Abstiegskampf in der Bundesliga: Chance für die Sport-Union, Druck für die Vipers
Die Sport-Union Neckarsulm kann gegen die HSG Bad Wildungen um ihren ehemaligen Trainer Mart Aalderink nicht nur selbst punkten, sondern sich auch eines Konkurrenten entledigen.

Die Favoritenrolle ist zurück - und mit ihr der Erfolgsdruck. Oder besser gesagt: die Erfolgschancen. Denn mit der Herangehensweise, im Abstiegskampf den Druck als Chance zu begreifen, ist Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm bislang recht gut durch dieses richtungsweisende Frühjahr gekommen.
Im noch drei Begegnungen umfassenden Saisonendspurt ist am Samstag ab 18 Uhr Tabellenschlusslicht HSG Bad Wildungen mit Neckarsulms Ex-Trainer Mart Aalderink zu Gast in der Ballei - und hat seinerseits nicht nur Chancen, sondern tatsächlich auch eine ganze Menge Druck.
Sport-Union Neckarsulm kann Abstiegszone verlassen
"Dass wir nach dem Spiel in Oldenburg jetzt wieder in der Favoritenrolle sind, ist nichts schlechtes für uns", betont Sport-Union-Trainer Thomas Zeitz. "Jedem ist seit Wochen klar, was für uns in den letzten Saisonspielen möglich ist. Daher bestreiten wir das Spiel am Samstag mit einem absolut positiven Gefühl."
Diese Gefühlslage hat sich die Sport-Union durch ihre Heimsiege gegen den SV Union Halle-Neustadt und den Buxtehuder SV erarbeitet. Auch das 29:35 beim VfL Oldenburg am vergangenen Sonntag hat daran nichts geändert. Stattdessen ist die Motivation groß, denn bei einem Sieg am Samstag und entsprechenden Ergebnissen der Konkurrenz, könnte die Sport-Union nach dem 24. Spieltag erstmals seit der zweiten Runde im September wieder auf einem Nicht-Abstiegsplatz stehen.
Vipers stehen mit dem Rücken zur Wand
Ganz anders sieht die Situation dagegen für die Vipers aus Bad Wildungen aus. Bei einer Niederlage in Neckarsulm und einem Heimsieg von Union Halle-Neustadt eine Stunde später gegen Borussia Dortmund wären die Hessinnen auch rechnerisch abgestiegen.
"Für sie ist es am Samstag tatsächlich die allerletzte Ausfahrt. Selbst wenn Halle nicht gewinnt, dürfte Bad Wildungen bei einer Niederlage gegen uns nicht mehr zu retten sein", sagt Zeitz zur spannenden Konstellation.
Wiedersehen mit Ex-Trainer Mart Aalderink
Sein Gegenüber, Mart Aalderink, wird daher keine Geschenke für seinen ehemaligen Arbeitgeber mitbringen. Im Gegenteil. Der 38-jährige Niederländer, der im Januar - vieldiskutiert - das Amt des Cheftrainers von Tessa Bremmer übernommen hatte, hat sich mit seiner mitunter unorthodoxen Spielweise in der Liga längst einen Namen - und nicht unbedingt Freunde - gemacht.
Trainerkollege Steffen Birkner wütete etwa im März, dass Aalderink Blombergs Spielmacherin Nieke Kühne 60 Minuten in eine kurze Deckung hatte nehmen lassen. Von Erfolg gekrönt waren solche taktischen Winkelzüge bislang allerdings nicht. Erst einen Punkt (bei Aufsteiger HSV Solingen-Gräfrath) sammelte die HSG unter Aalderink aus bislang elf Spielen.
Eigenes Abwehrspiel als Schlüssel zum Erfolg
Dass der Niederländer immer wieder mit neuen Kniffen überraschen kann, in der Abwehr auch gerne im 4:2 oder 3:3 decken lässt, hat auch Thomas Zeitz im Hinterkopf, will sich davon aber nicht zu sehr beeinflussen lassen. "Wir müssen uns darauf eher im Kopf als auf der Platte einstellen", sagt der Trainer. "Außerdem weiß ein Großteil der Mädels ja auch, dass da etwas Abenteuerliches auf sie zukommen kann. Wichtiger wird aber sein, dass wir unsere eigenen Abläufe gut umsetzen und den Schwerpunkt auf unsere eigenen Stärken legen."
Wenn es seiner Mannschaft gelänge, dem Kreis- und Tempospiel - den "großen Stärken" des Gegners - eine gute Abwehr entgegenzustellen, dann sieht Zeitz gute Chancen, die Saisonzähler neun und zehn einzufahren.
Sport-Union stellt sich auf Anika Hampel ein
Personell hat sich am Neckarsulmer Kader nichts verändert; einzig Vasiliki Gkatziou und Agni Zygoura fallen weiterhin verletzt aus. Ob das auch für Bad Wildungens scheidende Spielmacherin und Top-Torschützin Anika Hampel (ausgerenkter Zeigefinger) gilt, bezweifelt Zeitz stark: "Anika wird auf jeden Fall auflaufen", ist sich der 50-Jährige absolut sicher - und hat seine Mannschaft auch darauf entsprechend eingestellt.
Vorbereitungsturnier in Neckarsulm?
Bereits dreimal hat die HSG Bensheim/Auerbach den Dentsply Sirona Cup als Sommer-Vorbereitungsturnier ausgetragen. Nun könnte dieses Kräftemessen von acht Teilnehmern am letzten August-Wochenende unter einem anderem Namen in Neckarsulm eine neue Heimat finden.
Einen entsprechenden Bericht des "Bergsträßer Anzeiger" bestätigt Thomas Zeitz: "Wir sind deshalb mit Bensheim im Austausch." Weil die Spielstätte der HSG im Sommer umgebaut wird und daher nicht zur Verfügung steht, kann sich die Sport-Union vorstellen, das Turnier auszurichten. Spruchreif ist allerdings noch nichts.
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