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Handball-Vizeweltmeisterin Xenia Smits: „Ein Jahr in Neckarsulm? Ich würde es für die Zukunft nicht ausschließen“

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So ganz verarbeitet hat Xenia Smits die Heim-Weltmeisterschaft noch nicht, doch die Silbermedaille erinnert die deutsche Nationalspielerin zu Hause immer wieder an den großen Erfolg. Im Interview spricht die 31-Jährige über Erfolgsgeheimnisse, den Frauen-Handball und ihre sportliche Zukunft.

Selbst für die erfahrene Titelsammlerin Xenia Smits war und ist die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft etwas Besonderes. Bei der 31-Jährigen hat sie sogar Hunger auf mehr gemacht.
Selbst für die erfahrene Titelsammlerin Xenia Smits war und ist die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft etwas Besonderes. Bei der 31-Jährigen hat sie sogar Hunger auf mehr gemacht.  Foto: Marijan Murat

Omnipräsent ist die zurückliegende Handball-Weltmeisterschaft für Xenia Smits nicht mehr. Der Alltag hat sie bereits wieder eingeholt. Die Feiertage, die Familie, die sportliche Zukunft − vieles andere ist wichtig (geworden).

Doch die in Rotterdam errungene Silbermedaille erinnert die 31-Jährige im eigenen Zuhause dann doch noch regelmäßig daran, dass sie gemeinsam mit ihrem Teamkolleginnen die Nationalmannschaft zum größten sportlichen Erfolg bei einer WM seit 32 Jahren geführt hat. Wie das gelungen ist, welche Folgen das hat und was die Zukunft bringen könnte, erzählt die Abwehr-Expertin im Stimme-Gespräch.

 

Frau Smits, ich glaube, auch mit ein bisschen Abstand darf man Ihnen noch zu einer tollen Weltmeisterschaft und der Silbermedaille gratulieren. Haben Sie inzwischen schon verarbeitet und realisiert, was Sie und die Mannschaft vollbracht haben?

Xenia Smits: „Vielen Dank! Ja und nein. (lacht) Immer dann, wenn man zu Hause die Medaille liegen sieht, denkt man: ‚Okay, das ist wirklich wahr.‘ Aber irgendwie ist es doch immer noch weit weg.“

 

Was hat denn in diesem Jahr den Unterschied ausgemacht, dass es bei der WM in den entscheidenden Spielen gegen die großen Gegner besser geklappt hat als in den Jahren zuvor?

Smits: „Wir sind zunächst einmal viel positiver ins Turnier gegangen und hatten dann natürlich auch den Heimvorteil, den wir auf jeden Fall genutzt haben. Aber auch die Vorbereitung mit dem Trainerstab hat schon super gepasst, so dass wir mit der gesamten Mannschaft während des Turniers das umsetzen konnten, was wir in der Vorbereitung gesehen haben.“

 

Zur Person

Die im belgischen Wilrijk geborene Xenia Smits gehört seit Jahren zu Deutschlands bekanntesten Handballerinnen und den besten Abwehrspielerinnen im Welt-Handball. Die 31-Jährige, die nach der Insolvenz der HB Ludwigsburg im Sommer zurück zu Metz Handball nach Frankreich gewechselt ist, wo sie bereits zwischen 2015 und 2020 aktiv gewesen war, hat 156 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritten (364 Tore) sowie unter anderem acht nationale Meisterschaften, sechs Pokalsiege und 2022 die European League gewonnen. Die Vizeweltmeisterin ist Deutschlands amtierende Handballerin des Jahres und Mitglied der IHF-Athletenkommission. Ihre jüngeren Schwestern Munia (Sport-Union Neckarsulm) und Aaricia sind dem Handball ebenfalls verbunden.

 

Sie und Emily Vogel sind ja schon länger eine feste Größe im Abwehrverbund der Nationalmannschaft. War die neu hinzugekommene Aimée von Pereira in diesem Jahr nun so etwas wie das lange gesuchte, fehlende Puzzlestück?

