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Olympische Winterspiele 2026: Hund löst Fotofinish im Langlauf aus

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Selbst ein Hund im Ziel entgeht der Zeitmessung bei Olympia 2026 nicht. Der offizielle Zeitnehmer Omega liefert Hightech, die weit mehr kann als nur Zeiten stoppen.


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Der olympischen Zeitmessung entgeht nichts. Als ein Hund am Mittwoch während der Qualifikation des Teamsprints der Langläuferinnen in Tesero über die Loipe und durchs Ziel flitzte, löste die Fotofinish-Kamera von Omega aus. Der Schweizer Konzern ist seit 1932 offizieller olympischer Zeitnehmer, damals ging es mit Stoppuhren los. Deutsche Sportlerinnen verpassten in Cortina zum Teil sehr knapp Gold: Emma Aicher fehlten in der Abfahrt vier Hundertstelsekunden, in der Team-Kombination fünf Hundertstel und Laura Nolte im Monobob ebenso vier Hundertstel. Gibt es da denn keinerlei Zweifel?

Zeitnahmechef der Olympischen Winterspiele: Zweifel an knappen Abständen sind nicht angebracht

„Nein“, sagt Alain Zobrist, schüttelt den Kopf und lacht. Der Schweizer ist Vorstandsvorsitzender von Omega, der Zeitnahmechef der Spiele. Die in Mailand Cortina 2026 gemessenen Zeiten sind so sicher wie das Schweizer Bankgeheimnis. Doch die etwa 300 Zeitnehmer ermitteln in Norditalien nicht nur die Zeit. Es werden auch sämtliche Grafiken und Animationen für das Fernsehbild bereit-, bei Bedarf auch Zielfotos erstellt.

Olympischer Moment: Beim Teamsprint der Langläuferinnen lief ein Hund über die Strecke und durchs Ziel – erfasst von der Fotofinish-Kamera.
Olympischer Moment: Beim Teamsprint der Langläuferinnen lief ein Hund über die Strecke und durchs Ziel – erfasst von der Fotofinish-Kamera.  Foto: Omega

40.000 Fotos pro Sekunde: Hightech an der Ziellinie bei Olympischen Winterspielen

„Unsere Kameras an der Ziellinie machen 40.000 Fotos pro Sekunde“, sagt Alain Zobrist. Natürlich gebe es ein Backuptiming, immer eine zweite Lichtschranke. Und alles sei unabhängig vom normalen Stromnetz – das in den Anfangstagen in der Curlinghalle von Cortina d’Ampezzo und auch im benachbarten Eiskanal für Dunkelheit gesorgt hatte.

Was wann ins TV-Bild eingeblendet wird, entscheide aber die Übertragungs-Crew. Was mit den ermittelten Daten passiert, entscheiden wiederum die Kampfrichter, so Zobrist. „Wir stellen die Technologie nur zur Verfügung.“ Was immer wieder den Sport und seine Regeln verändert. 

Omega ist seit 1923 offizieller olympischer Zeitnehmer - und hat seitdem schon viel erneuert. Die stroboskopischen Animationen mit ihren angehaltenen Bildern in der Bewegung bereichern die TV-Übertragungen aus Mailand.
Omega ist seit 1923 offizieller olympischer Zeitnehmer - und hat seitdem schon viel erneuert. Die stroboskopischen Animationen mit ihren angehaltenen Bildern in der Bewegung bereichern die TV-Übertragungen aus Mailand.  Foto: privat

Kästchen im Schlitten: Technologie verändert den Sport und seine Regeln immer wieder

Beispiel Bob. Ein kleines Kästchen im Schlitten, „etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel“, ermittelt permanent Daten, die mit einer Antenne auf dem Nasenrücken der Bobs übermittelt werden. „Um das einbauen zu dürfen, brauchte es eine Regeländerung“, sagt Zobrist. Die Box ermöglicht unter anderem über Radar die Messung der Geschwindigkeit, per IMU-Sensor kann die Position im dreidimensionalen Raum ermittelt werden. Für die Schwestersportarten Skeleton und Rodeln ist die Zigarettenschachtel noch zu groß.

16 Omega-Mitarbeitende sind im Olympic Sliding Centre Eugenio Monti im Einsatz. Sie könnten erstmals bei Spielen im Eiskanal ein virtuelles Zielfoto erstellen, die einzeln fahrenden Schlitten an der Ziellinie je nach Abstand übereinander darstellen.

KI im Eiskunstlauf: Technik unterstützt die Olympia-Kampfrichter

Eine Revolution wäre dank Künstlicher Intelligenz (KI) kurzfristig auch im Eiskunstlauf einsetzbar, sagt Alain Zobrist: „Wir können die Position der Schlittschuhkufen zeigen und so ermitteln, ob eine Drehung komplett war oder nicht.“ Das bewerten aber die Kampfrichter nach wie vor mit bloßem Auge. Die Weltverbände müssen entscheiden, ob und wie sie die KI-gestützten Datenanalysen im Eiskunstlauf, beim Big Air oder im Skispringen nutzen möchten. Die stroboskopischen Animationen mit ihren angehaltenen Bildern in der Bewegung bereichern jedenfalls schon jetzt die Fernsehübertragungen.

Bleibt eine Frage: Bringt es etwas, wenn Emma Aicher im Ziel einen Arm nach vorne reißt, um die Lichtschranke möglichst früh auszulösen? „Unbedingt, das lohnt sich, kann ein paar Zehntel ausmachen“, sagt der Herr der Zeit, „weil im Skisport das vorderste Körperteil ausschlaggebend ist.“

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