DBB-Auswahl im EM-Achtelfinale – „Basketballerisch kannst du den Jungs wenig Neues beibringen“
Die deutsche Nationalmannschaft steht mit Interimsbundestrainer Alan Ibrahimagic in der K.o.-Runde der EM. Goran Mijic, Trainer der TSG Heilbronn Reds, hat noch vor zwei Monaten bei Ibrahimagic hospitiert und verrät, was er von ihm gelernt hat.

Ungeschlagen hat sich die Deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft vorzeitig für das Achtelfinale qualifiziert – und das ohne ihren Cheftrainer. Krankheitsbedingt ist Bundestrainer Álex Mumbrú (46) seit Turnierbeginn zum Zuschauen gezwungen. Seine Rolle hat interimsweise Assistent Alan Ibrahimagic (47) übernommen, der 2024 mit der U18-Auswahl des Deutschen Basketball Bundes Europameister und 2025 mit der U19 Vize-Weltmeister geworden ist.
Goran Mijic, der Trainer von Regionalligist TSG Heilbronn Reds, hat noch im vergangenen Juni im Rahmen seines A-Lizenz-Lehrgangs während der WM-Vorbereitung bei Ibrahimagic hospitiert. „Er ist mein Mentor“, sagt Mijic (38) ein wenig scherzhaft, aber voller Anerkennung. Unser Redakteur Nils Buchmann hat mit ihm über den Interimsbundestrainer gesprochen.
Herr Mijic, was ist Alan Ibrahimagic für ein Typ?
Goran Mijic: Er ist zuallererst ein super Mensch, aber auch ein erfahrener Trainer. Und er ist jemand, der immer sein Maximum gibt. Ich glaube, der DBB hat eine gute Entscheidung getroffen, ihm die Rolle anzuvertrauen. Aber wir hoffen natürlich alle, dass Álex Mumbrú bald wieder zurückkommt.
Wie viel Einfluss hat ein Interimstrainer in seiner täglichen Arbeit auf die Nationalmannschaft?
Mijic: Das ist eine schwere Frage, weil die Mannschaft seit Jahren das Produkt eines klaren Spielsystems ist. Die Basics werden in der U16 gelegt und das geht dann über die U18 und U20/21 bis zur A-Nationalmannschaft.
Dazu ist die Mannschaft mit Ausnahme von drei, vier Spielern seit acht oder zehn Jahren zusammen. Sie hat so viel Qualität, da darfst du als neuer Trainer gar nicht viel Politik machen, sondern musst mit klaren Rollenverteilungen für Zufriedenheit sorgen. So viel Philosophie steckt da nicht dahinter.
Was haben Sie während Ihrer Hospitanz bei Alan Ibrahimagic gelernt?
Mijic: In zehn Tagen kannst du gar nicht so viel Sportliches auf dem Feld lernen. Aber bei all dem, was privat, was neben dem Feld wichtig ist, hat er mir wichtige Tipps gegeben. Zum Beispiel bei der Trainer-Spieler-Beziehung.
Basketballerisch kannst du den Jungs wenig Neues beibringen, aber wie geht man mit einem Dennis Schröder oder einem Franz Wagner um? Was sagt man ihnen bei einem Lehrgang? Gibt man Spielern mit solchen Qualitäten noch Anweisungen, dass sie besser nach rechts oder nach links laufen sollen?
Was ist das Erfolgsrezept dieser deutschen Basketball-Generation?
Mijic: Das ganze Konzept von Angriff, Abwehr und Transition ist von den U-Auswahlen bis zur A-Nationalmannschaft ungefähr gleich – eigentlich ist es seit Dirk Bauermann Trainer war dasselbe. Nur statt Spielern wie Ademola Okulaja hast du jetzt eben einen Franz Wagner.
Die individuelle Qualität ist einfach höher und ihnen helfen der lange aufgebaute Teamspirit und natürlich auch die zwei Medaillen, die sie zuletzt bei wichtigen Turnieren geholt haben (2022 EM-Bronze und 2023 WM-Gold, Anm. d. Red.).



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