Kündigungen bei Porsche-Tochter: Cellforce will nur geringe Abfindungen bezahlen
Der Schock sitzt tief bei den Beschäftigten der Porsche-Tochter Cellforce: Rund 200 der 286 Angestellten sollen ihren Job verlieren. Die IG Metall kritisiert das Vorgehen stark.
Es sollte ein Vorzeigeprojekt werden - für den VW-Konzern, für die kleine Gemeinde Kirchentellinsfurt, für den gesamten Industriestandort Deutschland. Porsches Tochterfirma Cellforce sollte Hightech-Batteriezellen nicht nur entwickeln, sondern auch produzieren. Seit Montag ist der Traum geplatzt: Rund 200 der 286 Beschäftigten verlieren ihren Arbeitsplatz.
Der Standort Kirchentellinsfurt soll sich in Zukunft auf die Forschung konzentrieren. Entwicklungschef Michael Steiner sagte, ursprünglich sei die Fabrik in Kirchentellinsfurt unweit von Reutlingen als „Anlauffabrik“ mit einem Produktionsvolumen von etwa einer Gigawattstunde im Jahr geplant gewesen. Später hätte es eine Skalierung an einem zweiten Standort geben sollen. „Das ist aus heutiger Sicht nicht realistisch.“ Zu geringe Nachfrage, zu hosten – der Hochlauf der Elektromobilität kommt nicht so schnell wie erwartet.
Porsche-Tochter Cellforce kündigt ersten Beschäftigten
Zudem steckt Porsche in der Krise. Absatz und Gewinn sind zuletzt stark eingebrochen. Das schwache Geschäft in China und die US-Zölle drücken das Ergebnis. Nun also der Kahlschlag bei Cellforce. In drei Monaten werden die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits arbeitslos sein. Eine Jobgarantie bis Ende Juli 2030 wie bei der Porsche AG gibt es bei der Batterietochter nicht.
Entsprechend gedrückt ist die Stimmung bei der Betriebsversammlung, berichten Anwesende unsere Zeitung, einige seien in Tränen ausgebrochen. „Die Verunsicherung ist riesig“, berichten Vertreter der IG Metall. Nach nicht einmal 40 Minuten soll Vorstand Steiner schon wieder weg gewesen sein. Nach der Versammlung folgt für einige Beschäftigten der nächste Schock: Manche der Cellforce-Mitarbeiter haben zu Hause bereits die Kündigung im Briefkasten, berichtet die IG Metall.
Porsche-Tocher baut Stellen ab: So setzen sich die Abfindungen bei Cellforce zusammen
Porsche selbst schreibt in einer Mitteilung, dass der Personalabbau „sozialverträglich“ ablaufen soll. Aus Kreisen der IG Metall ist zu erfahren, was in den Kündigungsschreiben steht. Ein halbes Monatsgehalt pro Arbeitsjahr will der Sportwagenbauer als Abfindung zahlen. Allerdings nur, wenn der Beschäftigte nicht gegen die Kündigung klagt. Gegründet wurde Cellforce erst 2021. Selbst wer von Anfang an dabei ist, geht mit verhältnismäßig wenig Geld nach Hause. Übrig bleibt am Ende nur die Forschungsabteilung, die weiter an Batteriezellen arbeiten soll.
Das alles sei „einfach unanständig“ und „nicht Porsche-like“, wettert Harald Buck, der den Konzernbetriebsrat von Porsche leitet und auch im Aufsichtsrat sitzt. Einen Betriebsrat bei Cellforce gibt es (noch) nicht, er sollte Mitte September gewählt werden. Das kommt wahrscheinlich für die betroffenen Beschäftigten zu spät.
Kündigungen bei Cellforce: „Wir fordern Porsche auf, endlich Verantwortung zu übernehmen“
Vertreter der Gewerkschat IG Metall sparen nicht mit Kritik. „Es darf nicht sein, dass Porsche und Cellforce Entscheidungen von solcher Tragweite im Alleingang durchdrücken. Weitere unternehmerische Schritte müssen in einem geordneten, transparenten und mitbestimmten Verfahren erfolgen – so, wie es in einem Konzern dieser Größe selbstverständlich sein sollte“, sagt Kai Lamparter, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Reutlingen-Tübingen.

„Wir fordern Porsche und Cellforce auf, endlich Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit dem künftigen Betriebsrat, der IG Metall sowie Politik und Wirtschaft tragfähige Lösungen zu entwickeln.“ Es gehe um die Zukunft der Batteriezellfertigung in Kirchentellinsfurt und der von hunderten Beschäftigten.
Der Oberbürgermeister von Reutlingen, Thomas Keck (SPD), zeigte sich am Montag bestürzt von dem geplanten Stellenabbau. Die ganze Region habe große Hoffnungen in das Projekt gesetzt: „Es handelt sich um eine Hightech-Geschichte mit einer enormen Strahlkraft – nicht nur am Standort, sondern darüber hinaus für ganz Deutschland. Insofern bin ich ein Stück weit schockiert über die aktuelle Entwicklung.“ Die IG Metall will die Betroffenen bei Cellforce nun bei Kündigungsschutzklagen unterstützen.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare