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Vizeweltmeisterin Antje Döll vor richtungsweisenden Wochen: „Ich habe in Neckarsulm alles, was ich brauche“

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Antje Döll hat nach einer turbulenten Weltmeisterschaft bei der Sport-Union Neckarsulm ohne Anlaufschwierigkeiten zurück in den Bundesliga-Alltag gefunden. Im Interview blickt die Vizeweltmeisterin auf das Turnier zurück und auf ihre sportliche Zukunft voraus.

Geehrt: Vor dem Spiel gegen den BSV Sachsen Zwickau erhielt Antje Döll Präsente und Blumen von Tim Andler (Handball Bundesliga Frauen, links), Sport-Union-Vereinschef Rolf Härdtner (Zweiter von rechts) und Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD, rechts).
Geehrt: Vor dem Spiel gegen den BSV Sachsen Zwickau erhielt Antje Döll Präsente und Blumen von Tim Andler (Handball Bundesliga Frauen, links), Sport-Union-Vereinschef Rolf Härdtner (Zweiter von rechts) und Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD, rechts).  Foto: Seidel, Ralf

Eine deutsche Vizeweltmeisterin im Trikot der Neckarsulmer Sport-Union? Das hatte es bis zum vergangenen Dezember noch nicht gegeben. Entsprechend euphorisch war der Empfang, den das Neckarsulmer Publikum Antje Döll bei ihrer ersten Rückkehr nach der WM Ende Dezember in der Ballei bot – Präsente inklusive.

Nachdem sich der Trubel rund um das Turnier etwas gelegt hat, hat sich die 37-Jährige, die jüngst auch noch eine Nominierung in der Hauptkategorie der German Handball Awards einheimste und sich nächste Woche außerdem ins Goldene Buch der Stadt Neckarsulm eintragen wird, Zeit genommen und auf die Weltmeisterschaft zurückgeblickt sowie über ihre Zukunftspläne gesprochen.

Frau Döll, Sie sind vor neun Wochen zur Nationalmannschaft gereist, als Vizeweltmeisterin und WM-All-Star nach Neckarsulm zurückgekehrt. Ist Ihnen das inzwischen bewusst?

Antje Döll: „Es ist noch sehr präsent. Andererseits kommt es einem schon so lange her vor, obwohl es ja noch gar nicht so lange her ist. Ich werde aber noch sehr viel beglückwünscht, was immer noch sehr, sehr schön ist. Das sorgt dafür, dass die Weltmeisterschaft immer noch im Kopf herumschwebt und mir noch immer ein gutes Gefühl gibt.“


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Neun Tore gegen Metzingen, sieben Treffer gegen Zwickau: Die Umstellung von der WM zum Bundesliga-Alltag scheint Ihnen keine allzu großen Probleme bereitet zu haben…

Döll: „Das war tatsächlich gar kein so großes Problem. Ich hatte ja, Gott sei Dank, noch ein paar Tage frei, die ich auch wirklich genossen habe. Und wenn man nach so einem großen Turnier mit einem solchen Erfolg nach Hause kommt, hat man doch mehr Energie, als man vielleicht denkt. Daher finde ich es jetzt auch ganz schön, wieder im Handball-Alltag drin zu sein.“

 

Über die Erfolgsgründe ist viel gesprochen worden. Die Insolvenz der HB Ludwigsburg, die diverse Spielerinnen und Bundestrainer Markus Gaugisch umgetrieben hat, schien am Ende gar kein Thema mehr gewesen zu sein – weil die Mannschaft das während des Turniers einfach ausgeblendet hat.

Döll: „Wir haben es geschafft, uns durchgängig auf die WM zu fokussieren. Wir haben uns während des Turniers zwar auch mal mit unseren ehemaligen schwedischen Mitspielerinnen getroffen, was sehr, sehr schön war. Aber ansonsten haben wir das Turnier sehr gut durchgezogen.“


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Sie sind 37 Jahre alt und könnten der Nationalmannschaft nun als Silbermedaillengewinnerin den Rücken kehren – viel besser geht es kaum. Warum haben Sie sich dazu entschieden, im Nationaltrikot weiterzumachen?

Döll: „Wir haben jahrelang für diesen Schritt in die Weltspitze gearbeitet, und jetzt möchte ich gerne noch ein bisschen ein Teil davon sein und meinen Part zur weiteren Entwicklung beitragen. Außerdem macht es mir noch immer Spaß, und ich denke, ich habe auch selbst noch Entwicklungspotenzial. (lacht) Außerdem muss man nicht immer mit dem Schönsten aufhören.“

Zur Person

Antje Döll (geb. Lauenroth) hat als Handballerin viel erlebt. 1988 in Haldensleben in der DDR geboren, zog es sie als Kreisläuferin über den HSC Magdeburg 2006 zur HSG Bensheim/Auerbach. Es folgten zehn titelreiche Jahre und eine Umschulung zur Linksaußen bei der SG BBM Bietigheim und der HB Ludwigsburg, ehe es im Sommer 2025 zur Sport-Union Neckarsulm ging.

