Stimme+
Motorsport
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Boost, Recharge, Active Aero & Co.: Die Neuerungen in der Formel 1 zur Saison 2026

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Das überarbeitete Formel-1-Reglement bringt bereits während der Testfahrten in Bahrain zahlreiche Veränderungen für Teams und Fahrer mit sich. Was neu ist und was welche Auswirkungen hat. Ein Überblick.

Der neue Audi R26 von Nico Hülkenberg (vorne) fiel am Mittwoch bei den Testfahrten in Bahrain mit extrem schmalen Lufteinlässen auf, blieb allerdings zeitweise auch mit technischen Problemen liegen. Später mischte Hülkenberg jedoch im vorderen Mittelfeld mit.
Der neue Audi R26 von Nico Hülkenberg (vorne) fiel am Mittwoch bei den Testfahrten in Bahrain mit extrem schmalen Lufteinlässen auf, blieb allerdings zeitweise auch mit technischen Problemen liegen. Später mischte Hülkenberg jedoch im vorderen Mittelfeld mit.  Foto: Altaf Qadri

Cadillac wählte am frühen Montagmorgen mitteleuropäischer Zeit den ganz großen Rahmen: in einem einminütigen Trailer präsentierte der US-Rennstall im Rahmen des Super Bowl LX das silber-schwarze Zweifarben-Design seines allerersten Formel-1-Boliden. „Die Mission beginnt“ ließ man die Weltöffentlichkeit in dem an eine Mondmission erinnernden Werbespot wissen. Die Botschaft war klar: Wir sind zwar die Neuen, aber kleine Brötchen backen ist unser Ding nicht.

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Abgerechnet wird allerdings auf dem Asphalt und dort sind dieser Tage neue Erkenntnisse zu erwarten, nachdem die ersten privaten Testtage vor zwei Wochen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya, bei dem Williams gar nicht erst am Start gewesen war und Ferrari-Pilot Lewis Hamilton die schnellste Zeit gefahren hatte, von reichlich Geheimniskrämerei geprägt gewesen waren.

Zudem hatte Aston-Martin-Teamchef- und Chefdesigner Adrian Newey mit ungewöhnlichen Rad-Aufhängungen am neuen AMR26 überrascht. „Alle sind besonders motiviert und spitzen immer die Ohren, wenn sie Adrian in der Garage sehen, wie er sich um alle Details kümmert und schaut, ob es irgendetwas gibt, was er noch verbessern kann“, sagt Routinier Fernando Alonso über den Design-Guru.

Bahrain-Tests geben erste verlässliche Einblicke in neue Fahrzeug-Generation

Weitere Erkenntnisse sammeln die Teams während der derzeit in Bahrain andauernden Belastungstests, bevor die Saison am 8. März 2026 im australischen Melbourne offiziell ihren Anfang nehmen wird. Groß ist die Spannung vor allem aufgrund des neuen Reglements, das die Uhren in der Motorsport-Königsklasse so weit zurückgestellt hat wie seit der bisher letzten großen Regelreform 2014 nicht mehr.


Mehr zum Thema

Der eine will Weltmeister werden, der andere ist es schon: Oscar Piastri (l) und Lando Norris. (Archivbild)
Sakhir (dpa)
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

McLaren-Boss: Keine Ungleichbehandlung der Piloten


„Wir müssen erst einmal lernen, wie dieses Auto funktioniert und die Bedienungsanleitung zu allen Details studieren“, scherzt McLaren-Weltmeister Lando Norris. Mit Cadillac und Audi, das am Mittwoch bereits mit überarbeiteten Seitenkästen in der Wüste aufschlug, sind außerdem zwei mit Spannung erwartete neue Namen dabei, die jahrelang auf die neue Saison hingearbeitet haben. Ein Überblick.

Aerodynamik-Neuerungen: Kompletter „Durchzug“ auf den Geraden

Die sichtbarste Veränderung nennt sich „Active Aero“. Die Fahrer können dabei den Winkel ihrer Front- und Heckflügel dynamisch je nach Streckenverlauf und Rennsituation anpassen – unabhängig von ihrer Platzierung im Feld und auf jeder Runde.

