Nick Bangert, 2004 in Heilbronn geboren, wuchs in einer Triathlon-Familie auf. Seine Eltern sind noch heute aktiv. Da liegt es für ihn nahe, nach seinem Karriereende im Radsport wieder – wie in alten Zeiten – für einen Triathlon zu trainieren. Beim regelmäßigen Lauftraining trifft er oft auf Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel, dessen Laufstrecke sich mit seiner kreuzt. „Das ist immer sehr witzig“, sagt der 20-Jährige. Ob Mergel auch für einen Triathlon trainiert?
Heilbronner Radprofi Nick Bangert beendet Karriere mit 20 und übt Kritik
Bei der Deutschland-Tour war Nick Bangert noch Heilbronns gefeierter Lokalheld. Weil ihm der Bundestrainer den Weg verbaut habe, ist nun Schluss.

Es waren nur noch zehn Kilometer bis zu seiner Heimatstadt Heilbronn. Für den damals 19-jährigen Nick Bangert stand fest: Er wollte bei der Deutschland-Tour 2024 als Erster das Heilbronner Ortsschild passieren. Der Fahrer des Teams Lotto Kern-Haus PSD Bank kannte Abfahrten und Anstiege auswendig, fuhr 90 Kilometer an der Spitze, raste durch die Ortschaften der Region, attackierte im richtigen Moment den Führenden – und erreichte sein Ziel: Erster Fahrer in Heilbronn.
In der Karlstraße wurde Nick Bangert jedoch vom heranrollenden Hauptfeld geschluckt. Beim Anstieg zum Jägerhaus erblickte er am Straßenrand Familie, Freunde und ehemalige Teammitglieder, die ihn anfeuerten. „Das war so schön, ich habe dann einfach nur noch genossen“, sagt der 20-Jährige. „Lokalheld“, „Ausnahmetalent“ – so wurde Nick Bangert betitelt. Doch damit ist jetzt Schluss: Bangert beendete nun seine Radsportkarriere.
Nick Bangert hat als Radprofi alles auf eine Karte gesetzt
„Ähm, ja“, beginnt Nick Bangert und lächelt verlegen. Mental und körperlich sei er topfit. Geplant war, dass er im Winter, wie üblich, allein ins Trainingslager nach Spanien geht. Seine Gründe sind andere: „Ich wollte schon immer Profi werden, in die Nationalmannschaft kommen, und habe deshalb alles auf eine Karte gesetzt.“
„Wenn dir die Person, die dir über drei Jahre keine Einsatzzeiten in der Nationalmannschaft gibt, auch noch die Möglichkeit für einen Plan B nimmt, dann weißt du, woran du bist.“
Nick Bangert
Der Zweifel daran begann früh. „Alles fing damit an, dass ich nach meinem deutschen U19-Bergmeistertitel nicht für die Nationalmannschaft berücksichtigt wurde“, erinnert er sich mit ernster Miene. „Trotz dieses Titels wurde mir gesagt, dass die Leistung noch nicht ausreicht.“ Bangert tat sich schwer, Freunde und Familie ermutigten ihn, nicht aufzugeben.
Im ersten U23-Jahr bester Nachwuchsfahrer der Bundesliga
Nick Bangert kämpfte um seinen Traum. Er verbrachte die Wintermonate in Südeuropa, um zu trainieren – setzte alles auf eine Karte. Im ersten U 23-Jahr wurde er 2023 bester Nachwuchsfahrer der Bundesliga, beendete das World-Tour-Rennen rund um Köln gegen Tour-de-France-Profis auf Platz 30 und wurde bei den deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren Sechster – nur 30 Sekunden hinter dem Sieger.

„Es war so wichtig für mich, mir selbst zu beweisen, dass ich mit den Besten mithalten kann“, sagt Nick Bangert. Auch mit Platz 101 der Deutschland-Tour sammelte er Argumente für sich. Und tatsächlich: Für das Jahr 2024 wurde er in die Nationalmannschaft berufen – doch ein Einsatz blieb aus. „Meine Leistung hat gestimmt“, betont Bangert. „Viele Fahrer, die an meiner Stelle gestartet sind, waren in jedem Rennen hinter mir.“
Der Horkheimer spricht von Vetterleswirtschaft
Teilweise habe U 23-Bundestrainer Ralf Grabsch sogar Fahrer nominiert, die gar nicht im zehnköpfigen Nationalmannschaftskader gelistet waren. Den Namen des Bundestrainers möchte Bangert selbst nicht nennen, übt aber deutliche Kritik: „Man hatte das Gefühl, wenn man gute Kontakte hat, darf man fahren – Vetterleswirtschaft eben.“ Sein Traum, bei Europa- oder Weltmeisterschaften zu starten, rückte immer weiter in die Ferne.
Der endgültige Bruch folgte, als Bangert parallel zum Radsport eine Ausbildung bei der Landespolizei als Plan B beginnen wollte. „Ich war der einzige Bewerber für dieses Ausbildungsmodell in Baden-Württemberg“, erzählt er, „und hätte nur noch die Unterschrift des Bundestrainers gebraucht.“ Diese wurde jedoch verweigert. „Wenn dir die Person, die dir über drei Jahre keine Einsatzzeiten in der Nationalmannschaft gibt, auch noch die Möglichkeit für einen Plan B nimmt, dann weißt du, woran du bist.“
Zweiwöchige Auszeit bringt die Erkenntnis
Nick Bangert nahm sich mit seiner Partnerin eine zweiwöchige Auszeit. Eigentlich wollte er die Saison 2025 bestreiten. Doch nachdem er sich in Ruhe Gedanken über seine Zukunft machen konnte, wurde ihm klar: „Diese Person (Anm. d. Red.: der Bundestrainer) will mir einfach jeden möglichen Weg verbauen“
Für seine Rücktrittsentscheidung im Oktober bekam Nick Bangert viel Rückendeckung. „Klar bin ich etwas traurig, aber gleichzeitig auch realistisch.“ Sein neues Ziel: „Den C-Trainerschein erwerben, um in Zukunft besser mit jungen Athleten arbeiten zu können.“ Derzeit absolviert er nebenbei mehrere Praktika, bevor er im September eine Ausbildung beginnt.

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