Spitzenreiter geärgert, Abstieg aufgeschoben: SGSB schlägt sich in Solingen wacker
Zweitligist SG Schozach-Bottwartal hält bei Aufstiegsanwärter HSV Solingen-Gräfrath zeitweise gut mit, verliert am Ende jedoch verdient. Weil die Konkurrenten im Tabellenkeller ebenfalls nicht alle gewinnen, ist der Abstieg noch eine Woche aufgeschoben.

Ein eindeutiges Stimmungsbild ließ sich im Lager der SG Schozach-Bottwartal nach dem 28:36 (14:19) in Solingen nicht ausmachen. Die Niederlage bei Tabellenführer HSV Gräfrath war eindeutig und in der Höhe ebenfalls verdient. Während jedoch die meisten der Spielerinnen eher frustriert wirkten, war Trainer Jürgen Krause durchaus zufrieden − so zufrieden jedenfalls, wie das nach einer Acht-Tore-Niederlage eben möglich ist. Das kuriose am Samstagabend: Sowohl für die Stimmung des Trainers, als auch die seiner Spielerinnen gab es durchaus nachvollziehbare Argumente.
Für die Haltung von Jürgen Krause sprach das Endergebnis, nachdem der Trainer bereits im Vorfeld eine Niederlage mit weniger als zehn Toren Differenz als kleinen Erfolg bewertet hatte. Auch war seine Mannschaft in der Solinger Klingenhalle zeitweise ein Konkurrent auf Augenhöhe, obwohl die tabellarische Differenz zwischen Spitzenreiter und Schlusslicht nicht größer hätten sein können. Vorführen, wie zu Beginn des Hinspiels, ließ sich die SG Schozach-Bottwartal diesmal nicht. "Ich bin absolut zufrieden", sagte Krause. "Die sind schon stark und individuell so schnell, da hatten wir einfach keine Chance."
Spielerinnen kommen nicht ans Leistungsmaximum
Krause bezog sich mit seiner Aussage vor allem auf die Phasen zwischen 20. und 30. sowie 40. und 60. Minute, in der die Beilsteinerinnen Ball und Gegner weitgehend hinterherliefen und kaum eigene Akzente setzen konnten. Im Angriff waren die als probates Mittel ausgemachten flachen Kreis-Anspiele oft zu ungenau und führten zu kostspieligen Ballverlusten. Dazu hatte Lara Däuble nicht ihren besten Tag erwischt und die Außen blieben weitestgehend verwaist.
Auf der anderen Seite, in der Abwehr, war der Innenblock um Elena Fabritz und Carlotta Hees zu oft zu löchrig, Torhüterin Rena Keller fand überhaupt nicht ins Spiel (Paradenquote: 16 Prozent) und mehrmals fehlte in jenen 30 Minuten die Ordnung im Rückzugsverhalten. "Wir haben vorne ein paar Fehler gemacht. Und dann kommen die Solingerinnen mit ihrer ersten oder zweiten Welle und spielen sie sensationell zu Ende", musste Jürgen Krause anerkennen, dass sich die Aussagekraft der Tabelle nicht leugnen ließ. Angesichts all dessen war die Niederlage nicht nur folgerichtig, sondern ließ sich in ihrer Höhe auch verkraften.
SGSB spielt zu Beginn gefällig mit
Und doch gab es durchaus Argumente, um mit der Deutlichkeit des Ergebnisses ein wenig zu hadern. Ebensolche Argumente hatte die SGSB in der Anfangsviertelstunde und kurz nach der Halbzeitpause geliefert. Nach 18 Minuten hatte es 11:11 gestanden, die Gäste lagen zeitweise vorne, drehten nach zwölf Minuten auch einen Rückstand noch einmal in eine Führung und hielten mehr als ordentlich mit. Anders als im Hinspiel, ließ das Krause-Team die Solingerinnen, die zunächst überraschend nervös gewirkt und sich gleich mehrere eklatante Abspielfehler geleistet hatten, diesmal für die Punkte eifrig arbeiten.
