Der Husarenritt des Heilbronner Jungen Nick Bangert bei der D-Tour
Der 19-jährige Nick Bangert fährt als Erster des Deutschland-Tour-Pelotons in seine Heimatstadt, der Etappensieg geht im Sprint auf der Heilbronner Thetresienwiese allerdings an den Italiener Jonathan Milan.
Wo ist Nick?", lautete die meistgestellte Frage nach der Zieleinfahrt am Bus vom Team Lotto Kern-Haus PSD Bank auf der Theresienwiese. Nicht nur seine Freundin Ina wartete auf Lokalmatador Nick Bangert am Ende der ersten Etappe der Lidl-Deutschland-Tour von Schweinfurt nach Heilbronn, auch mehrere TV-Teams und zahlreiche Pressevertreter. Rund 90 Kilometer war der 19-Jährige an der Spitze gefahren, zunächst als Teil einer Ausreißergruppe, ab dem Anstieg bei Cleversulzbach sogar als Solist an der Spitze. "Ich kannte den Anstieg und wollte meine Chance nutzen", sagte Bangert, als er endlich am Bus angekommen war und sich die Glückwünsche seines Teams und den verdienten Kuss von Ina abholte. Selbst am Heilbronner Ortsschild war der Horkheimer, von Weinsberg kommend, noch vorne, doch in der Karlstraße schluckte ihn schließlich das heranrasende Hauptfeld.
Wie im Vorfeld erwartet, versuchten die starken Bergfahrer beim Anstieg zum Jägerhaus zu attackieren. Doch die dreiköpfige Ausreißergruppe um den Briten Jonathan Gloag, den Kemptener Oliver Mattheis und den Iren Archie Ryan wurde schließlich auf dem Autobahnzubringer von Donnbronn Richtung Heilbronn wieder gestellt. Jetzt war klar: den Etappensieg machen die Sprinter unter sich aus.
Eine Radlänge Vorsprung im Ziel
Auf der Zielgeraden war es Prologsieger Jonathan Milan vom Team Lidl-Trek, der sich früh an die Spitze setzte und die Etappe souverän für sich entschied. Mehr als eine Radlänge hatte der Italiener Vorsprung vor dem Belgier Jordi Meeus und dem Cottbusser Max Kanter. "Das Team hat heute 100 Prozent gegeben, es war eine großartige Leistung. Es war ein besonderer Sieg, da wir ja quasi in unserer Heimatstadt sind", sagte der 23-Jährige mit Blick auf den Hauptsponsor des Teams und der Tour. Mit neun Sekunden Vorsprung auf den neuen Gesamtzweiten Meeus geht Milan an diesem Freitag auf die zweite Etappe von Heilbronn nach Schwäbisch Gmünd.
Am Lotto-Team-Bus von Bangert hatte bereits am frühen Nachmittag beste Stimmung geherrscht. Die Renntaktik war voll aufgegangen. Pünktlich zur Liveübertragung im ZDF war das Team aus der dritten Liga des Radsports mit drei Fahrern in der ursprünglich vierköpfigen Ausreißergruppe vertreten. "Wir wollten natürlich in eine Gruppe, aber es braucht ja immer auch ein bisschen Glück und die richtigen Beine", sagte Lotto-Teamchef Florian Monreal hinterher. Zwar fiel der Augsburger Mauro Brenner bereits bei Tauberbischofsheim wieder zurück ins Hauptfeld. "Da haben wir uns etwas verpokert", gab Monreal zu. Doch das verbliebene Trio mit Bangert, seinem Teamkollegen Ben Jochum und Anton Lennemann vom Team Bike Aid bildete fortan eine sehr gut zusammenarbeitende Spitzengruppe. Das Trio wechselte sich in der Führungsarbeit ab und hatte lange rund zwei Minuten Vorsprung vor den Verfolgern.
Großes Lob vom Teamchef
Beim Anstieg in der Nähe von Cleversulzbach nahm Bangert schließlich sein Herz in die Hand und ließ die beiden Konkurrenten stehen. "Das hat er überragend gemacht", lobte sein Chef Monreal. Der Horkheimer Bangert wollte unbedingt als Erster seine Heimatstadt Heilbronn erreichen. Das Feld sammelte seine beiden Mitstreiter schnell ein, doch Bangert hielt den Vorsprung lange bei bemerkenswerten 50 Sekunden. Als es nach dem Schemelsbergtunnel über den Weinsberger Buckel ging, rollte das Peleton allerdings lawinenhaft heran. Das Ortsschild passierte Bangert aber noch als Erster. "Ein Heilbronner Junge fährt als Führender in sein Heimatstadt. Besser geht"s doch nicht", freute sich Teamchef Monreal. "Das war ein perfekter Tag für uns." Und den Sponsor. Schließlich war der mehr als eine Stunde im TV präsent.
Angefüllt mit Glückshormonen war natürlich auch der Mann des Tages selbst. "Ich bin einfach super happy. Das heimische Publikum hat mehr getragen als alles andere." Gefeiert wurde am Donnerstag allerdings nicht. "Das holen wir Sonntag nach", versicherte Bangert.
Moment mal "Plötzlicher Regen"




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