Neue Eishalle für Heilbronn: Diese Anforderungen stellen HEC und Stadt
Die Eishalle am Europaplatz soll in den nächsten Jahren der geplanten Erweiterung des Bildungscampus weichen. Deshalb steht seit geraumer Zeit ein Neubau im Raum.
Noch gibt es weder konkrete Beschlüsse, einen festen Zeitplan oder einen öffentlich bekannt gewordenen Bauplatz. Doch klar ist, dass eine neue Eishalle in Heilbronn gebaut wird. Denn die alte Wettkampf- und Trainingsstätte weicht dem Ausbau des Bildungscampus - wie auch das Rollsportstadion und das Hallenbad Soleo. Das geht aber erst, wenn eine neue Halle steht.
Neue Eishalle in Heilbronn geplant: Der Bedarf ist groß - aktuell zu groß für die bestehende Infrastruktur
Doch wie sollte diese aussehen, um den Bedarf zu erfüllen? Darüber haben sich auch die Vorstände des Heilbronner Eishockeyclubs (HEC), Kai Sellers und Jan Hey, Gedanken gemacht. Auch wenn sie aktuell damit beschäftigt sind, den Profibereich wieder neu aufzubauen.

Klar ist: Eine neue Eishalle wäre eine Investition für Jahrzehnte. Entsprechend wichtig ist es, nicht nur den aktuellen Bedarf zu abzudecken, sondern auch zukünftige Entwicklungen mitzubedenken – etwa eine mögliche sportliche Weiterentwicklung bis hin zur höchsten Spielklasse.
HEC-Verantwortliche fordern nachhaltige Planung mit Blick auf sportliche Entwicklung und Zukunft
Einen Austausch der HEC-Verantwortlichen mit der Stadt Heilbronn gab es bisher noch nicht. „Ich denke, wenn es akut wird, werden sie auf uns zukommen. Das wurde uns zumindest signalisiert“, sagt Kai Sellers. Der geplante Neubau scheint jedenfalls eine historische Chance zu sein und sollte sorgfältig geplant werden, damit er in zwanzig Jahren nicht bereits wieder zum alten Eisen gehört.
Doch die Anforderungen sind hoch. Die Halle muss dem Nachwuchs, dem Breiten- und Profisport ebenso gerecht werden wie den Bedürfnissen der Öffentlichkeit.

