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Leistung der Sport-Union Neckarsulm ist in Zwickau selbst für einen Blumentopf zu wenig

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Ohne Herz und Esprit verliert der Neckarsulmer Handball-Bundesligist seinen Hauptrunden-Abschluss bei Kellerkind BSV Sachsen Zwickau. Die Sport-Union kann allerdings nahezu sicher mit sechs Punkten für die Playoffs planen.

Für Annefleur Bruggeman (Mitte) und die Sport-Union Neckarsulm gab es gegen den BSV Sachsen Zwickau um Zoe Stens (links) und Rome Steverink kaum ein Durchkommen.
Für Annefleur Bruggeman (Mitte) und die Sport-Union Neckarsulm gab es gegen den BSV Sachsen Zwickau um Zoe Stens (links) und Rome Steverink kaum ein Durchkommen.  Foto: Seidel, Ralf

Paulina Uscinowicz war unmittelbar nach Spielschluss und den handballüblichen Freundlichkeiten verschwunden. Schnellen Schrittes zog es die Polin in Diensten der Sport-Union Neckarsulm in die Katakomben der Zwickauer Sparkassen-Arena und die dortige Gästekabine, in der die mitgebrachten Trikots der fünf verletzten Teamkolleginnen zu Motivationszwecken eine der Wände zierten. Einfach nur schnell weg und verkriechen schien die Devise zu lauten, nach dem mit 25:28 (11:14) beim BSV Sachsen Zwickau verlorenen letzten Hauptrunden-Spiel der Neckarsulmer Bundesliga-Saison am Sonntagnachmittag.

Zwei Erklärungsansätze drängten sich für den äußerst uninspirierten und über weite Strecken in gleichen Teilen plan-, kopf und ideenlosen Auftritt der Gäste sofort auf: Entweder wogen die zwei jüngsten verletzungsbedingten Ausfälle von Munia Smits und Angunn Gudmestad tatsächlich sportlich wie mental zu viel für die Teamkolleginnen. Oder aber man war in Neckarsulm mit den 17 bisher eingefahrenen Punkten und vor allem mit Tabellenplatz sechs bereits ganz zufrieden.

Mehr Einsatz, mehr Wille: Sachsen Zwickau verdient sich Heimsieg

Der Neckarsulmer Auftritt war derart blass gewesen, dass selbst Trainer Thomas Zeitz einräumen musste, dass seinen Spielerinnen der letzte Wille und nötige Biss gefehlt hatten. „Niemand setzt sich morgens in den Bus und fährt hier viereinhalb Stunden hin, um dann irgendwie nicht alles zu geben“, sagte er einerseits, gab aber andererseits auch zu: „Mit einer 50-, 60- oder 70-Prozent-Leistung gewinnt man halt keine Blumentöpfe.“


Gegen limitierte Gastgeberinnen, über die Zeitz selbst sagte, die Sport-Union habe gewusst, was in Sachsen auf sie zukomme, „kommen wir immer wieder einen Schritt zu spät und finden deswegen auch keine Lösungen“. Bereits die ersten 30 Minuten waren bis auf die mutigen Abschlüsse Alicia Soffels in fast allen Belangen dürftig gewesen. In der Abwehr stand die 6:0-Deckung zu tief, was es Kaho Nakayama über die rechte und Silje Brøns Petersen über die linke Zwickauer Halbposition einfach machten, ihre Chancen zu verwerten. Im Angriff fehlten Tempo und meist auch überlegte, gut vorbereitete Abschlüsse.

Sport-Union kann mit Platz sechs planen

Bis auf die HSG Bensheim/Auerbach auf Tabellenplatz drei können sich am letzten Hauptrunden-Spieltag und den beiden am Mittwoch noch ausstehenden Nachholspielen in der Theorie noch alle Mannschaften in der Tabelle verbessern oder verschlechtern.

Für die Sport-Union Neckarsulm ist nach der Niederlage in Zwickau aber der ohnehin nicht allzu beliebte fünfte Hauptrunden-Platz des VfL Oldenburg nun definitiv nicht mehr zu erreichen. Stattdessen können Trainer, Mannschaft und Geschäftsstelle mit dem sechsten Platz und den damit verbundenen sechs Startpunkten für die Playoffs planen. Beides geriete nur in Gefahr, falls die TuS Metzingen am letzten Hauptrunden-Spieltag beim VfL Oldenburg mit mindestens 45 Toren Differenz gewinnt.

„Souverän ist unsere Bilanz von 17:23 Punkten nicht gewesen, aber wir gehen jetzt mit sechs Punkten in die Playoffs. Das bedeutet für uns eine gewisse Stabilität und eine vernünftige Ausgangsposition, ist aber kein Grund zum Ausruhen“, sagte Trainer Thomas Zeitz.

Drei-Tore-Rückstand aus Hälfte eins bleibt eine zu hohe Hypothek

Iva van der Linden fand auf Rechtsaußen beinahe überhaupt nicht statt, Antje Döll war auf der anderen Seite weit von ihrer WM-Form entfernt und Lynn Holtmans Würfe blieben halbgar, Paulina Uscinowicz’ zu unpräzise. Außerdem standen die Neckarsulmerinnen bereits zur Pause bei acht Technischen Fehlern und damit exakt genau so vielen, wie sie sich in der Vorwoche gegen die TuS Metzingen im gesamten Spiel geleistet hatten.

All das brachte von Mitte der ersten Spielhälfte an einen Drei-Tore-Rückstand mit sich, den die Sport-Union nicht mehr auszugleichen vermochte. Auch, weil sie die kraftvollen Würfe aus der Ferne, ihr einziges probates Mittel zum Erfolg, zu selten nutzte und stattdessen auf zu komplizierte Kreisanspiele oder Durchbrüche spekulierte.

Sport-Union präsentiert sich auf wie neben dem Feld unglücklich

Das Torhüterinnen-Duo war an Lena Ivancoks 25. Geburtstag zudem überhaupt kein Faktor, das Sieben-gegen-Sechs sowie eine Manndeckung gegen Brøns Petersen funktionierten nicht und je eine achtminütige Torlos-Phase vor und nach der Pause machte es den Gastgeberinnen einfach. Kurzum: Es hakte an allen Ecken und Enden.

„Wir waren einfach nicht gut genug und haben nicht das Niveau erreicht, was wir hätten erreichen sollen“, gab Uscinowicz zu. Dass ihr Trainer angesichts der aus der Niederlage zu erwartenden Erkenntnisgewinne davon sprach, für solche Spiele „dankbar“ zu sein, war dann ebenso unglücklich wie zuvor der Auftritt seiner Mannschaft.

So sorgte für die einzige gute Nachricht des Wochenendes aus Neckarsulmer Sicht dann ausgerechnet eine Noch-Zwickauerin: Torhüterin Barbara Györi, die ab Sommer im Trikot der Sport-Union spielen wird, hat am vergangenen Freitag ihre Knie-Operation zur Entfernung eines freien Gelenkkörpers gut überstanden. Immerhin.

Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (5 Paraden); Fossum (3 Paraden) – van der Linden (1), Soffel (7), Hinkelmann (4), Uscinowicz (5/2), Bruggeman (2), Döll (4/2); Holtman, Ossenkopp (1), Albers (1).

Erfolgsreichste Werferinnen: BSV Sachsen Zwickau: Silje Brøns Petersen (11/6), Kaho Nakayama (5).

Schiedsrichter: Lukas Müller/Robert Müller.

Siebenmeter: BSV Sachsen Zwickau: 6/6; Sport-Union Neckarsulm: 4/5.

Zeitstrafen: 1/3.

Zuschauer: 1028.

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