Spieler der Heilbronner Falken zeigen sich nach letztem Heimspiel emotional
Personeller Aderlass, keine Playoffs und frühe Sommerpause: Die Heilbronner Falken haben turbulente Wochen erlebt. Diese lassen Spieler Revue passieren.
Einfach nur leer fühlt sich Niko Eronen nach dem letzten Heimspiel der Saison für die Heilbronner Falken am Sonntagabend gegen die Erding Gladiators. „Das war nicht das Ende, das wir mit diesem Team geplant hatten“, erklärt der Trainer des Unterländer Eishockey-Oberligisten. „Aber so endet nun mal unsere Geschichte in diesem Jahr.“
Aufgrund der Insolvenz endet die Spielzeit 2025/26 für die Heilbronner an diesem Freitag bei den Memmingen Indians. An den Playoffs, für die sie sich selbst nach Abzug der sechs Punkte aufgrund der Lizenzverweigerung im vergangenen Sommer sportlich souverän qualifiziert hätten, dürfen sie nicht teilnehmen.
Dass Heilbronner Falken keine Playoffs spielen dürfen, nagt an Spielern
Eine tiefe Enttäuschung hat sich auch in Corey Mapes breit gemacht. „Ich bin traurig“, erklärt der Verteidiger. „Wenn es wirklich das letzte Heimspiel gewesen wäre, wäre es arg, arg bitter.“ Der 33-Jährige hat eine besondere Beziehung zum Unterland. Er ist in Heilbronn geboren und hat sein Eishockey-Einmaleins beim Heilbronner EC erlernt, bevor ihn sein Weg über die Jugend der Bietigheim Steelers und der Adler Mannheim bis in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) geführt hat.
Dass den Falken die Teilnahme an den Playoffs untersagt ist, nagt an Gunars Skvorcovs. „Das ist das Traurigste. Auf die Playoffs arbeitet jeder Eishockeyspieler hin“, berichtet der lettische Stürmer. Auch Thore Weyrauch blies schon kurz vor seinem Wechsel ins gleiche Horn. „Man kommt als Spieler nicht nach Heilbronn wegen des Geldes. Man kommt hierher, um Erfolge zu feiern. Und das haben uns die Verantwortlichen in dieser Saison weggenommen“, sagte 27 Jahre alte Stürmer, der in der Zwischenzeit für die Wölfe Freiburg in der DEL2 aufläuft.

Ein komisches Gefühl: Mit früher Sommerpause fremdeln Falken etwas
Dass bereits ab Samstag Sommerpause ist, haben die Spieler noch nicht wirklich realisiert. „Es ist ein komisches Gefühl“, erzählt Mapes. „Aber durch die Insolvenz und die ganze Unruhe war es ein mental schweres Jahr. Insofern mal etwas früher abzuschalten ist vielleicht nicht verkehrt.“ Das sieht auch Skvorcovs so. „Die letzten Monate waren mental anstrengend. Wenn das Gehalt nicht pünktlich kommt, macht man sich seine Gedanken“, erklärt der 36-Jährige, der zudem lange an einem Sehnenriss im Oberschenkel laborierte. Er ist als Alleinverdiener mit Frau und Tochter besonders auf ein regelmäßiges Einkommen angewiesen. Dass Geld zu spät überwiesen wurde, „war definitiv nichts, mit dem man sich rumschlagen will“, erklärt Spencer Berry. „Aber wirklich schlimm war es nicht. Das Geld kam nie wirklich extrem spät.“
Konkrete Pläne für die nächsten Wochen hat aber noch kaum einer. „Ich habe keine Eile, Heilbronn zu verlassen“, erzählt Berry. Der deutsch-kanadische Verteidiger wird sich erst mal seine Zähne richten lassen. Ihm wurde in dieser Saison ein Schneidezahn ausgeschlagen. Auch Skvorcovs will mit seiner Familie noch eine Weile die Region genießen. „Obersulm mit den Weinberger drumherum ist fantastisch“, erklärt der Lette. Und auch Mapes plant keinen Spontanurlaub. „Wir werden erst im Mai in Urlaub fahren – wenn die Saison normalerweise zu Ende gewesen wäre“, berichtet der 33-Jährige.
Heilbronner Falken lassen sich trotz Insolvenz nicht hängen
Den Fans hätten die Falken gerne einen schöneren Abschied bereitet als eine 2:7 (0:2, 1:3, 1:2)-Niederlage gegen Erding. „Wir haben gekämpft, und ich hatte das Gefühl, wir hätten das Spiel auch zumindest enger gestalten können“, sagt Berry. Doch letztlich war der Widerstand der Heilbronner spätestens nach den Toren der Gäste zum 4:1 und 5:1 gebrochen. „Wir wollten nach dem Erfolg gegen den SC Riessersse am Dienstag natürlich noch mehr Siege holen“, erklärt Mapes. „Doch bei uns muss zurzeit alles passen, dass das gelingt – auch, wenn die Jungen es richtig gut machen.“
Auch Berry zieht seinen Hut vor der Art und Weise, wie seine Mannschaftskameraden mit der Situation umgehen: „Alle geben immer ihr Bestes. Ich bin stolz, wie die Jungs in den letzten Wochen immer noch ihren Allerwertesten aufgerissen haben. Es wäre einfach gewesen, einfach aufzugeben.“
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