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Tennis-Bundestrainer Kohlmann über Heilbronner Neckar-Cup: "Zwei, die weit kommen können."

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Tennis-Bundestrainer Michael Kohlmann spricht über das Starterfeld beim Neckar-Cup in Heilbronn, seine Wildcard-Kandidaten und die deutsche Turnierlandschaft.

 Foto: Veigel, Andreas

Das ist großes Tennis: Am Sonntag beginnt der 10. Heilbronner Neckar-Cup. Es ist ein besonderes Turnier für die deutschen Profis und den Deutschen Tennis Bund, wie Bundestrainer Michael Kohlmann im Interview erklärt.

Wie beurteilen Sie die Meldeliste des Neckar-Cups?

Michael Kohlmann: Das Feld ist gut, da sind viele interessante Spieler dabei. Zum Beispiel der Inder Sumit Nagal, der vor zwei Jahren schon einmal in Heilbronn dabei war, die Qualifikation gewonnen hat. Und Luca Van Assche, eines der höchstgehandelten Talente der Franzosen, sowie sein schon etwas älterer Landsmann Benoit Paire sorgen für eine gute Mischung. Aber ein Challenger in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers ist immer so eine Sache: Die Frage ist, wie viele der gemeldeten Profis am Ende wirklich aufschlagen werden.

Das gilt auch für Sie, oder?

Kohlmann: Ja, das hängt damit zusammen, wie es hier in Paris bei den deutschen Männern läuft. Ich habe Heilbronn auf jeden Fall wie immer auf meiner Liste − auch wenn, wie im Vorjahr, parallel in Ludwigshafen die deutschen Jugendmeisterschaften stattfinden.

Wie sehen Sie die Chancen der für den Neckar-Cup gemeldeten deutschen Profis?

Kohlmann: Wir haben mit Rudi Molleker und Maximilian Marterer zwei, die definitiv weit kommen können. Und Henri Squire wird dabei sein. Vielleicht kann er den Schwung der erfolgreichen Qualifikation und des Erstrundensiegs von Paris mitnehmen und bei größeren Challengern nun punkten. Damit würde er in der Weltrangliste einen wichtigen Satz nach oben machen.

In der Top 100 stehen fünf Deutsche − das ist gut. Bis Position 300 sind es aber nur sechs weitere. Der Altersschnitt dieser elf Spieler liegt bei fast 28 Jahren, Molleker und Squire sind mit 23 die Jüngsten von ihnen − wie steht es um den Nachwuchs?

Kohlmann: Ich bin bei Ihnen: Die reine Anzahl an Spielern zwischen den Plätzen 100 bis 300 müsste größer sein, da haben wir Aufholbedarf, da will ich auch nichts schönreden. Aber was mich sehr positiv stimmt, sind die vergangenen Wochen. Wir hatten beispielsweise bei den Australian Open im Januar zum allerersten Mal bei den Junioren fünf Spieler im Hauptfeld. Das ist ein Fingerzeig.

Zwei von ihnen haben sich auch im Anschluss hervorgetan.

Kohlmann: Justin Engel hat an Pfingsten aus der Qualifikation heraus ein Future-Turnier gewonnen − mit 16 Jahren. Und beim Challenger vergangene Woche in Augsburg hat sich der 16-jährige Diego Dedura-Palomero fürs Hauptfeld qualifiziert und eine Runde gewonnen. Ich glaube, dass wir jetzt eine große Menge an Spielern mit einer sehr starken Spitze haben, die von unten so nachdrücken, dass man das in den nächsten Jahren deutlich merken wird.

Wem geben Sie die beiden Wildcards fürs Hauptfeld von Heilbronn?

Kohlmann: Mit Blick auf die vergangenen Challenger ist es kein Geheimnis, in welche Richtung ich tendiere: Wir haben mit Marko Topo und Max Rehberg zwei 20-Jährige, die das Potenzial haben, in den angesprochenen Bereich vorzustoßen. Nur hat sich Max vor ein paar Wochen einen Bänderriss zugezogen, und auch Marko verletzte sich beim ATP-Turnier in München, knickte um. Sein erstes Match nach dem Bänderriss hat er in Augsburg verloren. Ich möchte noch ein bisschen abwarten − auch wie das Juniorenfeld der French Open aussieht.

Was ist mit Oscar Otte?

Kohlmann: Oscar war lange verletzt, hat in Augsburg leider in der ersten Runde verloren. Er hat das Potenzial, wieder oben reinzustoßen und auch schon die eine oder andere Wildcard von mir bekommen. Ich glaube, dass er generell Matches braucht und ihm auch mal ein Qualifikationsmatch ganz guttut. Turnierdirektor Metehan Cebeci hat ja auch noch eine Wildcard. Ich weiß nicht, was er mit der vorhat.

Er möchte grundsätzlich auf einen großen Namen warten, und schauen, wer in Paris früh ausscheidet.

Kohlmann: Falls sie früh verlieren sollten, könnten da eventuell Daniel Altmaier oder Yannick Hanfmann interessant werden. Denn die Heilbronn-Woche ist die letzte Woche, die noch für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen zählt.

Welche deutschen Profis sind, Stand jetzt, bei den Spielen in Paris dabei?

Kohlmann: Alexander Zverev und Jan-Lennard Struff. Sehr, sehr gute Chancen hat Dominik Koepfer. Pro Land dürfen maximal vier Einzelspieler mitspielen − das hängt von der Weltranglistenplatzierung ab. Für Daniel Altmaier, Yannick Hanfmann und Maxi Marterer könnte es auch noch reichen. Sie müssten dafür allerdings jetzt bei den French Open richtig weit kommen − beziehungsweise nächste Woche eigentlich ein Challenger wie den Neckar-Cup gewinnen.

 Foto: nicht angegeben

Dass der Sieger beim Neckar-Cup diesmal wieder 100 und nicht wie im Vorjahr 125 Punkte für den Sieg bekommt, ist kein großer Unterschied, aber ein Rückschritt. Ist die Tendenz alarmierend?

Kohlmann: Es ist natürlich schön für den Deutschen Tennis Bund, wenn wir große Turniere, auch große Challenger im Land haben. Je mehr Turniere es sind, umso mehr Möglichkeiten kann man den eigenen Spielern geben, sich in der Weltrangliste hochzuspielen. Deswegen ist es nicht gut, dass wir dieses Jahr die Challenger in Troisdorf und Meerbusch verloren haben. Eventuell kommt auch noch Ismaning hinzu. Auf dieser Turnierebene hatten wir immer Wellenbewegungen. Aber drei Challenger weniger, das wäre für uns als Tennisland keine gute Entwicklung. Deshalb bin ich jetzt erst einmal froh, dass Heilbronn weiter stattfindet.

Zumal der Neckar-Cup runden Geburtstag feiert: Er wird zehn.

Kohlmann: Auch in Braunschweig wird gefeiert: Das Turnier gibt es im Juli zum 30. Mal. Das sind unsere beiden Leuchtturm-Challenger. Wir sind als Verband sehr dankbar, dass wir sie haben. Wir wollen die Organisatoren und Turnierveranstalter bestmöglich unterstützen, damit wir wieder eine größere Turnierlandschaft bekommen. Der Ansatz muss ja sein, dass wir unseren Spielern über das gesamte Jahr Möglichkeiten geben, sich mit der internationalen Klasse zu messen und in der Rangliste zu verbessern.

Zur Person

Michael Kohlmann ist seit 2015 Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams und seit 2020 "Head of Men"s Tennis" im Deutschen Tennis Bund (DTB). Der 50-Jährige ist verheiratet und hat zwei Töchter.

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