Smits: „Ich glaube, jetzt haben wir für diese Dreierposition tatsächlich jemanden gefunden, der dort richtig gut reinpasst, so dass das Puzzle ein richtig gutes Bild abgibt und auch die nötige Kompaktheit da ist. Dadurch können wir andere Spielerinnen auch wieder auf Positionen einsetzen, auf denen sie stärker sind als dort, wo vorher immer jemand einspringen musste. Aimée hat auf jeden Fall ihren Teil dazu beigetragen, die Mannschaft noch stärker zu machen.“

 

Sie waren eine von drei Spielerinnen im Kader, die schon bei der Heim-Weltmeisterschaft vor acht Jahren dabei waren, was waren die Unterschiede zwischen den Turnieren 2017 und 2025?

Smits: „In diesem Jahr habe ich das Turnier bewusster wahrgenommen. 2017 war die Aufregung dann doch so groß, dass ich in der Erinnerung echte Lücken habe. (lacht) Jetzt habe ich alles ganz anders genossen und viel mehr aufgenommen, was rund um das Turnier alles los war.

Und handballerisch ist es natürlich auch etwas anders, weil ich in diesem Jahr eine der erfahreneren Spielerinnen war. 2017 gab es zudem auch noch die Frage: Schafft man es, schafft man es nicht? Ich hatte damals ja auch einen Fingerbruch und war immer auf der Kippe, ob ich überhaupt spiele oder nur in der Abwehr oder nur im Angriff eingesetzt werde. Da gab es damals viele Themen; dieses Mal habe ich es einfach ganz anders genossen.“

 


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Der DHB, der Frauen-Handball und die Lehren aus der Heim-Weltmeisterschaft


 

Rund um die Weltmeisterschaft war der Deutsche Handballbund mit der „Hands up for More“-Kampagne stets um Aufmerksamkeit für den Frauen-Handball bemüht. Wie fällt dazu Ihr Fazit aus? Hat diese Kampagne gefruchtet?

Smits: „Ja, auf jeden Fall! Unser Ziel war es, Kinder, Mädels, junge Frauen zu begeistern und ganz Handball-Deutschland abzuholen. Und das ist uns meiner Meinung nach wirklich gelungen. Das beste Feedback, was wir bekommen können, ist immer, wenn die Menschen sagen: ‚Es hat Spaß gemacht. Meine Kinder, oder meine Enkel, wollen auch zum Handball gehen, die wollen genauso sein.‘ Dass wir dahingehend etwas Nachhaltiges machen, war unser Ziel. Aber daran werden wir in den nächsten Monaten und Jahren trotzdem weiter arbeiten müssen.“

 

Mit Ihren Vereinen haben Sie in der Vergangenheit reihenweise Titel gewonnen. Was bedeutet Ihnen daher diese Silbermedaille, die ja genau genommen gar kein Titel ist?

Smits: „Schon alleine, dass es so lange her war, dass Deutschland ein Finale gespielt hatte, macht deutlich, dass so eine Medaille nicht so einfach zu gewinnen ist. Und mit der Nationalmannschaft hatte mir persönlich ja auch noch eine Medaille gefehlt. Wir haben da in den vergangenen Jahren echt eine ordentliche Entwicklung hingelegt, die ja jetzt gar nicht mehr viel weiter nach oben gehen kann. Aber irgendwann wollen wir da ganz oben stehen und werden deshalb auch weiter an diesem Ziel arbeiten.“

 


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In den vergangenen Tagen mehrten sich die Nachrichten und Gerüchte, dass Ihre sportliche Zukunft bei Odense Håndbold in Dänemark liegt. Können Sie in dieser Sache etwas Licht ins Dunkel bringen?

Smits: „Nein, noch nicht. Wahrscheinlich wird es für mich in Frankreich (bei Metz Handball, Anm. d. Red.) nicht weitergehen und Deutschland wird es auch eher nicht. Aber ganz fix ist es noch nicht.“

 

Ein Jahr hier in Neckarsulm, gemeinsam mit Ex-Vereinskollegin Antje Döll und Ihrer Schwester Munia, hätte aber doch auch seinen Charme...

Smits: (lacht) „Der Erfolg mit der Nationalmannschaft hat bei mir jetzt durchaus Lust auf mehr auch im Verein gemacht. Dadurch ist mir schon nochmal bewusst geworden, dass ich dieser Goldmedaille in der Champions League gerne noch hinterherjagen würde. Dementsprechend wird es für nächstes Jahr in Neckarsulm eher nichts. Aber ich würde es für die Zukunft nicht ausschließen...“

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