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Wut, Ärger und Unverständnis: So reagieren Eishockey-Fans auf die Falken-Insolvenz

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Die Stimmen von Eishockey-Fans zum Insolvenzantrag des Oberligisten Heilbronner Falken am Mittwoch in den Sozialen Medien sind vielschichtig.

Von Sara Braig

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„Endlich“, war einer der ersten Kommentare, als die Nachricht der Insolvenz der Heilbronner Falken in den Sozialen Medien publik wurde. Dieses eine Wort bringt die Stimmungslage bei vielen Eishockey-Enthusiasten – zumindest bei denen, die es mit dem Unterländer Oberligisten halten – auf den Punkt. Endlich hat die Hängepartie der vergangenen Wochen, fast schon Monate ein Ende. Denn Gerüchte, die Falken könnten in die Zahlungsunfähigkeit rutschen, halten sich schon seit mindestens Anfang Dezember.

Seit vergangenem Mittwoch ist nun die Gewissheit da: die Heilbronner Falken sind insolvent. „War klar oder hat jemand was anderes gedacht?“ ist nur einer der vielen Kommentare, die auf den Sozialen Medien wie Instagram und Facebook zu dem Thema zu finden sind. 

Die Kritik der Fans richtet sich vor allem gegen den Geschäftsführer und seine Gesellschafterkollegen

Die Kritik der Fans im Netz richtet sich vor allem an den Geschäftsführer Franz Böllinger und seine Gesellschafterkollegen Tom Bucher und Rainer Maurer. „Blamage von den Geschäftsführern!“, „Was für eine schlechte Soap-Opera seitens der GmbH bzw. der Geschäftsführung“, „Schande, wie man so einen Verein durch absolute Unfähigkeit zerstört“, lauten einige Kommentare von Nutzern unter Beiträgen der Heilbronner Falken und des Eishockey-Kanals Eisblog.

Andere Fans werden noch deutlicher: „Heilbronn ist endgültig zum Mahnmal für organisatorische Inkompetenz im deutschen Eishockey geworden. Was einst Wucht, Identität und Angst beim Gegner erzeugte, wurde systematisch zerlegt – nicht auf dem Eis, sondern in Hinterzimmern voller Dilettantismus. Der HEC, einst gefürchtet, ist heute kaum mehr als ein Name, erdrückt von Amateuren in Verantwortung und gedemütigt von Nachbarvereinen, die längst vorbeigezogen sind. Übrig bleibt ein Trümmerhaufen aus verpassten Chancen, Selbstüberschätzung und Stillstand. Bitter.“ 

Egal, wie gut oder schlecht es bei den Heilbronner Falken gelaufen ist, die Fans waren immer im Eisstadion und haben ihr Team unterstützt.
Egal, wie gut oder schlecht es bei den Heilbronner Falken gelaufen ist, die Fans waren immer im Eisstadion und haben ihr Team unterstützt.  Foto: Berger, Mario

Ein anderer Fan schreibt frustriert: „Danke für nichts, ihr Flaschen B&B. Hoffe ihr traut euch nie wieder ins Stadion. Wisst ihr eigentlich, wie es uns Fans das Herz bricht, was ihr da fabriziert habt? Nein, denn für euch war es nix was das Herz berührt, ne fadenscheinige Scheiße wars. Nicht mal in dieser Situation die Eier haben, Gratulation zum Aufstieg zur dümmsten .........!!! Für uns, die jede Woche seid x Jahren ins Stadion fahren, ein krasser Schlag in die Fresse.“

Auch die Frage, wie der Verband den Falken überhaupt die Lizenz geben konnte, treibt die Fans um

Die Fans üben neben der Kritik an der Führungsriege der Falken auch Unverständnis an der Entscheidung des Deutschen Eishockey-Bunds, dem Verein überhaupt die Lizenz für die Oberliga zu erteilen. „Hätte vor der Saison schon die Lizenz nicht erhalten dürfen. Da hat der Verband eine Teilschuld“, lautet der Kommentar eines Fans in den Sozialen Medien. Außerdem sei es gegenüber anderen Vereinen unfair, dass solche Vereine die Lizenz bekämen.

