Wie das verheulte Silber von Laura Nolte doch noch zu einem Gewinn wird
Nach ihrer zu fehlerbehafteten letzten Fahrt im Monobob ist die 27-Jährige zu traurig, um bei der Siegerehrung ihre olympische Medaille zu genießen. Das baut die Pilotin wieder auf.

Der Name ist Programm: Der Begriff Bob kommt vom englischen Verb „to bob“ und bedeutet so viel wie ruckartig hin- und herbewegen. Nach dem wilden Hin und Her im Eiskanal gab es ein wildes Hin und Her im Kopf von Laura Nolte. Einerseits hatte die Monobob-Pilotin drei Durchgänge geführt, im letzten Lauf am Montagabend dann aber im oberen Teil der Bahn von Cortina ungewünschte Bob-Momente. Andererseits war ihre Silbermedaille die erste in diesem seit 2022 bei Olympia ausgetragenen Wettbewerb. „Mir geht es schon besser mit der Medaille als gestern. Ich bin sehr stolz auf sie, auf meine sportliche Entwicklung“, sagte die 27-Jährige nach einer kurzen Nacht. Endlich konnte sie wieder lächeln.
Nach einer kurzen Nacht kommt das Lächeln wieder
Das Ampezzo-Tal war am späten Montagabend ein tiefes Tal der Tränen. „Ich war nach dem Rennen sehr in der Emotion, einer traurigen Emotion“, sagte Laura Nolte in der Rückschau. Dann sei alles zack, zack zur Siegerehrung gegangen. „Weil ich noch so traurig war, konnte ich die leider nicht so genießen.“ Dieses Hin und Her, wie die Monobob-Weltcupsiegerin vom BSC Winterberg verdeutlichte: „Es war die ganze Zeit mein Ziel, eine Medaille zu gewinnen. Und da hätte ich mich auch mit Bronze oder Silber zufriedengegeben. Nachdem Gold so zum Greifen nahe war und ich wirklich drei Superläufe davor hingelegt habe, wollte ich durchziehen.“ Deswegen habe es sich wie verlorenes Gold angefühlt.

Bundestrainer Spieß: „Monobob ist kein Wettkampf für eine Herzschwäche“
Bundestrainer René Spies hatte schon zur Halbzeit gesagt: „Monobob ist kein Wettkampf für eine Herzschwäche.“ So war Laura Nolte in Peking Vierte geworden. So verbobte sie in Cortina den Vorsprung von 0,15 Sekunden, lag letztlich vier Hundertstel zurück. Hinter einer 41-jährigen zweifachen Mutter. Das gehört auch zur besonderen Geschichte der ersten Bob-Entscheidung von Cortina 2026: Es sind die fünften Winterspiele für Elana Meyers Taylor aus den USA. Nach drei Silber- und zwei Bronze-Medaillen erfüllte sich endlich ihr goldener Traum. „Echt krass, was Elana jetzt auch am Start nochmal gemacht hat“, kommentierte Laura Nolte anerkennend. Dass ein höheres Athletinnenalter nicht zwangsweise langsamer macht, bewies zudem Kaillie Armbruster Humphries aus den USA als Dritte – mit ihren 40 Jahren. Die Siegerehrung war eine Ü40-Party.
Nolte ist inmitten der US-amerkanischen Ü40-Party
Doch Laura Nolte ließ sich den sogenannten Medal-Walk im Deutschen Haus nicht nehmen, „das war meine persönliche Siegerehrung – um 0.30 Uhr“. Es seien eineinhalb schöne Stunden gewesen, mit der Familie, mit Freunden, mit Wertschätzung – mit Wasser: „Ich habe ja noch etwas vor!“ Um 2.30 Uhr sei sie im Bett gelegen. Mit einem guten Gefühl, mit guten Gedanken an den Wettkampf im Zweierbob, der am Freitag und Samstag ansteht.Es wird ein ganz anderer Wettkampf. Auch weil sie einen wichtigen Menschen, eine sehr gute Freundin im Bob hinter sich weiß: Anschieberin Deborah Levi. Die 28-Jährige ist 2018 zugestiegen.

Unschlagbar mit Freundin und Zweier-Anschieberin Deborah Levi
„Es hat sich eine so tiefe Freundschaft entwickelt“, sagte Laura Nolte. Deborah Levi war bei der Entscheidung im Monobob dabei, „hat mit mir mitgefiebert, mitgefeiert und mir gesagt, dass sie stolz auf mich ist“. Man vertraue sich gegenseitig, immer. „Deswegen sind wir auch oft unschlagbar.“ Fünf von sieben Weltcups haben sie gewonnen, somit auch den Gesamtweltcup. Was das auch immer am Freitag heißt, wenn wieder gebobt wird.
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