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Pro & Contra: Ist die Wimbledon-Rückkehr russischer Athleten richtig?

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Im Falle einer schriftlichen Neutralitätserklärung und ohne finanzielle Förderung vom Staat sind Russen und Belarussen beim prestigeträchtigsten Tennis-Turnier der Welt wieder willkommen.

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Beim prestigeträchtigsten Tennis-Turnier der Welt dürfen im Londoner Stadtteil Wimbledon in den nächsten zwei Wochen Russen und Belarussen wieder spielen. Das sorgt für ein geteiltes Echo − in der Tennis-Welt und bei unseren Redakteuren.
Beim prestigeträchtigsten Tennis-Turnier der Welt dürfen im Londoner Stadtteil Wimbledon in den nächsten zwei Wochen Russen und Belarussen wieder spielen. Das sorgt für ein geteiltes Echo − in der Tennis-Welt und bei unseren Redakteuren.  Foto: Arne Dedert

Wenn am Montag zum 136. Mal vom All England Lawn Tennis and Croquet Club zu den Wimbledon Championships geladen wird, werden dort nicht nur wieder Weltranglistenpunkte vergeben, sondern es dürfen beim traditionsreichen Grand-Slam-Turnier in London auch wieder Spielerinnen und Spieler aus Russland und Belarus aufschlagen.

Nachdem die Veranstalter im Angesicht des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Vorjahr Spieler beider Nationen ausgeschlossen hatten und die Spielervereinigungen ATP und WTA daraufhin beschlossen, für die 2022er-Auflage keine Weltranglistenpunkte zu vergeben, ist in diesem Jahr wieder alles beim Alten. Ist das die richtige Entscheidung oder hätte der Bann aufrechterhalten werden sollen?

Pro
Von Nils Buchmann

Mit dem politisch motivierten Ausschluss von Sportlern von internationalen Wettbewerben ist nie jemandem geholfen: weder der Veranstaltung selbst, noch den Athleten - sowohl denen, die antreten dürfen als auch jenen, die zu Hause bleiben müssen. Es geht einzig um eine öffentlichkeitswirksame Ächtung.

Das mag sinnvoll sein, wenn etwa staatliche Dopingprogramme die Integrität des Sports verletzt und zu Wettbewerbsverzerrungen geführt haben. Nicht aber, wenn (Einzel-)Sportler nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen dürfen, weil in ihrem Heimatland Politiker von Wahn und Gier getrieben werden und sich die Athleten dazu neutral verhalten.

Eine Frage der Perspektive

Nach der Kehrtwende der Ausrichter ist nun auch klar, dass nicht einmal der Ausschluss im Vorjahr aus Überzeugung, sondern aus reinem Aktionismus erfolgte. Das war damals und ist noch immer Populismus in seinem billigsten Gewand.

Übrigens: Vor 20 Jahren, nach der völkerrechtswidrigen Invasion des Iraks durch die USA, Großbritannien und ihre "Koalition der Willigen" ist niemand auf die Idee gekommen, Briten und US-Amerikaner von Sportveranstaltungen auszuschließen. Es ist, so ehrlich muss man sein, eben auch immer eine Frage der Perspektive.


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Contra
Von Lars Müller-Appenzeller

Es ist schwieriger denn je, wenn ukrainische Sportler auf Kolleginnen oder Kollegen aus Russland treffen. Das war auch kürzlich beim Heilbronner Neckar-Cup zu sehen: Ukrainer verzichten auf den obligatorischen Handschlag nach dem Tennis-Match. Das ist das einzige kleine Zeichen, das sie ungestraft vom Platz aus in die Welt senden können. Immer wieder aufs Neue.

Das Zeichen, das vor einem Jahr von Wimbledon ausging, war stark: Die wichtigste Tennis-Veranstaltung stellte sich als einziges Turnier gegen den Kurs der Organisationen WTA und ATP, duldete den Start der "neutralen" Athleten aus Russland und Belarus nicht. Das brachte viele zum Nachdenken, zum Diskutieren.

Begründung ist beschämend

Dass die Wimbledon-Organisatoren den Schritt zurück ins Glied der Schulterzucker machen, die damit argumentieren, den Sport und nicht die Politik in den Vordergrund zu stellen, mag nachvollziehbar sein. Ihre Begründung aber ist beschämend.

Die Briten erklärten bei der Bekanntgabe ihrer Kehrtwende, dass sie nicht aus Überzeugung handeln, der Ausschluss vor einem Jahr richtig gewesen sei. Das Einknicken sei ein Resultat der "erheblichen Strafen" und des Drucks möglicher Konsequenzen. Schade. So bleibt es bei kleinen Zeichen.

 

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