Bereits im vergangenen Sommer hatte sich eine Krise bei den Falken angebahnt. Der Deutsche Eishockey-Bund hatte dem Club die Lizenz für die Oberligasaison 2025/26 verweigert, weil die Falken die nötigen Dokumente für das Lizenzierungsverfahren unvollständig einreichten und mehrere vom DEB gesetzte Fristen verstreichen ließen. Die Falken starteten daraufhin eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Spendenziel von 100.000 Euro. Dieses haben sie sogar übertroffen und sich dadurch juristisch den Weg in die Oberliga erkämpft.

Was bei den Fans im Zuge des jetzigen Insolvenzantrag allerdings auf Unverständnis stößt, ist, dass der Verein trotz der bereits im vergangenen Sommer bekannten finanziellen Probleme immer noch einen der teuersten Kader der Liga hat: „Was ich nicht verstehe, ist, wie man so einen teuren Kader hinstellen kann, wenn man kein Geld hat.“

Selbst in der größten Krise äußern sich die Falken-Verantwortlichen nicht öffentlich

Vielen Anhängern der Falken stößt zudem sauer auf, dass sie von dem Insolvenzantrag der Falken nicht vom Club direkt, sondern aus den Medien erfahren haben. „Überall ist von einer Insolvenz die Rede, nur auf der eigenen Clubseite nicht“ ist nur einer der zahlreichen Kommentare auf Instagram, die in diese Richtung gehen.  Bis jetzt hat sich die GmbH selbst noch nicht dazu geäußert.

Stattdessen wird beim Thema Pressearbeit Business as usual betrieben. Als letzter Eintrag auf den vereinseigenen Kanälen wird auf den Vorverkaufsstart für die restlichen Hauptrunden-Heimspiele verwiesen. Ob diese allerdings überhaupt stattfinden, ist noch fraglich.

Bedauern über möglichen Rückzug der Falken und Beteuerungen zum Stammverein HEC halten sich die Waage

Manche Eishockey-Fans bedauern hingegen den möglichen Rückzug der Falken aus der Oberliga und drücken den Anhängern ihr Mitgefühl aus: „Es ist immer schade, wenn ein Verein weniger aufs Eis geht“, ist in den Sozialen Netzwerken zu lesen oder auch: „Ich fühle vor allem mit den Fans, die immer in der Eishalle standen und ihren Verein angefeuert haben“.

Einige hätten allerdings auch nichts dagegen, wenn die Heilbronner Falken GmbH & Co. KG abgewickelt würde. „Vergesst die Falken und lasst sie sterben“, schreibt ein User auf der Social-Media-Plattform der Fangruppe Inferno Heilbronn 2002, das das Logo des Stammvereins Heilbronner EC mit dem Schlittschuh zeigt und die Worte beinhaltet: „Böllinger, Bucher & Maurer – Danke für nichts!“ Und weiter schreibt der User: „Jungs, dieser Schlittschuh wird nie untergehen, denn hier steckt das Herzblut aller drin, das es braucht für eine erfolgreiche Zukunft. Nur der HEC, das sind die einzigen Farben mit den magischen Buchstaben.“

Falken-Insolvenz sehen einige als Chance für Neuanfang – und geraten ins Träumen

Für die Falken und alle Beteiligten ist es noch ungewiss, wie es jetzt weitergeht. Die Fans wünschen sich für den Verein aber jemanden, der einen klaren Plan für die Zukunft hat: „Hier eröffnet sich eine echte Chance für einen neuen Investor. Für jemanden, der Verstand und Herz vereint, als Gesellschafter Verantwortung übernimmt, die Schlüsselpositionen mit den richtigen Menschen besetzt und den Mut hat, Altlasten konsequent abzuwerfen. Jemand, der wirtschaftlich klar denkt und das Unternehmen zugleich mit echter Leidenschaft weiterführt. Und dann diese Fans im Rücken. Keine Kulisse, sondern Kraft. Unter diesen Voraussetzungen kann das gelingen.“

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