Größte Hürde beim Immobilienerwerb ist für viele Menschen das fehlende Eigenkapital. In der langen Niedrigzinsphase war es für viele Haushalte schwierig, Vermögen aufzubauen. „Eigenkapital entsteht nicht von heute auf morgen: Hier hilft frühzeitiges, planvolles Vorsparen“, sagt der Immobilienexperte. Als Beispiel nennt er einen staatlich geförderten Bausparvertrag.
Wohnen im Raum Heilbronn und Hohenlohe: Warum Eigentum hier mehr verbreitet ist
Bundesweit lebt die Mehrheit der Menschen zur Miete. In Raum Heilbronn und in Hohenlohe ist der Anteil der Eigentümer dagegen deutlich höher. Das sind die Gründe.
Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden bleibt für die meisten Deutschen ein Traum: Weniger als die Hälfte der Menschen im Land lebt in der eigenen Immobilie. Nach aktuellen Zahlen des Statistischem Bundesamts, die auf dem Zensus des Jahres 2022 basieren, lebten knapp 42 Prozent in selbst genutztem Eigentum. Heißt auch: Die Mehrheit der Deutschen – etwas mehr als 58 Prozent – wohnt zur Miete.
Deutschland einig Mieter-Land: Im Vergleich zu 2011 (45,1 Prozent) hat sich die Wohneigentumsquote noch einmal verringert. Wunsch und Wirklichkeit liegen in Deutschland also weit auseinander. „Umfragen zeigen, dass rund zwei Drittel der Mieter gerne in den eigenen vier Wänden leben würden“, sagt Oliver Adler, Immobilienexperte der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Gleichzeitig ist Deutschland bei der Wohneigentumsquote Schlusslicht in der EU.“
Wohneigentum in Deutschland: Hohe Bau- und Kaufkosten und steigende Nebenkosten werden zum Problem
Einer Erhebung von Eurostat zufolge liegt Deutschland mit rund 47 Prozent ebenfalls deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Die Slowakei nimmt mit einer Eigentumsquote von 93 Prozent den ersten Platz ein, es folgen Ungarn (92 Prozent) und Polen (87). Das liegt mitunter an der Privatisierung nach dem Ende des Sozialismus. Doch auch in anderen Ländern ist die Quote hoch, während sie in Deutschland zuletzt sogar leicht sank. „Das zeigt: Der Traum vom Wohneigentum ist verbreitet, für viele Menschen aber immer schwerer realisierbar“, sagt Oliver Adler.

Laut dem Experten ist der Weg steiniger geworden. „Hohe Bau‑ und Kaufkosten, steigende Nebenkosten und vor allem das notwendige Eigenkapital stellen für viele Haushalte eine enorme Herausforderung dar.“ Eine seit Jahren zu geringe Neubautätigkeit treibe die Preise weiter und verschärfe den Wettbewerb um Wohnraum zusätzlich. So ist Wohneigentum inzwischen zum Luxus geworden. Dabei sind die eigenen vier Wände ein zentraler Baustein der Altersvorsorge und könnten helfen, den Wohnungsmarkt zu entlasten, so der Experte.
Bauwirtschaft sieht dringenden Handlungsbedarf auf politischer Ebene
Dass Bauen und Kaufen – nicht zuletzt durch staatlich bedingte Kosten und hohe regulatorische Anforderungen und Standards – in Deutschland zu teuer geworden ist, kritisiert auch die Bauwirtschaft Baden-Württemberg. „Um die Wohneigentumsquote wieder zu erhöhen, sind entschlossene politische Maßnahmen erforderlich“, teilt der Verband mit. So könnten Bau- und Kaufnebenkosten gesenkt werden, allen voran die Grunderwerbsteuer. Beim Ersterwerb solle diese Steuer nach Auffassung der Bauwirtschaft sogar komplett entfallen.
„Der Traum vom Wohneigentum ist verbreitet, für viele Menschen aber immer schwerer realisierbar.“
Oliver Adler
Allerdings ergeben sich bei der Eigentumsquote auch starke regionale Unterschiede: Sie reichen von 16 bis über 70 Prozent. Schon der Blick auf die Bundesländer relativiert den Durchschnittswert: Dass die Eigentumsquote in Berlin (16 Prozent), Hamburg (22) und Bremen (33) relativ gering ausfällt, zeigt die Abhängigkeit von der Siedlungsdichte. Während in großen Städten vor allem gemietet wird, ist die Eigentumsquote im ländlichen Raum deutlich höher.
Auf Platz eins in Deutschland liegt das Saarland mit einer Quote von 60 Prozent. Dahinter liegt Rheinland-Pfalz: 51 Prozent Eigentumsquote bedeutet, dass auch hier mehr Menschen in ihren eignen vier Wänden leben als zur Miete. In Niedersachsen auf Rang drei sind Eigentümer mit 49 Prozent schon wieder in der Minderheit. Knapp dahinter folgt schon Baden-Württemberg: 48 Prozent Eigentumsquote bedeuten Platz vier.
Raum Heilbronn: Wo die meisten Haushalte in eigener Immobilie leben
Ein Blick in die Region zeigt: Der Stadtkreis in Heilbronn liegt mit einer Wohneigentumsquote von rund 42 Prozent im bundesdeutschen Schnitt. Die Landkreise in der Region dagegen deutlich drüber: Der Anteil der Haushalte mit selbst genutztem Eigentum ist im Landkreis Heilbronn (61,6 Prozent) und Hohenlohekreis (61,8) beinahe identisch, auch Schwäbisch Hall (60,8) und der Main-Tauber-Kreis (60,3) stehen dem kaum nach. Am höchsten ist die Quote im Neckar-Odenwald-Kreis: Dort leben knapp 64 Prozent in einer eigenen Immobilie.
In Richtung Süden und Stuttgart nimmt die Eigentumsquote dann schon wieder spürbar ab. Dass Deutschland im Europäischen Vergleich Schlusslicht ist, liegt „einerseits an einem historisch starken Mietwohnungsmarkt und einer mieterfreundlichen Wohnungspolitik durch regulatorische Eingriffe des Staates wie der Mietpreisbremse“, erklärt Oliver Adler. Zudem würden Länder wie die Niederlande, Großbritannien und Frankreich Wohneigentum deutlich konsequenter gefördert – gerade für junge Menschen und Familien.
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