Sechs deutsche Meistertitel und Supercup-Siege, vier Pokal-Triumphe und einen Titel in der European League hat Döll gefeiert, dazu den U20-WM-Titel 2008 und WM-Silber 2025. Seit 2017 absolvierte sie 116 A-Länderspiele (323 Tore). Beim Polizeipräsidium Ludwigsburg arbeitet die 37-Jährige mit dem Schwerpunkt Eigentumsdelikte als Kriminaloberkommissarin. Ihr Ehemann Jan Döll ist Handballer bei Drittligist SV Kornwestheim.

 

Apropos: Sie haben in Neckarsulm einen Ein-Jahres-Vertrag mit einer Option auf ein zweites Jahr unterschrieben. Bis Ende Januar müssen Sie sich entscheiden. Gibt es schon eine Tendenz?

Döll: „Ich werde mich jetzt dann mit den Verantwortlichen zusammensetzen und dann schauen wir mal… Ich fühle mich hier wohl und habe hier auch alles, was ich brauche. Von daher spricht erst einmal nicht viel gegen ein zweites Jahr in Neckarsulm.“

 

Sie haben in der Hinrunde für die Sport-Union nahezu jede Minute bestritten und gehörten auch bei der WM im Zwei-Tages-Rhythmus zu den Vielspielerinnen. Macht sich die Dauerbelastung nach einem halben Jahr nicht langsam bemerkbar?

Döll: „Toi, toi, toi: Bis jetzt habe ich es sehr, sehr gut verkraftet, und noch macht sich das nicht bemerkbar. Das Spiel gegen Metzingen war aber schon sehr anstrengend, was aber auch klar war: Wenn man anderthalb Wochen nicht in der Halle war, haut so ein Spiel schon richtig ordentlich rein. Aber gegen Sachsen Zwickau habe ich mich schon wieder richtig gut gefühlt.“

Fan-Liebling: Nach dem Spiel gegen den BSV Sachsen Zwickau nutzten zahlreiche Fans und Autogrammjäger die Gelegenheit für ein Erinnerungsfoto mit oder eine Unterschrift von Antje Döll.
Fan-Liebling: Nach dem Spiel gegen den BSV Sachsen Zwickau nutzten zahlreiche Fans und Autogrammjäger die Gelegenheit für ein Erinnerungsfoto mit oder eine Unterschrift von Antje Döll.  Foto: Seidel, Ralf

 

Verraten Sie uns Ihr Geheimnis, um das immense Pensum zu bewältigen?

Döll: „Ich mache schon viel Regenerationsarbeit. Ich schlafe manchmal in ‚Re-Boots‘ (Recovery Boots sind spezielle Kompressionsstiefel, die die Durchblutung fördern und so den Stoffwechsel anregen sollen, um Ermüdung und Muskelkater zu reduzieren, Anm. d. Red.) am besten oder achte auf gutes Krafttraining, esse gut und trinke viel Wasser. Das sind alles kleine Dinge, die mir helfen. Und ich bin auch mit einem ganz guten Körper gesegnet, glaube ich.“

 

Sie waren nach Ihrer ersten Partie in der Ballei seit der WM die mit Abstand gefragteste Spielerin für Foto- oder Autogrammwünsche; auch rund um das Heim-Turnier haben Sie Dutzende Interviews gegeben. Gezählt haben Sie wahrscheinlich nicht, oder?

Döll: „Es war von allem wirklich sehr, sehr viel. (lacht) Aber es waren meist sehr nette Interviews, und ich habe auch nette Menschen kennengelernt. Von daher macht mir das dann gar nicht so viel aus.“

German Handball Awards

Die German Handball Awards 2025 werden in zwölf Kategorien vom Onlineportal handball-world.news und dem Magazin „Bock auf Handball“ vergeben; Redaktionsmitglieder nehmen die Nominierungen vor. Abgestimmt werden kann noch bis zum 22. Januar, 23:59 Uhr, im Internet unter www.german-handball-awards.de.

Im Vorjahr wurden mit Nina Engel (Sport-Union Neckarsulm und HSG Bensheim/Auerbach) als „Überraschung des Jahres“ sowie der Abstatterin Lara Däuble (SG Schozach-Bottwartal und Frisch Auf Göppingen) als „Nachwuchshoffnung“ zwei Akteurinnen mit einer (sportlichen) Heimat in der Region ausgezeichnet.

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