Chancenlos, aber mit Anstand: TSV Weinsberg bringt unangenehme Auswärtshürde hinter sich
Handball-Regionalligist TSV Weinsberg wehrt sich zum Rückrunden-Auftakt bei Spitzenreiter SG Köndringen/Teningen nach Kräften, ist aber dennoch meist in der Zuschauerrolle.

Teuer verkauft, bis zum Schluss gekämpft und am Ende erhobenen Hauptes die Heimreise angetreten – viel mehr war nicht zu erwarten gewesen und viel mehr war für den TSV Weinsberg bei seinem Start ins (Handball-)Jahr 2025 auch nicht möglich. Zu abgezockt, zu routiniert, zu souverän war die SG Köndringen/Teningen am Samstagabend in der eigenen Ludwig-Jahn-Halle.
Auch wenn es in einigen Spielphasen aussah, als würde sich der TSV eine böse Packung einfangen, zog sich die Mannschaft von Trainer Edin Hadzimuhamedovic beim 30:39 (14:22) gegen den verlustpunktfreien Spitzenreiter der Regionalliga Baden-Württemberg letztlich doch noch achtbar aus der Affäre.
Hadzimuhamedovic verbleibt mit der kämpferischen Leistung aus Hälfte zwei
„Mit der ersten Halbzeit war ich nicht zufrieden, und das habe ich den Jungs in der Kabine auch gesagt. Wir verschießen sehr viele freie Bälle und haben gar keine Abwehr gespielt, das war nicht okay“, sagte Trainer Hadzimuhamedovic über die teils wilden ersten 30 Minuten. Mit den zweiten sei er hingegen angesichts des Kampfgeistes seiner Mannschaft „mehr als einverstanden“.
Der Rückrunden-Auftakt war für die Weinsberger vom Start weg ein undankbares Unterfangen. Die ersten vier eigenen Angriffe endeten torlos, und Clement Gaudin, der Schlussmann der Gastgeber, zeichnete sich gleich zweimal mit Paraden aus. Damit war die Marschroute vorgegeben und der TSV im Hintertreffen. Die junge Weinsberger Mannschaft ließ sich zwar nicht aus der Reserve locken, doch selbst Druck ausüben konnte sie auch nicht.
„Deren Spielmacher ist 30 Jahre alt und mein Mittelmann 18 – diese zwölf Jahre Erfahrung machst du nicht in zweimal 30 Minuten wett.“
Edin Hadzimuhamedovic
Edin Hadzimuhamedovic versuchte es mit einem siebten Feldspieler, tauschte Schlussmann Stefan Koppmeier für Nicolas Koch aus und ließ mit einer sehr offensiven 4:2-Deckung verteidigen. „Wenn wir gegen eine Mannschaft, die uns individuell im Moment einfach deutlich überlegen ist, ganz normalen Standard-Handball spielen, dann verlieren wir auch sehr deutlich“, erklärte Edin Hadzimuhamedovic seine taktischen Überlegungen, die jedoch nur bedingt fruchteten. Auch, weil in Hälfte eins selten alle 14 Spieler auf dem Feld standen.
Pascal Bührer als Denker und Lenker der SG Köndringen/Teningen
Als die SG Köndringen/Teningen nach 20 Minuten zwei Phasen in doppelter Unterzahl überstanden hatte, lief der Motor der Badener langsam heiß: In der 28. Minute blieb der erste Kempa-Versuch beim Stand von 20:12 noch ohne Erfolg, später vollendete der agile Maximilian Endres dann die Vorlage von Pascal Bührer zum 31:21 (41.).
Überhaupt Pascal Bührer... Wie der Spielmacher der SG, einst Drittliga-Torschützenkönig und Bundesliga-Spieler bei den Eulen Ludwigshafen, mit seiner Übersicht und seinen Anspielen Lücken riss und Mitspieler in Szene setzte, hatte wahrlich nichts mit Regionalliga-Handball zu tun. „Deren Spielmacher ist 30 Jahre alt und mein Mittelmann 18 – diese zwölf Jahre Erfahrung machst du nicht in zweimal 30 Minuten wett“, räumte Edin Hadzimuhamedovic unumwunden ein.
Hadzimuhamedovic und Kandic sorgen für wichtige Tore
Seine Mannschaft, die in Hälfte eins zu fahrlässig mit den Chancen umgegangen war und von der Siebenmeter-Linie drei Versuche vergeben hatte, lebte von Alen Hadzimuhamedovic’ ansatzlosen Rückraum-Würfen und der Physis Din Kandic’, der es am Kreis immer wieder verstand, sich gegen den robusten Innenblock der Gastgeber zu behaupten. „Ein ganz arg tolles Spiel“ attestierte Hadzimuhamedovic seinem Kapitän Kandic und sprach ein Extralob für den mit 24 Jahren Ältesten im Team aus.
Abwehrstarker Tim Titzmann, Kurzarbeiter Maximilian Zeisler
Kandic gehörte zu jenem Spieler-Quartett, dass sich erkältungsbedingt durch die Trainingswoche geschleppt hatte und entsprechend angeschlagen ins Spiel gegangen war. Auch Tim Titzmann zählte dazu, der offensiv blass blieb, aber einen guten Abwehr-Part spielte. Nur rund 24 Minuten stand Maximilian Zeisler auf der Platte. Der 20-Jährige beendete seinen Arbeitstag in einem Tempogegenstoß der Gastgeber mit einem ebenso dummen wie unnötigen Schubser gegen Maximilian Endres selbst. Eine Rote Karte und viel Frust waren die Folge.
Es blieb in der Ludwig-Jahn-Halle genügend Zeit für den Blick auf die Einzelnen, weil das Duell der beiden Mannschaften allerspätestens nach 25 Minuten bei 18:11 für die Gastgeber entschieden war. Nach der Pause unterhielt der Tabellenführer die rund 300 Zuschauer noch mit der einen oder anderen Trick-Einlage, doch die Weinsberger ließen sich nicht beeindrucken und verkürzten nach einem zwischenzeitlichen Elf-Tore-Rückstand noch einmal auf 30:37. Mehr war nicht mehr drin.
TSV Weinsberg: Koppmeier; Koch – Zeisler (1), Titzmann, Kandic (9), Ehrlich (5), A. Hadzimuhamedovic (6/1), Weber; Brodmann (4), Schuster (2), Magdic, Köhler, Mühlegg (1), Schrempf (2), Pröllochs, Schmitt.
Erfolgreichster Werfer SG Köndringen/Teningen: Maurice Bührer (8/3).
Schiedsrichter: Sven Beck/Fabian Hochstuhl.
Siebenmeter: SG Köndringen/Teningen: 3/4; TSV Weinsberg: 1/4.
Zeitstrafen: 7/7.
Disqualifikation: Maximilian Zeisler (TSV Weinsberg/24.).
Zuschauer: 300.
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