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Welche Corona-Regeln ab Samstag in Baden-Württemberg gelten

Die neue Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg sieht erhebliche Verschärfungen gegenüber der Bundeslösung vor. Gastro-Vertreter sehen "faktisch einen Lockdown durch die Hintertür". Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

von Ulrike Bäuerlein
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Coronavirus - 2G-plus-Regel in Niedersachsen
Ein Schild an der Tür eines Restaurants weist auf die 2G-plus-Regel hin. Foto: dpa

Großveranstaltungen und Gastronomie - das sind die Bereiche, bei denen Baden-Württemberg mit der neuen Corona-Verordnung harte Maßnahmen ergreift. Ab diesem Samstag gilt: Bilder von vollen Stadien wird es vorerst nicht mehr geben, bei maximal 750 Besuchern oder 50 Prozent Auslastung ist Schluss. Hart getroffen wird die Gastronomie: Restaurants bleiben geöffnet, dürfen Zutritt aber nur gewähren, wenn die Gäste 2G-Status plus einen aktuellen negativen Test nachweisen können. Von der 2G-plus-Regel ausgenommen sind Menschen mit Booster-Impfung. Für Ungeimpfte heißt es vielerorts: Kein Zutritt. Was gilt von Samstag an? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was gilt künftig für Veranstaltungen und Freizeiteinrichtungen?

Sport-, Kultur- und vergleichbare Großveranstaltungen werden stärker eingeschränkt - in jedem Fall gilt für Besucher und Gäste 2G plus. In der derzeit geltenden Alarmstufe II sind bei Veranstaltungen höchstens 50 Prozent der Kapazität zulässig. Fasst ein Konzertsaal 300 Zuhörer, dürfen maximal noch 150 hinein. Grundsätzlich gilt in jedem Fall aber eine Personenobergrenze von 750 Besuchern. Dies betrifft etwa Theater, Oper, Konzerte, Informationsveranstaltungen, Stadtführungen, Betriebs- und Vereinsfeiern und Sportveranstaltungen. Die Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart, SC Freiburg und TSG Hoffenheim müssen zu Hause künftig "Geisterspiele" abhalten. Diskotheken, Clubs und clubähnliche Lokale bleiben zu.

Bleiben Restaurants geöffnet?

Ja, aber für die Gastronomie gilt von Samstag an generell die 2G-plus-Regel. Das umfasst auch für Hotelgastronomie. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte: "Wir weisen aber auch darauf hin, dass auch Veranstalter und Gastronomen ihren Gästen und Kunden Selbsttests anbieten dürfen." Solche Selbsttests seien unter Aufsicht der Einrichtung in allen 2G-plus- oder 3G-Bereichen zulässig. Der baden-württembergische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) nennt die Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene trotzdem "faktisch einen Lockdown durch die Hintertür", so der Landesvorsitzende Fritz Engelhardt am Freitag. "Spontane Gasthaushausbesuche sind unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich, zumal es fast überall im Land an einer ausreichenden Testinfrastruktur fehlt." Der Dehoga rechnet damit, dass in den nächsten Tagen viele gastgewerbliche Betriebe schließen und ihre Beschäftigten in Kurzarbeit schicken müssen, weil sie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können.

Wie sieht es mit Einkäufen aus?

Im gesamten Einzelhandel gilt 2G - mit Ausnahme von Abhol- und Lieferdiensten sowie Geschäften der Grundversorgung.

Gibt es Ausnahmen von der 2G- plus-Regel?

Ja, für Personengruppen, die im Detail in der Verordnung aufgeführt sind. Dazu gehören etwa alle Kinder unter fünf Jahren oder Kinder unter sieben Jahren, die noch nicht eingeschult sind, Schüler an den Sonderpädagogischen Zentren, Personen, für die es keine Impfempfehlung gibt oder die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können sowie Menschen mit Booster-Impfung und einige weitere Ausnahmen. Nur noch bis 10. Dezember sind Schwangere und Stillende ausgenommen.

Ändert sich etwas für Schüler?

Ja - Eltern aufgepasst: Bisher waren Schüler gegen Vorlage des Schülerausweises von der Testpflicht befreit. Sie wurden in den Schulen ohnehin getestet. Für die Weihnachtsferien gilt dies erstmals nicht mehr. Ab Ferienbeginn müssen auch Schüler unter 18 Jahren einen Antigen-Schnelltest vorlegen, sofern dieser etwa bei 2G plus vorgeschrieben ist - etwa im Kino, Schwimmbad oder im Restaurant.

Fällt die Knallerei an Silvester wieder aus?

Ja und Nein. Bundeseinheitlich untersagt wird zwar in jedem Fall der Verkauf von Böllern und Feuerwerk im Vorfeld von Silvester. Die Kommunen können zudem in bestimmten Bereichen ein Verbot von Böllern und Feuerwerk erlassen. Dazu gilt grundsätzlich ein Ansammlungs- und Versammlungsverbot an Silvester und am Neujahrstag. Auf bestimmten Plätzen gilt zudem ein Alkoholverbot.

Kann man dann überhaupt mit der Großfamilie Weihnachten und mit Freunden Silvester feiern?

Fest stehen bislang nur Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. Hier gilt: ein Haushalt plus eine weitere Person ist erlaubt, sonst nichts. Für private Feiern und Zusammenkünfte von Geimpften und Genesenen soll laut Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz eine Teilnehmergrenze von 50 Personen in Innenräumen und 200 Personen im Außenbereich eingeführt werden.

Warum verschärft nur Baden-Württemberg die Maßnahmen so stark?

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) begründet die Maßnahmen mit der sich in Baden-Württemberg zuspitzenden Lage auf den Intensivstationen, dem weiter hohen Infektionsgeschehen und dem Aufkommen der neuen Virusvariante. Kretschmann setzt darauf, dass die sich derzeit aufbauende vierte Welle noch vor Weihnachten durch diese Maßnahmen sowie strikte freiwillige Kontaktbeschränkungen gebrochen werden kann.

Wo kann man nachlesen, was derzeit gilt?

Die Landesregierung hat die neue Corona-Verordnung am Freitagabend online veröffentlicht, auch das Sozialministerium verlinkt darauf. Es gelten die Regeln für die Alarmstufe II in der Fassung der überarbeiteten Corona-Verordnung vom 4.12.2021. Die Alarmstufe II wird ausgerufen, wenn die Hospitalisierungsinzidenz an zwei aufeinanderfolgenden Tagen den Wert von 6,0 erreicht oder überschreitet oder die Auslastung der Intensivbetten im Land den Wert von 450 erreicht oder überschreitet.

Corona-Regeln BW ab 4.12.2021

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