Viel Spannung, wenig(er) Zuschauer: Gegensätze beim Internationalen Winter-Motocross in Frankenbach
Eine geschrumpfte Besucherzahl trübt die Bilanz des 51. Motocross-Spektakel beim ausrichtenden MCC Frankenbach. Die neu eingeführte Frauen-Klasse ist allerdings sofort ein Mehrwert − trotz einer souveränen Siegerin.

Der Motocross-Sonntag in Frankenbach hatte eigentlich alles, um zu einem großen Erfolg zu werden. Das Fahrerfeld? Ansprechend. Die Rennen in MX1 und MX2? Spannend. Das Wetter? Bestens. Und wann wenn nicht am Internationalen Weltfrauentag wäre für den ausrichtenden MCC Frankenbach und sein Internationales Winter-Motocross (WMX) ein besserer Zeitpunkt für die erstmalige Austragung einer reinen Frauen-Klasse gewesen?
Entsprechend bilanzierte Wolfgang Blatt als Vorsitzender des MCC am späten Nachmittag: „Es war sportlich ein wirklich toller Tag.“ Was seine Stimmung sichtlich trübte war jedoch die Zuschauerresonanz. 2100 zahlende Besucher waren weniger als die Hälfte des Vorjahres. „Das tut mir ein bisschen weh und ist für uns als Verein natürlich nicht zuträglich“, sagte Blatt und dachte dabei an das Finanzielle ebenso wie an die vielen, vielen im Vorfeld geleisteten Arbeitsstunden der unzähligen ehrenamtlichen Helfer.
Frauen-Premiere ist fest in internationaler Hand
Die Austragung der Frauen-Klasse war bei ihrem Debüt fest in der Hand der WM-erfahrenen Starterinnen aus dem Ausland. Die Niederländerin Danée Gelissen benötigte nach ihrem Wechsel von Yamaha zu Husqvarna keine Anlaufzeit mit der neuen Maschine, fuhr im Training wie in beiden Rennen jeweils die Bestzeit und gewann die Läufe mit 42 Sekunden respektive 24 Sekunden Vorsprung.

„Ich fühle mich gut auf dem neuen Bike und hatte einfach viel Spaß auf dieser Strecke“, sagte die 19-Jährige freudestrahlend. „Es war ein rundum gelungener Sonntag für mich.“ Im Verfolgerfeld lieferten sich die Österreicherin Elena Kapsamer und Laura Raunkjær aus Dänemark ein enges Duell, aus dem einmal die Dänin und einmal Kapsamer als Siegerin hervorgingen.
Wenig Training, viel Erfolg: Carmen Allinger ist zufrieden
Beste Deutsche in beiden Rennen war Carmen Allinger vom Team Enduro Koch als jeweils Sechste. Die Husqvarna-Pilotin aus Brackenheim hatte sich zweimal von Startplatz neun nach vorne gearbeitet und konnte anschließend bestens mit ihrem Abschneiden leben. „Ich bin schon zehn Monate kein richtiges Cross mehr gefahren, sondern war mit der Enduro-Maschine für die deutsche Meisterschaft in zwei Wochen unterwegs. Von daher bin ich zufrieden.“
Die 28-Jährige war in den vergangenen Jahren in der MX2-Klasse mitgefahren und sieht die neue Frauen-Wertung als Gewinn. „Es hat Spaß gemacht und war cool, mal vorne mit dabei zu sein. Die Klasse kann gerne im Programm bleiben“, sagte Allinger mit einem Lachen.

Kräftezehrende Aufholjagd: Leo Paukovic sieht noch Verbesserungspotenzial
Für einen anderen Fahrer aus der Region lief es in der MX2 (bis 250 ccm) hingegen nicht ganz so gut. Der Öhringer Leo Paukovic war in der ersten Kurve des ersten Laufs gleich in einen Sturz mit zwei Kontrahenten verwickelt und rutschte von Startplatz 15 bis ans Ende des 36er-Fahrerfeldes. Anschließend arbeitete sich der 20-Jährige wieder auf Rang 19 vor, „doch das kostet natürlich extrem viel Kraft“, sagte Paukovic, der seit September vergangenen Jahres nur Supercross gefahren war und entsprechend trainiert hatte. Den Unterschied zwischen den dortigen zehnminütigen Rennen und der jeweils fast halbstündigen Intensität bei den WMX-Läufen in Frankenbach machte sich bemerkbar. „Entsprechend war nach 15 bis 20 Minuten etwas die Luft raus“, sagte Paukovic.
Im zweiten Lauf fuhr der Kawasaki-Pilot als Zehnter durch die erste Kurve und wurde am Ende 16. „Mein Ziel war es, in die Top zehn zu fahren. Der Speed dazu ist auf jeden Fall da, so dass wir das Positive mitnehmen und bis zum Start der deutschen Meisterschaft im April einfach noch mehr Zeit auf dem Motorrad verbringen müssen“, sagte Leo Paukovic nach seinem zweiten WMX-Start, bei dem es in der Endabrechnung zu Rang 18 reichte.
MX-Masters-Champion Roan van de Moosdijk gewinnt auch 51. WMX
In der MX1-Klasse (bis 650 ccm) entschied der Vorjahreszweite Marcel Stauffer das erste Rennen souverän für sich, knüpfte daran am späten Nachmittag allerdings nicht mehr ganz an. Stattdessen gelang MX-Masters-Champion Roan van de Moosdijk („Ich habe es genossen, hier das erste Mal zu fahren.“) im zweiten Lauf eine Aufholjagd bis an die Spitze.
Stauffer verpasste dadurch erneut den Gesamtsieg, nahm es aber sportlich und fand lobende Worte für die Strecke in Frankenbach, die „wirklich enges Racing“ ermögliche – und durchaus noch ein paar Zuschauer mehr verdient hätte.
Ergebnisse 51. Internationales Winter-Motocross
Klasse MX1 (34 Starter)
1. Roan van de Moosdijk (Eindhoven/Niederlande/Kosak Racing Team/KTM); 2. Platz/1. Platz, 47 Punkte.
2. Marcel Stauffer (Nußdorf/Österreich/Osicka MX Team/KTM), 1. Platz/4. Platz, 43 Punkte.
3. Noah Ludwig (Aschersleben/Deutschland/KTM Sarholz Racing Team/KTM), 3. Platz/2. Platz, 42 Punkte.
Klasse MX2 (39 Starter)
1. Lyonel Reichl (Frümsen/Liechtenstein/KTM Sarholz Racing Team/KTM), 1. Platz/2. Platz, 47 Punkte.
2. Mads Fredsøe (Odense/Dänemark/CAT Moto Bauerschmidt KTM), 4. Platz/1. Platz, 43 Punkte.
3. Nicolai Skovbjerg (Padborg/Dänemark/MX-Handel Husqvarna Racing/Husqvarna), 2. Platz/3. Platz, 42 Punkte.
Frauen-Klasse (24 Starterinnen)
1. Danée Gelissen (Stein/Niederlande/–/Husqvarna), 1. Platz/1. Platz, 50 Punkte.
2. Elena Kapsamer (Schwanenstadt/Österreich/Becker Racing/KTM), 3. Platz/2. Platz, 42 Punkte.
3. Laura Raunkjær (Roskilde/Dänemark/Meuwissen Motorsports-MX Academy-Honda/Honda), 2. Platz/3. Platz, 42 Punkte.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare