Schwimm-Topteam der Sport-Union Neckarsulm ist aufgelöst
Leistungsentwicklung und Verhalten einzelner Athleten passen für Initiator und Förderer Christian Hirschmann nicht mehr. Trainer Matthew Magee geht nach Australien zurück. Wie sieht die Zukunft der anderen Sportler aus?

Die Arbeit im Discounter lenkt Bente Fischer ab. Andere Menschen. Andere Themen. Die Brust-Spezialistin trainiert am Mittwoch nicht. "Ich möchte im Moment nichts mit Wasser zu tun haben", sagt die 25-Jährige, "da ist so viel Negativität drin". Seit Bente Fischer und die Gruppe um Cheftrainer Matthew Magee am Montag erfahren hat, dass das Topteam der Sport-Union aufgelöst ist, braucht sie Zeit. Um mit ihrem Gefühlschaos klarzukommen und die zahlreichen Gedankenstränge zu sortieren.
Auch Henning Mühlleitner sagt: "Der Schock saß tief, ich war wie betäubt." Mittlerweile ist für den Olympia-Vierten von Tokio das Warum nachvollziehbar. "Aufgrund der Leistungsentwicklung und des Verhaltens einzelner Sportler habe ich entschieden, dass das Topteam nicht mehr weiter besteht", sagt Christian Hirschmann im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Es ist das Ende seines Projektes - jedenfalls in seiner bisherigen Form.
Hirschmann möchte sich weiter in Neckarsulm engagieren
Doch einen hauptamtlichen Trainer für den leistungssportlichen Nachwuchs wird Hirschmann auch über 2024 hinaus mit seinem Unternehmen weiter finanziell unterstützen. Das ist ihm wichtig. Auch sein persönliches Engagement für den Verein bleibt bestehen. Denn: "Es ist keine Entscheidung gegen Neckarsulm", betont das Vorstandsmitglied der Sport-Union. Vielmehr soll es einen Umbau in Richtung Nachwuchsarbeit und einen Schwerpunkt für Schwimmenlernen geben.
Seine Gedanken gibt Christian Hirschmann offen preis. "Die Entscheidung tut weh. Trotzdem habe ich sie ohne Emotion getroffen." Ist doch nicht weniger als ein Teil seines Lebenswerks damit verbunden. Eine Herzensangelegenheit.
Platz vier bei Olympia als Höhepunkt des Projektes
2015 im September starten die Vorbereitungen zum Neckarsulmer Schwimm-Topteam. Mit reichlich Herzblut, Geld und persönlichem Engagement baut Hirschmann es auf. 2017 verstärkt mit Hannes Vitense ein Schwimm-Fachmann und der spätere Bundestrainer die Gruppe.
2018 kommen die ersten internationalen Erfolge, als Henning Mühlleitner bei den European Games in Glasgow die Bronzemedaille über 400 Meter Freistil gewinnt. Der Höhepunkt aber ist der vierte Platz bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021, als Mühlleitner tagelang national für positive Schlagzeilen sorgt.
Mühlleitner: Neuanfang ein Jahr vor Olympia
Nun hat er in Neckarsulm keine sportliche Zukunft mehr. Wie der Ägypter Akram Mahmoud, die Niederländer Sander und Vincent Crooijmans oder Kaspar Helde. Ramon Klenz hat zuvor schon bekannt gegeben, dass er zurück nach Berlin gehen wird. "Eine Option oder konkrete Pläne habe ich nicht. Ich treffe jetzt keine Entscheidung aus Panik", sagt Henning Mühlleitner, der Mitglied im Sporthilfe-Perspektivteam für Paris 2024 ist.
In einer Woche fliegt er trotz der klar verpassten WM-Qualifikation zur Mare Nostrum, einer internationalen Schwimmserie mit Stationen in Barcelona, Monte Carlo und Canet-en-Roussillon. Dann wird der Zweite der Unterländer Sportlerwahl erstmal zwei Wochen lang nicht in Amorbach sein und auch etwas Abstand gewinnen. "Ich sehe es auch als Chance, als einen Neuanfang ein Jahr vor Olympia", meint der Freistilspezialist.
Junior-Coach Dan Morse bleibt, Matthew Magee geht
Deutschland ganz verlassen wird Trainer Matthew Magee. Seine Frau und die beiden Töchter haben für Ende Juni ohnehin die Rückkehr nach Australien geplant gehabt, nun wird auch Papa mit in die Heimat fliegen. Zumindest bis 2024 wird Junior-Coach Dan Morse am Standort Neckarsulm bleiben.
Bente Fischer sagt: "Ich habe die Zusicherung bekommen, dass ich unter anderer Leitung weiter bleiben kann. Trotzdem werde ich vor Veränderungen gestellt." Details? Gibt es noch keine. Alles ist zu frisch - und auch noch reichlich emotional.
Christian Hirschmann plant die Neuausrichtung mit einem veränderten Fokus. Vornedran nur noch zwei, drei Athleten. Wie einst.
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