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Warum der Heilbronner Neckar-Cup einen neuen Nachbarn hat

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Das Challenger in Karlsruhe erinnert sehr und doch gar nicht an den großen Bruder am Trappensee. Liam Gavrielides glückt am Schneewittchenweg sein erster Hauptfeldsieg.

Malerische, aber räumlich begrenzte Anlage im Karlsruher Villenviertel Rüppurr: Der Center Court bietet 550 Zuschauern Platz − beim Neckar-Cup sind es 900. Tickets kosten an den ersten Turniertagen in Karlsruhe 30 Euro − in Heilbronn waren es 15.
Malerische, aber räumlich begrenzte Anlage im Karlsruher Villenviertel Rüppurr: Der Center Court bietet 550 Zuschauern Platz − beim Neckar-Cup sind es 900. Tickets kosten an den ersten Turniertagen in Karlsruhe 30 Euro − in Heilbronn waren es 15.  Foto: Lars Müller-Appenzeller

Was der Karlsruher Stadtteil Rüppurr bietet, erinnert an den Osten Heilbronns: viel Grün, schöne Häuser - und ein Challenger-Turnier auf Sand. Diese Woche finden auf der Anlage des TC Rüppurr erstmals die Tennis Open Karlsruhe statt.

"Wir sind zurück zu den Wurzeln unseres Vereins", sagt Markus Schur. Der 61-Jährige ist seit 2007 Cheftrainer beim TC Rüppurr und unternehmungslustig. In den Jahren 2019, 2021 und 2022 fungierte der ehemalige Bundestrainer und Fed-Cup-Teamchef als Turnierdirektor des Karlsruher WTA-Turniers. Warum der Wechsel von den Frauen zu den Männern?

Einem WTA-Turnier fehlt die Attraktivität

"Weil sich ein ATP-Challenger mehr lohnt", sagt Markus Schur und holt etwas aus. Die jahrzehntelange Tradition des TCR ist Männer-Tennis. Doch 2005 stiegen die Frauen in die Bundesliga auf. Man merkte, so Schurr: "Mit weniger Geld lässt sich mehr erreichen. So wurden wir zwei Mal deutscher Meister." Und deshalb 2019 die Premiere als WTA-Turnier mit satten 125.000 US-Dollar Preisgeld.

Doch 2022 passten die Zuschauerzahlen nicht und 2024 wird die WTA ihren Kalender reformieren. "Die Kosten werden gleichbleiben, aber das Produkt wird schlechter", erklärt Schur: "Wir hätten keine Top-100-Spielerinnen mehr bekommen und auch keine deutschen Nachwuchsspielerinnen - weil es die nicht mehr gibt." Deshalb die Rückkehr zu den Wurzeln.

Molleker erkennt unterschiede zwischen den Turnieren

Gestenreiche Manöverkritik nach dem Premierensieg (von links): Trainer Denis Gremelmayr, Profi Liam Gavrielides und Papa Marios Gavrielides.
Fotos: Lars Müller-Appenzeller
Gestenreiche Manöverkritik nach dem Premierensieg (von links): Trainer Denis Gremelmayr, Profi Liam Gavrielides und Papa Marios Gavrielides. Fotos: Lars Müller-Appenzeller  Foto: Lars Müller-Appenzeller

Schon jetzt weiß Markus Schur, dass er alles richtig gemacht hat: Der Vorverkauf sei besser gewesen als der gesamte Besuch 2022 beim Frauenturnier, erzählt er auf der Terrasse des Clubhauses. Interessant: Der Etat für das mit 75.000 Euro Preisgeld dotierte Männerturnier liege bei etwa 350.000 Euro - und somit unter dem des Frauenturniers.

 


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Auch auf den zweiten Blick erinnert das Challenger am Schneewittchenweg an den großen Bruder am Trappensee. Zehn der 32 Profis im Hauptfeld haben auch in Heilbronn aufgeschlagen, darunter die beiden Halbfinalisten Pedro Martínez aus Spanien und Rudi Molleker. Der Neckar-Cup-Sieger 2018 sagt: "Dennoch unterscheidet sich hier sehr viel von Heilbronn, alleine der ganze Veranstaltungsort. Und die Größe."

Karlsruhe: Weniger Preisgeld, höhere Ticketpreise

War Bundestrainer und Fed-Cup-Teamchef: Turnierdirektor Markus Schur.
War Bundestrainer und Fed-Cup-Teamchef: Turnierdirektor Markus Schur.  Foto: Lars Müller-Appenzeller

Ein paar Kennzahlen aus Karlsruhe: Der Center Court bietet 550 Zuschauern Platz, das Ticket kostet an den Anfangstagen 30 Euro. Heilbronn bietet den Zuschauern am Center Court 900 Plätze, die ab 15 Euro zu haben waren. Und den Profis wurden vor einem Monat 125.000 Euro Preisgeld geboten (bei einem Etat knapp unter 500.000 Euro).

Beim Neckar-Cup hat Markus Schur während der Turnierwoche nicht vorbeigeschaut. "Ich habe nur mal kurz angerufen", sagt er - Schur war sich seiner Sache sicher. "Die WTA ist viel restriktiver als die ATP, so dass es im Vorfeld viel Vertrauen und keine weiteren Fragen gab."

Möglinger Gavrielides mit ersten Ausrufezeichen

Die Heilbronner sind gelassen ob des neuen Nachbarn in 60 Kilometern Entfernung. "Umso mehr Turniere in Deutschland, desto besser für unsere Tennisprofis. Wir wünschen alles Gute", sagt Turnierdirektor Metehan Cebeci. Seine Frau und Co-Turnierdirektorin Mine Cebeci ergänzt: "Das Turnier ist eine Bereicherung und fern genug, wir fühlen uns nicht gestört." Das wäre 2019 womöglich etwas anderes gewesen, wenn es im 22 Kilometer entfernten Öhringen die Hohenlohe Open gegeben hätte - doch dieses Challenger kam nie über die Planungsphase hinaus.

 


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Was Markus Schur am Männertennis besonders gefällt: "Die Leistungsdichte ist größer", sagt er und deutet auf den Center Court. Da bekämpfen sich nach allen Regeln der Tenniskunst der Spanier Oriol Roca Batalla (Nummer 301 der Weltrangliste) und Liam Gavrielides (925).

Der 19-Jährige aus Möglingen hatte vor einem Jahr in Heilbronn erstmals bei einem Challenger aufgeschlagen und war erneut vor vier Wochen in der Qualifikation dabei. In Karlsruhe glückte dem Wildcard-Starter nach dreieinhalb Stunden mit 2:6, 7:6 (10:8) und 7:6 (7:3) erstmals im Einzel ein Hauptfeld-Sieg, er zog ins Achtelfinale ein und sagt selig: "Das war ein Meilenstein. Aus Heilbronn hatte ich viel Selbstvertrauen mitgenommen, das hat heute geholfen."

 
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