Absicherungen, wie eine Restschuldversicherung, können sinnvoll sein. „Eine Berufsunfähigkeitsversicherung gibt den meisten Kreditnehmern zusätzliche Sicherheit, ist aber nicht entscheidend für die Kreditvergabe“, sagt Thomas Billmann von der Bausparkasse Schwäbisch Hall.
Eigenheim trotz Single-Haushalt: Diese Strategien helfen bei der Finanzierung
Mehr Eigenkapital, strengere Prüfungen und höhere Risiken: Für Singles ist der Immobilienkauf oft schwieriger. Mit den richtigen Strategien kann er dennoch gelingen.
Der Weg ins Eigenheim folgt oft einem klassischen Muster: zwei Einkommen, gemeinsame Planung und geteilte Risiken. Frisch verheiratete Paare und junge Familien gelten noch immer als typische Ersterwerber – doch dieses Bild passt immer weniger zur Lebensrealität in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt lebten im Vorjahr rund 17 Millionen Menschen allein.
Dennoch entfällt laut Branchenangaben nur etwa ein Fünftel der Immobilien-Ersterwerber auf Alleinlebende. Der Grund liegt in höheren Anforderungen. „Für Banken stellen Singles ein höheres Risiko dar“, sagt Thomas Billmann, Finanzierungsexperte der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Während Paare Eigenkapital und Einkommen bündeln und die Fixkosten teilen könnten, tragen Singles sämtliche Verpflichtungen allein.
Immobilienkauf: Eigenkapital wird bei Alleinlebenden zur größten Hürde
Entsprechend verlangen Banken von Singles meist mehr Eigenkapital, zudem müssen sie nachweisen, dass sie Kreditrate, Lebenshaltungskosten und weitere Verpflichtungen allein stemmen können. „Für Singles ist Eigenkapital der zentrale Hebel auf dem Weg ins Eigenheim“, sagt Billmann. Zugleich zeigt sich dabei die wohl größte Hürde: Statistiken zufolge verfügen mehr als die Hälfte der Singles über weniger als 10.000 Euro Eigenkapital.

Umso wichtiger ist ein früher und kontinuierlicher Vermögensaufbau über verschiedene Anlageformen hinweg. Das können Bausparverträge ebenso sein wie Fonds und ETFs. Laut Experten sollten mindestens die Kaufnebenkosten – zehn bis 15 Prozent der Kaufsumme – und weitere zehn Prozent Eigenkapital vorhanden sein. Insgesamt ergibt sich damit ein Eigenkapitalbedarf von idealerweise 20 bis 30 Prozent.
Eigene Familie kann die Finanzierung einer Immobilie erleichtern
„Wer lediglich zehn Prozent Eigenkapital aufbringen kann, sollte unbedingt prüfen, ob lokale Landesförderinstitute mit zinsgünstigen, nachrangigen Finanzierungen unterstützen können“, rät Billmann. Neben Eigenkapital können Singles ihre Konditionen durch zusätzliche Sicherheiten verbessern. Möglich sind etwa ein Bürge oder ein weiterer Vertragspartner aus dem engen Familienkreis. Auch Schenkungen oder private Darlehen aus dem Elternhaus erhöhen die Kreditwürdigkeit.
„Die Einbindung von Familiensicherheiten kann den entscheidenden Unterschied machen.“
Thomas Billmann
Eine weitere Option ist, Immobilien innerhalb der Familie als Sicherheit einzubinden. Die Bank kann einen Teil des Beleihungswerts (beispielsweise 70 Prozent) der Immobilie ansetzen, die fehlenden 30 Prozent können durch eine anteilige Grundschuld auf die elterliche Immobilie abgesichert werden. Sofern diese denn lastenfrei ist. „Gerade die Einbindung von Familiensicherheiten wird oft unterschätzt – kann aber den entscheidenden Unterschied machen“, erklärt der Experte der Bausparkasse Schwäbisch Hall.
Förderungen für Singles können beim Wohnungskauf ein „Gamechanger sein“
Viele Singles unterschätzen zudem die Rolle staatlicher und regionaler Förderprogramme. „Gerade für Einzelpersonen können Förderungen und ihre Kombination ein Gamechanger sein“, sagt Billmann. Unter gewissen Voraussetzungen stünden ihnen vergünstigte KfW-Kredite sowie zahlreiche regionale Förderungen zur Verfügung. Im Südwesten gibt es beispielsweise das Z15-Darlehen der Landesbank Baden-Württemberg.
Vor jeder Finanzierung steht für Singles wie Paare ein detaillierter Kassensturz: Nur wer Einnahmen, Ausgaben und finanzielle Spielräume kennt, kann eine realistische monatliche Rate festlegen. Als Richtwert nennen Experten, höchstens 30 Prozent des Nettoeinkommens für die monatliche Kreditrate einzuplanen. Mit Blick auf Zinsrisiken rät der Finanzierungsexperte zu einer vorausschauenden Strategie mit längeren Zinsbindungen sowie die Kombination aus unterschiedlichen Laufzeiten.
Rücklagen unverzichtbar: Drei bis sechs Monatsgehälter empfehlenswert
„Das ist keine Pflicht, aber ratsam, um zu verhindern, dass Zinsänderungen den Kreditnehmer nach zehn Jahren aus der Bahn werfen“, sagt Thomas Billmann. Rücklagen sind wie bei Paaren unverzichtbar, um finanzielle Engpässe bei Krankheit oder Jobverlust abzufedern. Empfehlenswert seien drei bis sechs Monatsgehälter.

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