Emma Aicher, die coole Henne,holt die erste Medaille für Deutschland
Emma Aicher belegt in der Abfahrt der Olympischen Spiele Platz zwei, vier Hundertstelsekunden hinter Breezy Johnson. Lindsey Vonn mit einem fürchterlichem Sturz.

Das Abfahrtsrennen der Frauen war noch gar nicht beendet, da wurde es auf dem WhatsApp-Kanal von Team D schon staatsmännisch. „Der Knoten ist geplatzt! Herzlichen Glückwunsch an Emma Aicher zu einer wahnsinnig tollen Leistung. Das ganze Team Deutschland freut sich mit ihr und wird diese Silbermedaille als Motivation nutzen für die weiteren Wettkämpfe“, teilte Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes mit.
Verrücktes, schreckliches, historisches erstes Frauen-Rennen bei den Olympischen Spielen
Es war ein verrücktes, schreckliches, historisches erstes Frauen-Rennen bei den Olympischen Spielen in Cortina auf der legendären Olimpia delle Tofane. Die sich dieses Jahr besonders wellig präsentierende Piste machte zwei Hubschraubereinsätze notwendig, warf spektakulär Cande Moreno aus Andorra und US-Super-Star Lindsey Vonn ab.
Die 41-Jährige, mit gerissenem Kreuzbandriss, einer Teilprothese im anderen Knie und großen Hoffnungen gestartet, blieb nach zwölf Sekunden mit dem rechten Arm in einem auf einer Welle stehenden Tor hängen, überschlug sich gleich mehrfach und blieb laut schreiend im Schnee liegen.

Dass eine andere US-Amerikanerin gewann, Breezy Johnson, verlieh dem Rennen eine besondere Note. Die 41-Jährige ist da, wenn es wichtig ist: Sie ist Doppelweltmeisterin und nun Olympiasiegerin – ohne einen einzigen Weltcupsieg: „Ich kann nicht sagen, dass ich etwas Besonderes gefunden hätte.“
Ein Sprung von Aicher geht etwas zu weit
Ihrer Bestzeit von 1:36,10 Minuten kam lediglich Emma Aicher nah. Ein Sprung im Mittelteil ging zu weit, urteilte Trainer Andreas Puelacher, „das waren die vier Hundertstelsekunden Rückstand“. Der 61-jährige Österreicher lobte die erste deutsche Medaillengewinnerin der Spiele 2026: „Die Emma ist eine coole Henne.“ Die sagte zu den vier Hundertstel: „Wurscht! Die Breezy hat sich das verdient. Aber ich würde die vier Hundertstel finden.“
Denn sie hatte auf der wilden Schussfahrt kein gutes Gefühl gehabt. „Das war nicht wirklich gut, ich bin wild gefahren. Auf jeder Welle hat es mich aufgerissen“, sagte die 22-Jährige vom SC Mahlstetten, „aber ich habe die Ski ganz gut laufen lassen können.“
Der Nachsatz ist der Kernsatz im Leben der im schwedischen Sundsvall geborenen Ausnahme- und Alleskönnerin. Egal, ob Emma Aicher im Slalom, Riesenslalom, im Super-G oder eben in der Abfahrt unterwegs ist: „Sie hat einfach einen sehr, sehr schnellen Schwung“, sagte Andreas Puelacher. So einfach ist das. Denn das ist die Kunst: Die Dinge einfach zu halten. Und das ist einer der Standardsätze der Tochter einer schwedischen Mutter und eines Vaters von der Schwäbischen Alb: „Ich will einfach nur Skifahren.“
Kira Weidle-Winkelmann will zu perfekt fahren
Einfach nur Skifahren, das bekam Kira Weidle-Winkelmann, am Samstag Zweite im Abschlusstraining hinter Breezy Johnson, nicht hin. „Meine Fahrt hat sich gar nicht so schlecht angefühlt. Aber ich wollte wohl zu perfekt fahren, die Linie halten, was mir bei diesen Schneeverhältnissen viel Tempo geraubt hat“, sagte die gebürtige Stuttgarterin nach Platz neun (1,16 Sekunden zurück) angesäuert. „Es ist Olympia, es geht um die drei Medaillen.“ Dass ihre Teamkollegin Silber abgegriffen hatte, freute sie: „Wahnsinn, so cool, wie Emma das gemacht hat und wie sie geliefert hat.“ Wieder in Cortina d’Ampezzo.
Vor fünf Jahren war Emma Aicher als Teenager bei der WM in den Dolomiten aufgetaucht, hatte ihren Anteil an Bronze im Teamwettbewerb – ohne bis dahin ein Weltcuprennen bestritten zu haben. 2022 in Peking war sie Teil des Silber-Teams, jetzt hat sie ihre erste Einzelmedaille. „Ziemlich unrealistisch für mich gerade“, sagte die Dritte des Gesamtweltcups. „Das dauert noch ein bisschen, bis ich gecheckt habe, was alles passiert ist.“
Goldmedaille hat Schaden genommen
Emma Aicher war ganz nah dran am Gold. Auf der Piste. Und bei der Pressekonferenz, als sie neben Breezy Johnson saß. Die überreichte ihr kurz das Goldstück, das Schaden genommen hatte. „Man sollte damit nicht springen“, warnte die Siegerin, die Medaille in der einen, das Band in der anderen Hand.

Emma Aicher hat noch vier weitere Medaillenchancen, schon am Dienstag geht es in der Team-Kombination weiter. „Ich werde mich da einfach auf mein Skifahren fokussieren“, sagte die coole Henne.

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