Stimme+
Umfrage
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

BaWü-Check: Bürger machen sich Sorgen wegen Flüchtlingszuzug

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Eine Umfrage im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage zeigt einerseits bedenkliche Entwicklung, andererseits hellt sich die Stimmung insgesamt überraschend deutlich auf.

Eine Familie an einer Grenzkontrollstelle: Mit großen Sorgen verfolgen die Menschen die derzeitige Entwicklung der Flüchtlingssituation.
Eine Familie an einer Grenzkontrollstelle: Mit großen Sorgen verfolgen die Menschen die derzeitige Entwicklung der Flüchtlingssituation.  Foto: Matthias Balk/dpa

Auch wenn die Stimmungslage der Bevölkerung nach wie vor von der Inflation, den Sorgen über den Krieg in der Ukraine und der Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung bestimmt wird, schaut die baden-württembergische Bevölkerung zunehmend entspannter und hoffnungsvoller in die Zukunft. Das zeigt die aktuelle Untersuchung im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage. Mit großen Sorgen verfolgen die Menschen allerdings die derzeitige Entwicklung der Flüchtlingssituation.

Jeder dritte Baden-Württemberger über die Entwicklung der Flüchtlingssituation sehr besorgt

2022 sind allein aus der Ukraine 146.000 Menschen in Baden-Württemberg aufgenommen worden. Wie bereits eine Untersuchung des Allensbacher Instituts im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage im November 2022 zeigte, sind die Reaktionen der Bürgerinnen und Bürger jedoch gänzlich andere als noch bei der Flüchtlingssituation 2015.

Aktuell ist jeder dritte Baden-Württemberger über die Entwicklung der Flüchtlingssituation sehr besorgt, weiteren 45 Prozent bereitet die Situation etwas Sorgen, nur 18 Prozent zeigen sich derzeit völlig unbesorgt.

Trenduntersuchungen auf Bundesebene zeigen, dass die Befürchtungen seit einigen Monaten deutlich zugenommen haben. Ältere Bevölkerungsgruppen berichten überdurchschnittlich häufig davon, dass die Entwicklung in ihrem Bekanntenkreis thematisiert wird.

 

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

 

Ländlicher Raum am Ende der Kapazitäten?

Die detaillierte Analyse zeigt, dass insbesondere im ländlichen Raum Baden-Württembergs der Eindruck dominiert, dass die Aufnahmekapazitäten ausgeschöpft sind: 56 Prozent der Bewohner auf dem Land sind davon überzeugt, dass bei ihnen am Ort und in der näheren Umgebung keine weiteren Flüchtlinge mehr aufgenommen werden können, in den Kleinstädten teilen 48 Prozent diese Auffassung, in den Mittelstädten sind es 47 Prozent und in den Großstädten 43 Prozent.

 


Mehr zum Thema

Flüchtlinge aus der Ukraine warten an der Hauptpforte der Landeserstaufnahmeeinrichtung, um hereingelassen zu werden.
Stimme+
Umfrage
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Bawü-Check: Beim Thema Flüchtlinge fehlt das Vertrauen


 

Jeder dritte Baden-Württemberger fühlt sich am eigenen Wohnort wegen der Flüchtlinge weniger sicher als früher. Gut jeder Zweite verspürt keine Beeinträchtigung des eigenen Sicherheitsgefühls, die auf die Flüchtlingssituation zurückzuführen wäre. Von denen, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingssituation von Beeinträchtigungen oder Nachteilen am eigenen Wohnort berichten, fühlen sich hingegen 65 Prozent weniger sicher als früher.

Insgesamt ist das Protestpotenzial beachtlich: Immerhin knapp jeder Dritte würde sich dagegen zur Wehr setzen, wenn in der näheren Umgebung eine größere Flüchtlingsunterkunft geplant wäre. 41 Prozent würden den Bau einer solchen Unterkunft hingegen auch bei sich vor Ort akzeptieren.

 


Mehr zum Thema

Flüchtlinge warten in einer Landeserstaufnahmestelle in einer Schlange. Der Landkreistag spricht sich für die Prüfung von Asylanträgen an den EU-Außengrenzen und die Beendigung freiwilliger Aufnahmeprogramme aus.
Stimme+
Meinung
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

BaWü-Check zur Flüchtlingssituation: Politik muss schneller handeln


Was als Problem gesehen wird, und was nicht

Die Einschätzung der Bevölkerung hängt ganz wesentlich damit zusammen, dass mittlerweile neben den ukrainischen Flüchtlingen auch vermehrt Flüchtlinge aus anderen Ländern nach Deutschland und Baden-Württemberg kommen: 33 Prozent der baden-württembergischen Bevölkerung geben zu Protokoll, dass ihre Sorgen gerade deshalb steigen.

Weitere 39 Prozent der Bevölkerung haben häufiger den Eindruck, dass die Landesregierung das Wohl der Flüchtlinge über das Wohl der Bürger in Baden-Württemberg stellt.

Insbesondere wenn es um die Abschiebepraxis des Landes geht, gibt es weit verbreitete Zweifel an der Politik der Landesregierung. 66 Prozent fordern, dass das Land straffällig gewordene Ausländer konsequenter abschieben sollte. 41 Prozent kritisieren zudem, dass Innenminister Thomas Strobl (CDU) sich nicht ausreichend dafür einsetzt, dass abgelehnte Asylbewerber konsequent abgeschoben werden.

Dass die Landesregierung in der Flüchtlingspolitik nicht unabhängig von der Politik des Bundes agieren kann, weiß jedoch auch ein Großteil der baden-württembergischen Bevölkerung.

Generell scheinen sich die Menschen an die Situation zu gewöhnen

Dennoch blickt gut jeder dritte Baden-Württemberger insgesamt optimistisch in die Zukunft. Seit Herbst ist der Anteil derer, die den kommenden zwölf Monaten mit Hoffnungen entgegensehen, von 21 auf 34 Prozent angestiegen. Im selben Zeitraum verringerte sich der Anteil derer, die mit ausgeprägten Befürchtungen auf die nächsten Monate blicken, von 32 auf 22 Prozent. Es gibt wenig Anlass, schon jetzt von einem nachhaltigen Stimmungsumschwung auszugehen. Die Bevölkerung scheint sich vielmehr an den krisenhaften Zustand gewöhnt zu haben und die Tatsache, dass in den letzten Monaten keine neuen Krisen hinzugekommen sind, als Hoffnungsschimmer zu werten.

Die Befragung wurde im Juni 2023 vorgenommen. Dazu führte Allensbach 1002 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der baden-württembergischen Bevölkerung ab 18 Jahre.

Nach oben  Nach oben