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Einfach ist anders: Die Auf- und Abstiegsregelungen in den Handball-Ligen des Landes 

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Ein Jahr vor dem endgültigen Zusammenschluss der bislang drei Baden-Württembergischen Handball-Verbände zu einem, mussten komplizierte Regelungen für die Übergangssaison getroffen werden. Ein Gang durchs Dickicht. 

Eigentlich ist Handball ja ganz einfach: der Ball muss ins Tor. Abseits des Spielfelds kann es aber schon einmal kompliziert werden.
Eigentlich ist Handball ja ganz einfach: der Ball muss ins Tor. Abseits des Spielfelds kann es aber schon einmal kompliziert werden.  Foto: P.Dziurman

Keine Frage, es ist ein kompliziertes Verfahren aus drei Landesverbänden in Baden-Württemberg einen zu generieren. Dieser Zusammenschluss des Württembergischen (HVW) mit dem Badischen (BHV) und dem Südbadischen Handballverband (SHV) zum Baden-Württembergischen Handball-Verband (BWHV) erfolgt am 1. Juli 2025. Der neue BWHV koordiniert dann alle Spielklassen zwischen vierter und siebter Liga. Die Auswirkungen betreffen bereits die gerade begonnene Spielzeit 2024/2025. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.


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Gibt es in der Übergangssaison 2024/2025 eine verschärfte Auf- und Abstiegsregelung?

Jein. Die wichtigste Neuerung ist, dass am Ende der Saison die Tabellenplätze definitiv entscheidend sind. Bedeutet: Wer auf einem Abstiegsplatz steht, steigt auch definitiv ab. Ein wochenlanges Warten auf die Ergebnisse aus höheren Spielklassen oder das Verstreichen von Meldungsfristen entfällt damit. „So schaffen wir früh Klarheit und Fakten, wie es sich die Vereine gewünscht haben“, sagt Michael Roll als Vorsitzender für Spieltechnik im HVW.

Wer sich vorzeitig zurückzieht und damit am Grünen Tisch absteigt, verringert künftig nicht mehr die Zahl der sportlichen Absteiger, sondern erhöht die Zahl der Aufsteiger aus den unteren Ligen. Freie Plätze in den Ligen werden immer „von unten nach oben“ aufgefüllt. Wer freiwillig absteigt, muss wieder ganz unten in der Ligenpyramide beginnen.


Was hat es mit den am Saisonende aufgestellten Rankings auf sich?

Jeder der drei noch bestehenden Landesverbände erstellt am Saisonende ein Klassement, in dem alle seine Vereine nach ihrem sportlichen Abschneiden in der Saison 2024/2025 positioniert werden. An der Spitze stehen (falls vorhanden) die Absteiger aus der bereits gemeinsam geführten Regionalliga, dann folgen absteigend die Mannschaften aus den weiteren Ligen ab dem dritten Platz in der Oberliga (Meister und Vize der Oberliga steigen auf).

Anhand dieser Rankings ergibt sich dann verbandsübergreifend eine Rangliste, aus der die Aufsteiger in die neuen Ligen des BWHV ermittelt werden können. Die Verteilung erfolgt im Verhältnis 3:1:1 (HVW:BHV:SHV) bei den Männern und 4:1:1 bei den Frauen. Diese Aufschlüsselung ergebe sich zum einen aus der sportlichen Qualität, zum anderen aus der Zahl der Mannschaften im jeweiligen Verband, erklärt Michael Roll.


Welche Rolle kommt der viertklassigen Regionalliga Baden-Württemberg zu?

Die Anzahl der Absteiger aus der Regionalliga entscheidet darüber, wie sich die nachgeordneten Oberliga-, Verbandsliga- und Landesliga-Staffeln zusammensetzen. Für sein Zuständigkeitsgebiet hat der HVW auf seiner Internetseite eine Excel-Tabelle erstellt, die die Zusammensetzung der jeweiligen Ligen zur Saison 2025/2026 je nach Zahl der Regionalliga-Absteiger automatisch berechnet. Hier ist die Datei "Was wäre wenn!?" zu finden


Wie sieht die Ligenstruktur in der Saison 2025/2026 aus?

Die Spielklassen behalten alle ihre zu dieser Saison neu eingeführten Namen. Auf Verbandsebene wird es dann unterhalb der weiterhin vom DHB gesteuerten 3. Ligen eine Regionalliga Baden-Württemberg (Männer: 16 Mannschaften/Frauen: 12 Mannschaften), zwei Oberliga-Staffeln (je 14/je 12), vier Verbandsliga-Staffeln (je 14/je 12) und acht Landesliga-Staffeln (je 12/je 10) geben.


Wie macht sich die geplante Fusion beim Handballbezirk Heilbronn-Franken bemerkbar?

Bisher noch gar nicht, wie Heinz Nitsche als Bezirksvorsitzender berichtet. „Wichtig war vor allem, dass die Vereine vor dem Saisonstart wissen, wie die Auf- und Abstiegsregelung in dieser Saison funktioniert“, betont er. Kurz vor dem Saisonstart habe es aus den Vereinen noch keine negativen Rückmeldungen gegeben. Das bestätigt auch Michael Roll, nachdem er am vergangenen Mittwoch im Rahmen einer Online-Veranstaltung diverse Vereinsvertreter noch einmal über die Abstiegsregelungen informiert hatte.


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Welche Veränderungen gibt es oberhalb der Verbandsstruktur?

Unabhängig von der Strukturreform in Baden-Württemberg befindet sich auch die vom Deutschen Handballbund (DHB) koordinierte 3. Liga der Frauen durch die Umstrukturierungen im höherklassigen Frauen-Handball in einem Veränderungsprozess. Statt in fünf (2022/2023) und vier (2023/2024), wird in dieser Saison mit 36 Mannschaften in nur noch drei Staffeln à zwölf Teams gespielt. Es gibt bis zu drei Aufsteiger; je Staffel qualifizieren sich maximal zwei Mannschaften für die Aufstiegsrunde. Der Tabellenelfte und -zwölfte jeder Staffel steigt ab.


Was sagen betroffene Vereine?

„Wir wissen, dass wir mindestens Achter werden müssen, um sicher in der Oberliga zu bleiben“, ergibt sich für Fleins Trainer Rudolf Wagner eine klare Zielsetzung. In den Ligen darunter, ist die Situation diffuser. „Natürlich ist es nicht einfach, diese Regelungen zu treffen. Für mich ist das aber sehr undurchschaubar und nicht planbar“, sagt Ergin Toskic, Trainer des Landesligisten TSV Willsbach. Seine Lösung: „Einfach von Anfang an so viele Punkte wie möglich holen.“

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