Wartelisten und Ausfälle zeigen Engpässe bei Eiszeiten und Angeboten für Kinder und Freizeit
Denn gerade der Publikumslauf oder die Eisdisco sind wichtige Einnahmequellen für den Verein. Dazu kommen Kindergarten- oder Schulprojekte. Und genau diese fallen oftmals aus, weil die Kapazitätsgrenze erreicht ist. Projekte für Kinder und Jugendliche stoßen bereits heute an ihre Grenzen. Die Wartelisten für betreute Eiszeiten sind lang, zusätzliche Angebote kaum realisierbar.
Auch der öffentliche Lauf leidet unter der dichten Belegung – spontane Formate wie ein „After-Work-Skaten“ sind derzeit schlicht nicht möglich. Eine Überlegung ist es zudem, neue Märkte zu erschließen.
Eine zweite Eisfläche ist aus Sicht der HEC-Verantwortichen essentiell
„Essenziell ist deshalb, dass es eine zweite Eisfläche gibt. Wir wären auch bereit, dazu einen Beitrag zu leisten, soweit dies für den Club möglich ist. Wir wollen uns beteiligen und nicht nur nehmen“, sagt Kai Sellers. Nur so lassen sich zukünftige parallele Nutzungen ermöglichen. Während auf der einen Fläche Training oder Wettkampf stattfindet, kann auf der anderen der öffentliche Lauf, Schulsport oder Nachwuchstraining angeboten werden.
Ohne diese zweite Fläche, so die klare Einschätzung, wäre der Betrieb weiterhin eingeschränkt – und das enorme Entwicklungspotenzial bliebe ungenutzt. Auch eine Weiterentwicklung des Standorts Heilbronn wäre enorm schwierig.
Kabinen, Flächen für Gastronomie und Vip-Raum sollen großzügig bedacht werden
„Zur zweiten Eisfläche gehören auch genügend Kabinen“, fügt Jan Hey hinzu, der von zwölf Umkleideräumen spricht, die von beiden Flächen erreichbar sein sollten. Wichtig sind auch Abstellräume oder allgemein genügend Stauraum. Diese sind in der aktuellen Arena knapp bemessen. „Für den Profibereich ist das vielleicht nicht so wichtig, dafür aber für den Nachwuchs und den allgemeinen Betrieb“, sagt Hey, der in diesem Zug auch auf richtige Wege für die Gastronomie, einen großzügig dimensionierten Vip-Raum sowie eine durchdachte Infrastruktur verweist. Denn es gilt auch, die Aufenthaltsqualität für die Zuschauer zu verbessern.
Wichtig seien aber auch ein Kraftraum – insbesondere für das Nachwuchstraining, sagt Jan Hey.
Zuschauer-Kapazität sollte perspektivisch aber auch mit Augenmaß bemessen werden
Auch bei der Zuschauerkapazität plädieren die Verantwortlichen für Augenmaß: Eine Arena mit etwa 3.500 bis 4.500 Plätzen gilt als realistisch und auch zukunftsfähig. Zum Großteil Sitzplätze. „Sie sollte schon eine Größe haben, die für die DEL2 geeignet ist, aber auch die Perspektive bieten, mal auf die DEL richten zu können“, sagen Sellers und Hey. Dies sind zwar Zukunftsvisionen, sollten aber mit einbezogen werden.
Ein weiterer Wunsch: Nähe zum Spiel. Statt steriler Großarena wünschen sich viele eine Halle mit Atmosphäre – in der die Zuschauer das Spiel intensiv erleben. Eine kompakte Bauweise mit guter Akustik und Sicht wird dabei als wichtiger Faktor genannt.
Erschließung neuer Märkte
Neben dem klassischen Eishockey sehen die Beteiligten auch Potenzial in ergänzenden Angeboten: Eisstockschießen als Eventformat, Curling, Firmen- und Freizeitangebote sowie internationale Spiele oder Turniere. Gerade solche zusätzlichen Nutzungen könnten helfen, die Halle wirtschaftlich stabil zu betreiben und neue Zielgruppen zu erschließen. Und auch dafür wäre eine zweite Eisfläche fast alternativlos.
Was Standort und Zeitplan anbelangt, ist vieles noch offen. Beim Standort kursieren verschiedene Ideen – etwa rund um das Landliebe-Werk auf dem ehemaligen Campina-Areal. Im Februar ist bekannt geworden, dass die Schwarz-Gruppe das Grundstück des Heilbronner Landliebe-Werks vom bayerischen Molkereiriesen Theo Müller gekauft hat. Das Grundstück soll Mitte 2027 an Schwarz übergeben werden.

Schwarz-Gruppe hat Grundstück des Landliebe-Werks gekauft
Wird dort die neue Eishalle gebaut? Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel hat bereits vor einigen Wochen gesagt: „Wir sind in der Prüfung mehrerer möglicher Standorte für ein neues Eisstadion. Ich hoffe, dass wir im zweiten Quartal ein gutes Ergebnis auf dem Tisch haben. Davor über einzelne Standorte zu spekulieren halte ich für kontraproduktiv.“
Auch ein möglicher Zeitrahmen bleibt vage. In Gesprächen wird immer wieder das Jahr 2030 genannt, doch konkrete Beschlüsse stehen noch aus. Beobachter gehen davon aus, dass grundlegende Entscheidungen im Laufe des Jahres 2026 getroffen werden könnten.
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