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So will Heidelberg bis 2030 klimaneutral sein

Heidelberg und Mannheim sind von der EU als Modellstädte für den Klimaschutz ausgewählt worden. Sabine Lachenicht, Leiterin des Umweltamtes in Heidelberg erklärt, worauf es in dem Prozess 100 Climate-neutral Cities by 2030 (100-CNC) ankommt

Valerie Blass
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Lesezeit 1 Min

Warum hat sich die Stadt Heidelberg zur Bewerbung um das 100-CNC-Projekt entschieden?

Sabine Lachenicht: Wir arbeiten seit vielen Jahren intensiv am Thema Klimaschutz: Wir haben vor der Landesregelung eine Solarpflicht für Neubauten eingeführt und haben im Rahmen der Energiekonzeption den Passivhaus-Standard für kommunale Neubauten und im Stadtteil Bahnstadt flächendeckend beschlossen. Aber auch wir müssen schneller werden. Die energetische Sanierung des Heidelberger Gebäudebestands ist ein großes Thema, genauso wie die Mobilität − mit dem Ausbau von ÖPNV und Radwegen.

Sie sagen, Ihnen sei bewusst, dass Sie auch scheitern können.

Lachenicht: Ja, das ist eine Möglichkeit, das Ziel Klimaneutralität bis 2030 ist sehr ambitioniert. Aber wir wollen es versuchen. Dafür brauchen wir alle Akteure der Stadtgesellschaft: alle städtischen Ämter, Gewerbe und Industrie, die Universität, die Kliniken, Studierende und alle Bürger dieser Stadt. Es geht auch um die persönlichen Einsparpotenziale, zum Beispiel bei Ernährung, Konsum und Mobilität.

Was erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Lachenicht: Wir hoffen zum Beispiel darauf, dass Weichenstellungen von Bund und Land geändert werden und das Projekt dafür Lobbyarbeit leisten kann. Die Kommunen können nicht alles alleine lösen, wir brauchen bessere Rahmenbedingungen und Gesetze, Baustoffe für Sanierungen und in Deutschland produzierte und schnell verfügbare Solarmodule. Es kann doch nicht sein, dass die Photovoltaik-Anlagen aus dem Ausland kommen, weil die Bedingungen für die Produktion durch die Änderungen im EEG verschlechtert wurden.

"Auch wir müssen schneller werden"
Sabine Lachenicht, Leiterin des Amtes für Amt für Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie in Heidelberg.  Foto: christian buck

Voneinander lernen ist ein wichtiger Aspekt.

Lachenicht: Ja, die Skandinavier etwa sind uns deutlich voraus, was Verkehr oder Energieversorgung angeht. Gerade aus Schweden und Dänemark erhoffe ich mir Impulse − vielleicht auch bei der Frage, wie wir die Stadtgesellschaft noch besser erreichen und Anreize zum Mitmachen schaffen können. Wir arbeiten eng mit einigen Uni-Instituten zusammen, aber wir brauchen jeden Bürger, um das Ziel zu erreichen. Ob wir damit erfolgreich sind, wird sich ganz konkret an den CO2-Emissionen bemessen lassen, es geht um die Einsparung von rund 900 000 Tonnen, eine radikale Umstellung der Energieversorgung bei Wärme und Strom und den Ausbau der erneuerbaren Energien.

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