Ausreden lässt die Sport-Union Neckarsulm gegen Union Halle-Neustadt nicht gelten
Für die Sport-Union Neckarsulm zählt im ersten Rückrunden-Heimspiel gegen Bundesliga-Aufsteiger SV Union Halle-Neustadt nur ein Sieg. Trainer Thomas Zeitz muss am Samstag aber wohl auf zwei seiner Rückraum-Spielerinnen verzichten.

Thomas Zeitz wagt sich nicht nur vorsichtig aus der Deckung, er stellt sich breitschultrig-selbstbewusst in den Wind: „Ja, das Spiel müssen wir gewinnen. Es muss unser Anspruch sein, mit einer gewissen Souveränität unserer Favoritenrolle gerecht zu werden und gegen Halle zwei Punkte zu holen“, sagt der Trainer der Sport-Union Neckarsulm vor dem Heimspiel am Samstagabend (18 Uhr, Ballei) gegen den SV Union Halle-Neustadt. So klar, so gut – aber dennoch durchaus bemerkenswert.
Denn die Trainergilde eint sportartübergreifend und unabhängig der Ligazugehörigkeit für gewöhnlich die beinahe chronische Angst, sich im Vorfeld von sportlichen Aufgaben auf etwas festlegen zu müssen. Da werden Favoritenrollen gerne freigiebig von sich geschoben, schwache Gegner stark und kleine Probleme groß geredet.
Erstes Rückrunden-Heimspiel ist kein Selbstläufer, aber eine Pflichtaufgabe
Beim Handball-Bundesligisten aus Neckarsulm ist man unabhängig vom letztlich misslungenen Rückrunden-Auftakt am vergangenen Wochenende in Bensheim (32:36) nach den Eindrücken der Hinrunde jedoch so selbstbewusst, Heimspiele gegen Aufsteiger, noch dazu solche, die aus elf bisherigen Partien erst einen Sieg und zwei Punkte eingefahren haben, (noch) nicht als Selbstläufer, wohl aber als Pflichtaufgaben zu deklarieren.
Daher wäre gegen die Gäste aus Sachsen-Anhalt alles andere als ein Heimsieg ebenso überraschend wie enttäuschend. „Gegen Zwickau haben wir das hervorragend hinbekommen“, erinnert Thomas Zeitz an den Jahresabschluss im Dezember gegen den BSV Sachsen (35:22), in den seine Mannschaft in einer vergleichbaren Favoritenrolle hineingegangen und als souveräner Dominator hinausgekommen war. Ähnlich soll es nach seinem Willen am Samstag werden.
Östlund-Rückkehr stärkt SV Union Halle-Neustadt am Kreis
Dabei hätte ihm die Gemengelage durchaus Spielraum für Ausreden geboten. Der Liga-Rückkehrer aus dem Osten hat nichts zu verlieren und zuletzt am 3. Januar mit 33:24 gegen den Buxtehuder SV sein erstes Saisonspiel gewonnen. Auch bei der jüngsten 36:43-Niederlage gegen den Thüringer HC war nicht alles schlecht.
Und in der 33-jährigen Schwedin Madeleine Östlund hat der SVU zu Jahresbeginn eine erfahrene Kreisläuferin nachverpflichtet, da Tina Wagenlader nach ihrem Kreuzbandriss weiterhin ausfällt. „Sie haben dadurch etwas mehr Qualität am Kreis, es bleibt aber mit Cara Reuthal, Lea Gruber und Lynn Molenaar eine eher rückraumlastige Mannschaft“, sagt Zeitz. „Dadurch ändert sich für uns nicht so viel.“ Entsprechend hat er seine Mannschaft instruiert.
Daumen und Rücken schmerzen: Rückraum-Duo droht Ausfall
Verstärkt richtet sich sein Blick zudem auf das Personal im eigenen Rückraum. Denn Munia Smits droht dort ebenso wie Lilli Holste auszufallen. Ein operativer Eingriff an der lädierten rechten Wurfhand ist bei der Spielführerin nach ihrer Kapselverletzung am Daumen zwar nicht nötig, (schmerzfrei) mit der Mannschaft trainiert, hat die 26-Jährige zuletzt aber auch nicht. „Ich bin nicht allzu optimistisch und glaube, sie benötigt noch etwas Zeit“, sagt Zeitz und hält einen Einsatz frühestens in zwei Wochen gegen den Buxtehuder SV für realistisch. „Wir haben keine Not. Es nützt mir nichts, wenn sie wegen eines verfrühten Einsatzes danach vielleicht für drei Wochen oder noch länger ausfällt.“
Bei Lilli Holste sind seit Dezember hingegen die Rückenprobleme zurück, die sie bereits in der Vorsaison zu einer Pause gezwungen hatten. Da die Schmerzen zuletzt wieder zunahmen und eine Teilnahme am Mannschaftstraining nicht möglich war, wollen Verein und Spielerin den Problemen nun tiefer auf den Grund gehen. „Lilli schleppt das schon eine ganze Zeit mit sich herum, lebt aber angesichts ihres Eins-gegen-eins-Spiels natürlich von ihrer Beweglichkeit“, sagt Thomas Zeitz. Auch die 24-Jährige dürfte daher am Samstag nur zuschauen. Als Ausrede lässt der Trainer aber auch das nicht gelten.
Veränderungen rund um die Sport-Union Neckarsulm
Bereits zu ihrem letzten Heimspiel im vergangenen Jahr gegen den BSV Sachsen Zwickau (35:22) hat die Sport-Union Neckarsulm ihr Bezahlsystem an Spieltagen wieder umgestellt. Das zu Saisonbeginn eingeführte Konzept mit Wertmarken habe sich während der Hinrunde nicht bewährt, sagt Sascha Göttler von der Geschäftsstelle des Vereins. „Der dafür nötige Verkaufsstand hat immer zusätzliche Helfer gebunden, die wir aber an anderer Stelle benötigen“, erklärt der 33-Jährige. Zudem habe sich der Zeitgewinn beim Bezahlvorgang mit Wertmarken an den Essens- und Getränkeständen in der Halle als nicht so groß erwiesen, wie erhofft. Daher ist dort, wie auch an der Abendkasse oder am Fanshop-Stand, wieder ausschließlich Bargeld- oder Kartenzahlung möglich.
Eine personelle Veränderung gibt es zudem im „Team hinter dem Team“ des Bundesligisten. Physiotherapeut Dominik Pfeifer hat das Gesundheitsrondell „Reha am Bahnhof“, den Kooperationspartner der Sport-Union, verlassen und sich selbstständig gemacht. Dem Verein steht er daher nicht mehr zur Verfügung. Die Physiotherapeuten Nikolay Popovski und Sergi García kümmern sich jedoch weiterhin um die Gesundheit der Neckarsulmer Spielerinnen.




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