Kein Breuninger in Heilbronn: Darum scheiterten die Pläne der Modehauskette
Breuninger steht wohl vor dem Verkauf. Zwei Mal stand die Stuttgarter Modehauskette kurz davor, sich in Heilbronn anzusiedeln – warum hat es nicht geklappt?
In einer krisenbehafteten Einzelhandels-Branche gilt Breuninger als Leuchtturm: Umso überraschender war Ende August die Nachricht, dass die traditionsreiche Stuttgarter Modehauskette zum Verkauf steht. Ein Breuninger-Sprecher reagierte bezüglich dem möglichen Verkauf und berichtete der Heilbronner Stimme. Breuninger ist weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus ein Begriff. In Deutschland betreibt Breuninger zwölf Warenhäuser. Beinahe hätte sich das Unternehmen auch in Heilbronn angesiedelt. Ein Festtag für die Stadt wäre das gewesen, wenn es so gekommen wäre. Stattdessen aber platzte der Heilbronner Traum gleich zwei Mal.
Ende der Achtziger Jahre war eine Breuninger-Ansiedlung in Heilbronn das erste Mal im Gespräch. Damals ging es um den Berliner Platz neben dem Theater. "Ein unmöglicher Platz", wie der damalige Breuninger-Chef Willem van Agtmael sagte. Bei einem Diskussionsabend auf Einladung der Wirtschaftsjunioren Heilbronn echauffierte sich der geschäftsführende Gesellschafter der Warenhauskette vor allem über die Grundstückpreise. Die seien absurd.
Einen Platz am Wollhauszentrum in Heilbronn hätte Breuninger gerne genommen
Für ihn war damals klar: Ändert sich nichts an der Situation, bleibt der Heilbronner Traum von einer Ansiedlung der Modehauskette zumindest an diesem Standort unerfüllt. Die Verhandlungen mit den Grundstückeigentümern waren zu dem Zeitpunkt - im März 1990 - ins Stocken geraten, wie die Heilbronner Stimme damals berichtete. "Die Preise der Grundstücke sind völlig überdimensioniert, weit über der Realität", sagte Agtmael an jenem Abend. In Frankfurt oder Berlin am Theater hätte er zugeschlagen, aber sicher nicht in Heilbronn.
"Wir würden sofort kommen, wenn man uns einen Platz am Wollhauszentrum anbieten würde." Willem van Agtmael
Die Leute sollten nicht glauben: Nur weil Breuninger kommt, laufe es auch – egal wo. Erst wenn der Preis stimmt, "dann haben wir zugesagt, dass wir kommen". Anders sah Willem van Agtmael damals die Lage am Wollhausplatz: "Wir würden sofort kommen, wenn man uns einen Platz am Wollhauszentrum anbieten würde." Da schreckte ihn auch die Konkurrenz des umgebauten Horten nicht ab. Er vertrete schließlich die Devise: Konkurrenz belebe das Geschäft. "Ein sehr guter Konkurrent ist immer auch ein Magnet."
Für den damaligen Oberbürgermeister Manfred Weinmann war aber ausgeschlossen, dass die Stadtverwaltung Breuninger einen Standort in Wollhaus-Nähe anbietet. "Ein Tausch Technisches Rathaus - Breuninger kommt nicht infrage", sagte der Rathauschef damals laut eines Stimme-Berichts. Auch sei eine Ansiedlung auf dem Landerer-Areal aus seiner Sicht verhängnisvoll, weil die Innenstadt dann nur noch aus einem Einkaufsklumpen bestehe.

Weinmann zeigte sich überzeugt, dass die Tür in den Verhandlungen mit Breuninger zur Ansiedlung am Berliner Platz trotz der Agtmael-Aussagen nicht geschlossen sei. "Wir verhandeln weiter, ich bin zuversichtlich, dass hier ein Zentrum entsteht." In der Sache wollte er hart bleiben. "Wir haben nichts zu verschenken. Und wenn Breuninger nicht kommt, dann kommt eben ein anderer." Breuninger kam am Ende nicht.
Und doch war das Thema und damit der Traum von einer Ansiedlung in Heilbronn nicht gänzlich passé. Zehn Jahre später ergab sich eine weitere Möglichkeit: mit dem Aus von Beilharz. Das Kaufhaus der Stadt schlechthin seit den Fünfziger Jahren hatte für das Jahr 2000 seine Schließung angekündigt. Bereits im Jahr zuvor wird das Interesse von Breuninger am Klosterhof-Standort bekannt - es gibt sogar eine Absichtserklärung der Warenhauskette.

Trotzdem sind die Stuttgarter vergleichsweise zurückhaltend gewesen, begründeten das mit der allgemeinen Situation im Einzelhandel und der Sorge, dass sich die zu erwartenden Investitionen und Grunderwerbskosten im Klosterhof-Areal nicht rentieren würden. Ein weiteres Problem neben den komplizierten Eigentümerverhältnissen: Für ein großes Kaufhaus an diesem Standort sei die Frage der Parkplätze nicht befriedigend gelöst.
Entsprechend löst die Modehauskette die Absichtserklärung, die Breuninger bis Ende 2001 alle Möglichkeiten gelassen hätte, nicht ein. "Ich persönlich war immer skeptisch und hielt dieses Ziel, Breuninger nach Heilbronn zu holen, für wahnsinnig ehrgeizig, mit der Gefahr, dass es nicht realisierbar ist", sagte Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach in einem Stimme-Interview im Januar 2002.
Breuninger kommt nicht nach Heilbronn: 2007 erfolgt der spektakuläre Abbruch
Aber klar: "Falls Breuninger ja sagt, wäre dies ein Festtag", meinte Himmelsbach. Zwei Monate später sagte das Unternehmen dann definitiv nein, die Hängepartie war damit vorbei. Nach Überlegungen der Stadt sollte auf dem Klosterhof-Areal ein hochwertiges City-Center mit attraktiven Läden, Geschäften und Gastronomie entstehen. Bis es aber soweit war, verging noch viel Zeit.
Erst nach dem überraschenden Tod von Jürgen Marschner Ende 2004 kommt Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen. Marschner war Haupteigentümer auf dem Klosterhof, ihm gehörte unter anderem das Kaufhaus Beilharz. Die Stadt kauft dessen Gebäude, um sie später an einen Projektentwickler weiterzuverkaufen, der nun die erforderlichen 4800 Quadratmeter für einen Neubaukomplex zusammen hat.
2007 erfolgt der spektakuläre Abbruch der alten Gebäude, im März 2005 eröffnet das neue Geschäftshaus - von Breuninger ist da längst keine Rede mehr.
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