Dies ging jedoch nur so lange gut, wie die Beilsteinerinnen vor dem gegnerischen Tor beim teilweise wilden Hin und Her erfolgreich waren. Weil kurz vor der Pause die Präzision schwand und HSV-Torhüterin Natascha Krückemeier einige SGSB-Abschlüsse zu fassen bekam, verlor der Aufsteiger bis zur Pausensirene die Tuchfühlung zum Gegner.
Gewinner trotz Niederlage
Unmittelbar nach der Halbzeit verkürzten Natascha Weber mit zwei Siebenmetern und Lara Däuble beim 17:19 noch einmal auf zwei Tore, bevor sich die halbgaren Abschlüsse häuften und die Gastgeberinnen schrittweise davonzogen.
Gewinner gab es aufseiten der SGSB am Ende trotzdem: Zum einen Alina Bauer aus der Landesliga-Zweiten. Die Torhüterin kam nach 40 Minuten für die glücklose Rena Keller, zeigte einige gute Paraden und machte einen ordentlichen Job zwischen den Pfosten. Auch der bis zum Schluss bemühten Lisa Loehnig ließ sich angesichts einer Vorlage, sechs Toren und kaum individueller Fehler wenig vorwerfen. Und nicht zuletzt konnte sich auch die heimische Langhanshalle mit ihren Fans als Gewinner des Abends fühlen. Denn während der HSV sportlich an der Spitze und die SGSB am Ende der Tabelle steht, verhält es sich mit Blick auf Stimmung und Atmosphäre in den heimischen Hallen gerade andersherum.
SG Schozach-Bottwartal: Keller (5 Paraden); A. Bauer (4 Paraden) − Däuble (4), Weber (6/5), Hees (1), Fabritz (3), Loehnig (6), J. Bauer (1); Hanak, Klenk (4), Räuchle (2), Amor, Gerstweiler (1), Siebert.
Erfolgreichste Werferinnen HSV Solingen-Gräfrath: Pia Adams (6), Lara Karathanassis (6), Vanessa Brandt (6/2).
Schiedsrichterinnen: Sophia Janz/Rosana Sug.
Siebenmeter: HSV Solingen-Gräfrath: 2/2; SG Schozach-Bottwartal: 5/5.
Zeitstrafen: 2/2.
Zuschauer: 454.
Spielgemeinschaft stellt Weichen für die nächste Saison
Auch wenn die Beilsteiner Chancen auf einen Zweitliga-Verbleib inzwischen nur noch theoretischer Natur sind, wird ein großer Teil des aktuellen Kaders der SGSB in der nächsten Saison unter Trainer Hannes Diller erhalten bleiben.
Unter der Woche bestätigte der Verein zunächst die ligaunabhängigen Zusagen des Kreisläuferinnen-Duos Elena Fabritz und Carlotta Hees, danach auch den Verbleib von U-Nationalspielerin Lara Däuble. Trotz Angeboten aus der ersten und zweiten Liga wird die 16-Jährige ein weiteres Jahr im Bottwartal spielen. Zusätzlich soll die Abstatterin bei der Sport-Union Neckarsulm mittrainieren.
Mainz-Bretzenheim verliert, Beilsteiner Abstieg vertagt
Bereits nach dem Gastspiel bei Spitzenreiter HSV Solingen-Gräfrath hätte die SG Schozach-Bottwartal auch mathematisch abgestiegen sein können. Doch weil am 26. Spieltag nur zwei der dafür nötigen drei Parameter zutrafen, ist der offizielle Abstieg noch einmal vertagt worden. Neben der SGSB-Niederlage hätte der 1.FSV Mainz 05 gegen die H2Ku Herrenberg gewinnen müssen (35:30) und zugleich Mainz-Bretzenheim nicht gegen den TSV Nord Harrislee verlieren dürfen.
Doch die Schleswig-Holsteinerinnen gewannen mit 34:25 gegen das Team aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, so dass SGSB und Mainz-Bretzenheim bei entsprechenden Resultaten der Konkurrenz theoretisch noch punktgleich auf Rang 13 und 14 landen könnten. Dann käme es auf die Tordifferenz an, die jedoch eindeutig für Bretzenheim spricht.
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