Im „Corner Mode“ bleiben die Flügelklappen beispielsweise vor engen Kurven geschlossen, um die Bodenhaftung zu erhöhen. Im „Straight Mode“ werden sie dagegen geöffnet, um quasi bei „Durchzug“ den Luftwiderstand zu reduzieren und damit die Höchstgeschwindigkeit zu erhöhen.


Mehr zum Thema


Fahrzeug-Neuerungen: Kürzer, schmaler, leichter

Die Fahrzeuge sind 20 Zentimeter kürzer, zehn Zentimeter schmaler (statt 2 nun nur noch 1,9 Meter) und 30 Kilogramm leichter (Minimalgewicht inklusive Reifen beträgt nun nur noch 768 Kilogramm) als in der vergangenen Saison; ein um 20 Zentimeter kürzerer Radstand (auf 3,4 Meter) macht die Boliden ebenfalls beweglicher. Geblieben sind die 18-Zoll-Reifen, die aber schmaler als im Vorjahr sind. „Ich würde mir wünschen, dass das Auto noch ein bisschen leichter wäre, aber es geht schon in die richtige Richtung“, sagt Cadillac-Pilot Valtteri Bottas.

Mehr Spannung versprechen zudem flachere Unterböden und ein Heck-Diffusor, was in Kombination zu weniger Anpressdruck, aber größerer Flexibilität beim Fahrzeug-Setup führt. Die Tage der „Ground-Effect“-Ära, die Fahrzeuge in einer Art Auf und Ab auf den Asphalt „hüpfen“ ließ, sind also gezählt.

Technik-Neuerungen: Die große Wirkung der drei Knöpfe

Die gravierendsten Neuerungen gibt es bei der Antriebseinheit. Die neue Power Unit ist zwar immer noch ein 1,6 Liter-V6-Hybrid-Turbo-Motor, doch die Energiequellen haben sich verändert: statt wie im Vorjahr 630 kW aus Verbrennungs- und 120 kW aus Elektromotor zu beziehen hat sich das Einspeisungsverhältnis in diesem Jahr auf 400 kW aus Verbrennungs- und 350 kW aus Elektromotor verschoben, was unter Laborbedingungen weiterhin eine Brutto-Motorleistung von 750 kW (oder rund 1000 bhp (Break Horse Power)) bedeutet. Der Verbrennungsmotor wird nun zu einhundert Prozent mit synthetischem Kraftstoff angetrieben.

Weil die bereits genutzten Systeme zur Energierückgewinnung die Batterie der Fahrzeuge pro Runde nun doppelt so schnell wiederaufladen wie zuvor, ergeben sich für Teams und Fahrer neue und variablere Rennstrategien.

Neuerungen auch beim Thema Sicherheit

Der Frontflügel und die Fahrerzelle der neuen Formel-1-Autos müssen in dieser Saison größeren Belastungen standhalten. Dazu sind an den Außenseiten der Rückspiegel fortan weitere Warnleuchten verpflichtend, die bei schlechten Sichtverhältnissen gemeinsam mit den Heckleuchten die eigene Sichtbarkeit für nachfolgende Fahrer erhöhen sollen.

Dafür gibt nun drei, über die Lenkradknöpfe zu steuernde Modi, die die Fahrer zum Überholen oder während Zweikämpfen anwählen können: „Boost“ setzt die maximale Leistung aus Motor und Batterie frei und ist überall auf der Strecke zum überholen oder verteidigen nutzbar, so lange die Batterie geladen ist.

Im „Overtake“-Modus werden Extra-PS freigesetzt, sofern sich ein Fahrer innerhalb von einer Sekunde hinter seinem Vordermann befindet. Das System gilt als DRS-Nachfolger und ist nur für Überholvorgänge auf Geraden nutzbar. Neu ist, dass es nicht mehr mehrere, sondern pro Runde nur noch einen Messpunkt auf der Strecke gibt, um den den Zeitabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu bestimmen.

„Recharge“ umfasst voreingestellte Fahrmodi, die die Batterie während des Rennens bei Bremsvorgängen oder durch Motorenergie wiederaufladen. „Der Fahrer muss hinter dem Lenkrad wieder mehr arbeiten und das Auto mehr managen als zuvor“, hat Valtteri Bottas im Cadillac-Cockpit bereits festgestellt und somit hinter dem Lenkrad zukünftig seine ganz eigene Mission zu erfüllen.


Mehr zum Thema


Nach oben  Nach oben