zunehmenden Anzahl an Schwertransporten. Vor allem im trimodalen Bereich - Straße, Schiene, Wasserweg - müsse sich dringend etwas tun. Das neueste Fahrzeug ist mit 23.000 Tonnen auf 880 Achsen unterwegs. Gleichzeitig müsse die überbordende Bürokratie abgebaut werden. Für den Heilbronner Hafen forderte Karch mehr Lagerflächen und mehr Hallen. Auch der Schwerlastkai müsse optimiert werden: "Wir brauchen heute sieben Schwerlastfahrten, um einen Schwertransport abzuwickeln."

Von 22 Schleusen funktionieren nur 14 reibungslos

Die nach wie vor vorhandene Bedeutung von Binnenschiffen unterstrich Denny Kalfier, Schiffsinspektor bei Krieger Lux S.a.r.l., die sich auf die Durchführung und Vermittlung von Binnenschifffahrtstransporten spezialisiert hat: "Binnenschiffe sind langlebig, und ein Schiff stößt fünf Mal weniger CO2 aus als ein Lkw." Als Herausforderung für die  Binnenschifffahrt nannte er vor allem die Schleusenproblematik am Neckar: "Von 22 Schleusen zwischen Mannheim und Heilbronn funktionieren gerade einmal 14 reibungslos." Für den Treibstoff Wasserstoff hält er Binnenschiffe "für zu klein".

Lidl will bis 2050o klimaneutral sein

Einblicke in die Welt des europaweit größten Einzelhändlers Lidl gewährte Matthias Oppitz. Der Vorstand Logistik und Zentralbereiche bei der Lidl Stiftung legte dabei den Schwerpunkt auf die 2021 gegründete  unternehmenseigene Reederei Tailwind Shipping Lines mit aktuell neun gecharterten Containerschiffen für Nonfoodware: "Wir trotzen dadurch Störungen in den Lieferketen, Verwerfungen auf den Finanzmärkten und extremem Wetterverhältnissen." Bis 2050 will Lidl - 125,5 Milliarden Euro Umsatz in 2023 - auch durch die Flottenerneuerung klimaneutral sein. So werden künftig eigene Schiffe gebaut und mit Methan betrieben, das bei der Verarbeitung von Abfall bei dem zur Schwarz Gruppe gehörenden Umweltdienstleister Pre Zero anfällt. Gleichzeitig setzt Lidl auf E-Lkw und baut eine Bahnlinie von der Hafenstadt Kober in Slowenien nach Graz in Österreich, von wo aus Lidl-Standorte in Osteuropa beliefert werden. 




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