SGV Freiberg hält dem Erfolgsdruck stand
Durch das 2:0 über Kickers Offenbach verteidigt der künftige Heilbronner Verein die Tabellenführung in der Regionalliga. Ein Winter-Neuzugang wird zum Matchwinner des SGV Freiberg.

Es donnerte und blitzte. Doch der heftige Gewitterregen hielt Emir Cerkez als Präsident des SGV Freiberg am Samstagnachmittag nicht davon ab, direkt nach dem 2:0-Heimsieg gegen Kickers Offenbach aufs Feld zu stürmen. Jeder im Freiberger Trikot wurde geherzt, da war viel Erleichterung dabei, nicht nur beim Macher des SGV. Cerkez hatte nach dem Tor zum 2:0 – noch im Trockenen der Haupttribüne – ein kleines Freudentänzchen vollführt, weil klar war: Diese bisher sportlich verpatzte Woche bekommt noch ein Happy End. Nach dem Last-Minute-2:2 bei Schlusslicht Bahlinger SC und dem Aus im WFV-Pokal-Viertelfinale bei den Stuttgarter Kickers (1:3) hätte ein Heimpatzer gegen die Kickers Offenbach die Freiberger die Regionalliga-Tabellenführung gekostet.Durch das 4:1 der SG Sonnenhof Großaspach gegen den TSV Steinbach am Freitagabend war der Druck weiter gestiegen. „Viele erhoffen sich“, sagte Trainer Kushtrim Lushtaku, „dass wir wieder in so ein Loch fallen.“ In so ein tiefes, schwarzes, alles verschlingendes Loch wie in der Hinrunde.
„Es war schon Druck da“, sagt der Matchwinner beim SGV Freiberg
Mit neun Siegen aus den ersten neun Regionalligaspielen war die Freiberger Erfolgswelle zu Saisonbeginn enorm groß gewesen. Der SGV siegte sich ins Regionalliga-Rekordbuch. Der Absturz von dieser Welle fiel dementsprechend heftig aus. „Die Jungs haben aus diesen acht Spielen in der Vorrunde gelernt, sind mental vorbereitet“, sagte Lushtaku über die anschließende Sieglosserie aus dem Herbst 2025.Im Aufstiegs-Zweikampf mit Neuling SG Sonnenhof Großaspach liegt der SGV weiterhin zwei Punkte vorne. „Es war schon Druck da. Du schaust tagtäglich auf die Tabelle“, sagte Minos Gouras.
Der Winterneuzugang wurde am Samstag zum Matchwinner. Der 27-Jährige kam im Januar vom FC Homburg und erzielte am Samstag die beiden Tore zum 2:0. Dabei hatte es lange nach einem verkorksten Samstagmittag ausgesehen. In der 13. und 17. Minute scheiterte der Flügelstürmer in aussichtsreicher Position. „Das war in der Halbzeitpause etwas deprimierend für mich. Die Jungs haben mich dann aufgemuntert, gesagt, dass ich ein Tor mache. Dass es zwei wurden, umso besser“, sagte Gouras strahlend.Direkt nach dem Seitenwechsel traf er nämlich aus spitzem Winkel zum 1:0 (47.). Als Offenbach nur noch mit zehn Mann spielte (Gelb-Rot gegen Boubacar Barry, 65.) nutzte Gouras einen Fehlpass von OFC-Torwart Johannes Brinkies, blieb alleine vor dem Tor beim 2:0 in der 82. Minute eiskalt.
Nun Aufstieg mit Freiberg statt mit Homburg?
SGV-Trainer Lushtaku holte Gouras aus Homburg, wo der ehemalige Zweitliga-Profi (Jahn Regensburg) nicht so recht zum Zug kam. „Als wir in der Vorsaison in Homburg gespielt haben, da hat er ein extrem starkes Spiel gemacht, da ist er mir ins Auge gestochen“, sagte Lushtaku über den Wintertransfer. Der Neue wollte eigentlich mit dem FC Homburg in die 3. Liga. Jetzt soll das eben mit Freiberg gelingen. „Der Verein hat seine Aufgaben im Hintergrund gemacht, jetzt liegt es an uns“, sagte Gouras mit Blick auf den im Sommer anstehenden Umzug nach Heilbronn, bevor er in die Kabine entschwand.
Dort wurden der Heimsieg und die zwei trainingsfreien Tage, die der Trainer spendierte, lautstark gefeiert. Was Kabinen-DJ Leon Petö auflegte, war allerdings nicht unbedingt nach dem Geschmack des Trainers, der froh war, über ein eigenes Kämmerlein im Kabinentrakt neben dem Wasenstadion zu verfügen. „Manchmal komme ich aus meinem Büro raus und stelle die Musik aus. Aber heute lasse ich sie feiern“, sagte Trainer Kushtrim Lushtaku, während im Hintergrund der puerto-ricanische Rapper Bad Bunny von Kaffee am Morgen und Rum am Nachmittag sang.
Für Nahrhafteres will Minos Gouras sorgen. „Wenn wir unser Ziel erreicht haben, dann lade ich alle zum Essen ein“, versprach der Deutsch-Grieche. Die Meisterfeier des SGV Freiberg könnte im Mai im Restaurant „Zwiwwel“ der Familie Gouras in Rödersheim-Gronau in der Pfalz steigen. Die Spezialität des Sohnes sind Tore, die der Eltern griechische Speisen.
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