Heilbronn Reds bleiben ihrem Drehbuch der Vorsaison treu
Regionalliga-Basketballer der TSG Heilbronn mühen sich im ersten Saison-Heimspiel gegen die Tigers Tübingen zum Sieg. Trainer und Spieler blicken selbstkritisch auf die Partie und den Saisonstart.

Sie können es nicht anders, auch wenn sie es manchmal gerne anders wollten. Heimspiele der TSG Heilbronn Reds sind keine seichte Unterhaltung und kein hintergründiges Nebengeräusch zum Entspannen. Basketball beim Heilbronner Regionalligisten ist Krimi, ist Action, ist Rock ‘n’ Roll. In der Vorsaison wie auch beim Heimspiel-Auftakt am vergangenen Sonntag.
Vor 375 Zuschauern in einer beinahe restlos gefüllten Mörike-Sporthalle machte es die Mannschaft von Spielertrainer Goran Mijic gegen die SV 03 Tigers Tübingen einmal mehr lange spannend – um am Ende aber, wie so oft, dann doch die Oberhand zu behalten.
"Komische" Partie erfordert nachträgliche Aufbereitung
Der 69:63 (32:31)-Erfolg war zwar letztlich verdient, aber zuvor äußerst hart erarbeitet. Es ruckelte und es knirschte zeitweise auch noch im dritten Saisonspiel der Gastgeber, die sich in den entscheidenden Phasen aber auf die individuellen Qualitäten ihrer wichtigsten Spieler verlassen konnten.
„Es ist irgendwie komisch“, sagte Goran Mijic in seiner ersten Reaktion nach dem engen Schlagabtausch. „Wir haben eigentlich eine erfahrene Mannschaft und hatten Tübingen auch sehr genau analysiert, machen aber trotzdem zu viele Fehler.“ Die Details wolle er sich in den nächsten Tagen noch einmal im Video-Studium genauer anschauen.
Heilbronn Reds kommen stark aus der Kabine
Einzig in den ersten fünf Minuten nach der Halbzeit schimmerte bei einem 7:0-Lauf durch, zu was die Heilbronner in ihrem dritten Regionalliga-Jahr im Stande sind: Center Simon Schmitz blockte am eigenen und dunkte in den Tübinger Korb, Aufbauspieler Nils Maisel überzeugte mit klugen Pässen und einer Ball-Eroberung in der gegnerischen Hälfte und Stefan Vasovic legte den Ball per Korbleger gefühlvoll durch den Ring.
In diesen Szenen stimmte, was Mijic für viele andere kritisierte: „Die Qualität unserer Entscheidungen war schlecht. Das ist aber eine Sache, die wir nicht trainieren können, sondern die wir im Kopf ändern müssen.“
Goran Mijic ist froh, aber nur bedingt zufrieden
Auch Denis Schnakenberg sagte: „Es waren die Fehler im Kopf, die es uns schwer gemacht haben.“ Der 21-Jährige mit den frisch blondierten Haaren und dem wie gewohnt hochgekrempelten linken Hosenbein gehörte am Sonntag zu den konstantesten Reds-Akteuren, auch wenn er im Nachgang eine Verbesserung genau jener Konstanz anmahnte.
„Die Freude über den Erfolg ist noch gar nicht so groß, weil man das Gefühl hat, dass wir das Spiel wegen unserer individuellen Qualität und nicht wegen einer Mannschaftsleistung gewonnen haben“, sagte Schnakenberg. Er skizzierte damit indirekt auch die Ansprüche, die die Reds inzwischen an sich selbst haben. „Wenn wir gewinnen, kann ich den Jungs aber keinen Vorwurf machen“, betonte Goran Mijic, „es gibt aber Elemente, die wir verbessern müssen“.
Der Spielertrainer war selbst derjenige gewesen, der nach seiner Einwechslung in der siebten Minute jene Energie in die Mannschaft brachte, die er immer wieder von ihr einfordert. Nach verlegten Korbleger-Versuchen, Fehlpässen und einem 0:7-Start kamen die Gastgeber so überhaupt erst ins Spiel.
Tigers Tübingen lassen sich nicht abschütteln
Auch wenn die Fehlerquote hoch blieb, verteidigten die Reds im weiteren Spielverlauf meist einen knappen Vorsprung, den sie in ihrer guten Phase nach Wiederbeginn auf bis zu zehn Punkte ausbauten. Die Tübinger Gäste, Absteiger aus der 1. Regionalliga, ließen sich allerdings zu keiner Zeit abschütteln und entschieden das zweite und dritte Viertel knapp für sich.
Auf die gute Phase der Reds nach der Pause folgten vier schnelle Tigers-Punkte, so dass sich Mijic zu zwei Auszeiten in kurzer Folge gezwungen sah. Er selbst wie auch der eigentlich verlässliche Themistoklis Koupidis wirkten auf dem Feld unglücklich, oft passte die vom Spielertrainer selbst angesprochene Entscheidungsfindung nicht.
„Es waren die Fehler im Kopf, die es uns schwer gemacht haben.“
Denis Schnakenberg
„Vielleicht müssen wir auch einfach schauen, ob das, was wir bislang gezeigt haben, unser aktuelles Maximum ist“, sagte Mijic mit Blick auf den auf dem Papier ordentlichen, aber spielerisch noch ausbaufähigen Saisonstart mit zwei Siegen und einer Niederlage. Worte, die vor allem als Ansporn an seine Mannschaft zu verstehen sein dürften.
Individuelle Qualität macht in der Schlussphase den Unterschied
Dass die Reds das Schlussviertel mit 16:10 und dadurch auch die gesamte Partie gewannen, obwohl sich die Tigers Tübingen in den letzten zehn Minuten früh einen Fünf-Punkte-Vorsprung erspielt hatten, lag schließlich an der Cleverness eines Nils Maisel, an Stefan Vasovics Freiwurf-Treffer und einer späten Balleroberung von Vedran Milicevic, die einen Dreier der Gäste und damit eine mögliche Verlängerung vorzeitig verhinderte.
Mit ihren vier Punkten aus drei Spielen bilden die Heilbronn Reds in der Tabelle nun das Ende einer großen Verfolgergruppe der PS Karlsruhe Lions II, die als einziges Team mit 6:0 Punkten noch ungeschlagen sind. Mit der Start-Bilanz könne er leben, sagte Goran Mijic, an den Leistungen gelte es aber noch zu arbeiten.
TSG Heilbronn Reds: Schnakenberg (10), Vasovic (8), Koupidis (8), Schmitz (13), Maisel (12); Eleftheriadis, Klein (2), Maurer, Petke, Cibula (2), Milicevic (14), Mijic.
Schiedsrichter: Thomas Dengler/Hermann Kolbe.
Zuschauer: 375.
Reds haben Heimspiel-Rahmenprogramm ausgebaut
Rund um das erste Saison-Heimspiel haben sich die Heilbronn Reds einige Neuerungen für das Rahmenprogramm in der Mörike-Sporthalle einfallen lassen. Ab sofort gibt es vier Sitzplätze in Liegestühlen direkt am Spielfeldrand zu gewinnen sowie eine Auswahl an Fan-Artikeln in der Halle zu kaufen.
Licht- und Nebel-Effekte bei der Vorstellung der Mannschaft und der Half-court Shot in der Halbzeit sind ebenso weiter dabei wie Zdravko Marjanovic als Hallensprecher und DJ. Neu ist der kommentierte Livestream, durch den die Reds-Partien auf YouTube verfolgt werden können.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare