Pfeiffer, Beck und Co.: So würde ein Profi-Team aus der Region Heilbronn aussehen
In den vier höchsten Ligen im deutschen Fußball sind einige Spieler aus dem Unterland, Kraichgau und Hohenlohe vertreten. Das ist der "FC Regional", wenn alle in einer Mannschaft spielen würden.

Zu mehr als Liga fünf (FSV Hollenbach) reicht es fußballerisch aktuell nicht in der Region Heilbronn-Franken. Wie schlagkräftig wäre hingegen eine Elf mit Fußballern, die aus dem Unterland, Kraichgau und Hohenlohe stammen und aktuell bei Teams von der ersten bis zur vierten Liga unter Vertrag stehen? Das ist der FC Regional 2023/24 – ohne dabei jedoch Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
FC Regional: Die erste Elf mit Spielern aus Hohenlohe, Unterland und Kraichgau
Kevin Kunz: Seit 2022 ist der Möckmühler die Nummer eins bei Nordost-Regionalligist Carl Zeiss Jena. Der 32-Jährige fungiert als Publikumsliebling und Führungsspieler (28 Spiele) beim Europapokal-Finalisten von 1981. Der Drittliga-Aufstieg ist diese Saison nicht mehr drin beim Traditionsverein.
Marco John: Der Linksverteidiger aus Sülzbach fällt seit Sommer mit einem Kreuzbandriss bei der TSG Hoffenheim aus, davor reichte es zu zwei Regionalliga-Einsätzen. Seine Position ist eine traditionelle Hoffenheimer Problemposition. Ob John Teil der Lösung in der nächsten Saison sein wird? Sein Vertrag beim Bundesligisten läuft bis 2025.
Lamar Yarbrough: Von der sechsten in die 2. Liga? Dieser Sprung könnte Drittligaprofi Lamar Yarbrough gelingen. Der Deutsch-Amerikaner, geboren in Öhringen, begann einst beim SC Michelbach/Wald mit dem Fußball. Über Schwäbisch Hall, Ilshofen, Schweinfurt und Großaspach beziehungsweise durch die Ligen sechs, fünf und vier ging es zu Saisonbeginn zum Drittligisten SSV Ulm. Der 28-jährige Innenverteidiger hat mit 21 Drittligaeinsätzen seinen Anteil daran, dass die Ulmer vor dem Durchmarsch aus Liga vier in Liga zwei stehen.
Ermin Bicakcic: Publikumsliebling war der Möckmühler schon neun Jahre lang bei der TSG Hoffenheim. Nun ist der 34-Jährige bei Zweitligist Eintracht Braunschweig auch wieder ein sportlicher Leistungsträger und zurück an jenem Ort, wo ihm sein damaliger Trainer Torsten Lieberknecht den Spitznamen "Eisen-Ermin" verpasste. Dank seiner Rolle als Abwehrchef in 19 Partien (mit vier wichtigen Toren) kletterte der deutsche Fußballmeister von 1967 seit der Bicakcic-Rückkehr im vergangenen Oktober von Rang 18 auf 14. Viel spricht für ein weiteres Bicakcic-Jahr in Braunschweig: "Wenn die Zeit da ist, werden wir uns auf jeden Fall austauschen", sagt der ehemalige bosnische Nationalspieler. Zunächst soll aber der Klassenerhalt her.

Linus Weik: Vom SC Böckingen über die TSG Hoffenheim zur SGV Freiberg: Der einstige U16-Nationalspieler kommt auf 13 Regionalligaeinsätze. Beim Tabellenfünften der Regionalliga Südwest scheint man mit dem 19-jährigen Rechtsverteidiger zufrieden zu sein. Sein Vertrag wurde gerade erst um ein Jahr bis 2025 verlängert.
Jeremias Lorch: Der Zabergäuer ist ein Kämpfer: Der 28-Jährige verpasste bei Drittligist Viktoria Köln quasi die komplette Vorsaison mit einem Kreuzbandriss und einem Innenbandriss. Lorch ackerte sich nach der bereits dritten schweren Verletzung seiner Karriere eindrucksvoll zurück, ist vielseitig einsetzbare Stammkraft (32 Spiele als Innenverteidiger, im defensiven oder zentralen Mittelfeld) bei den Kölnern. In drei der vergangenen sechs Spiele steuerte Lorch jeweils ein Tore bei.
Maximilian Rohr: Sprunggelenksprobleme, Grippe, ein Sehnenriss: Die Zweitliga-Spielzeit 2023/24 ist nicht die Saison des Heilbronners in Diensten des SC Paderborn. "Maxi hätte ich besser draußen gelassen. Ich habe ihn zu früh reingeworfen, das muss ich auf meine Kappe nehmen", sagte Trainer Lukas Kwasniok nach dem 0:4-Debakel gegen Holstein Kiel Mitte Februar, bei dem der zuvor Langzeitverletzte in seinem vierten Saisoneinsatz bei zwei Gegentoren nicht wirklich gut aussah. Seither hat sich Maximilian Rohrs Förderer, der ihn aus Freiberg nach Jena und später vom Hamburger SV nach Paderborn lockte, an seine Worte gehalten: Der 28-Jährige ist im Zweitligateam außen vor.
Adrian Beck: In seiner ersten Erstliga-Saison kommt der ehemalige Jugendspieler des FSV Hollenbach und Oberligaakteur der Sport-Union Neckarsulm auf beachtliche 22 Einsätze und ein Tor. Trainer Frank Schmidt lobte den 26-Jährigen für eine "sehr gute Rolle innerhalb der Mannschaft. Er ist technisch einer unserer besten Spieler." Als die "Sport-Bild" Ende Februar die beste Ersatzbank der Bundesliga kürte, da saß auch Adrian Beck darauf, weil er mit 167 Spielminuten über die längste Spielzeit als Joker auf dem Platz verfügte - ohne ein einziges Gegentor. Beim 3:2 gegen den FC Bayern stand der Mittelfeldmann unlängst in der Startelf, die Wende kam da in Durchgang zwei aber erst ohne ihn. Der für Beck eingewechselte Marvin Pieringer bereitete zwei der drei Heidenheimer Tore vor.
Pascal Sohm: Unter Trainer Marco Antwerpen gehört der 32 Jahre alte Stürmer (26 Spiele/drei Tore) nicht zu den Gewinnern des jüngsten Drittliga-Aufschwungs bei Waldhof Mannheim. Der einstige Hollenbacher hat seinen Startelfplatz verloren, kam zuletzt - wenn überhaupt - zu Kurzeinsätzen. Der Vertrag des Mannes aus Forchtenberg läuft im Sommer aus.
Luca Pfeiffer: Der Gommersdorfer führte in dieser doppelt unglücklichen Spielzeit (persönlich und für sein Team) zwischenzeitlich die Wertung mit den meisten Pfosten- und Lattentreffern der Bundesliga an. Es läuft nicht für den SV Darmstadt in der Bundesliga, es läuft auch nicht für den 27-jährigen Stürmer (23 Ligaspiele/ein Tor), der seinen Stammplatz verloren hat. Pfeiffer hat noch einen Vertrag beim VfB Stuttgart, der bis 2026 läuft. Dass er diesen beim Europapokal-Teilnehmer erfüllen wird, ist eher unwahrscheinlich.
Dejan Bozic: Der gebürtige Heilbronner weiß, wie schöne Tore gehen. An Ostern bewies der 31-Jährige das als Stürmer des Chemnitzer FC in der Regionalliga Nordost mal wieder. Im Derby gegen den FSV Zwickau setzte er beim 2:0-Sieg als Doppelpacker (elf Saisontore) die Vorgabe seines Sohnes in die Tat um. "Mein Sohn meinte letztens zu mir: Papa, ich habe im Training Fallrückzieher gemacht, versuche du doch auch mal einen", verriet Bozic senior hinterher. Bozic ist im vergangenen Sommer nach Chemnitz zurückgekehrt, wo er von 2018 bis 2020 schon einmal spielte, ehe es nach Meppen und Offenbach ging.
Profi-Team aus der Region: Die Ersatzbank mit Seimen und Egloff
Der aus Heilbronn stammende Torwart Dennis Seimen (18) saß beim VfB Stuttgart in der Bundesliga zuletzt einige Male auf der Ersatzbank, kommt auf 15 Regionalliga-Einsätze mit der U 23 des VfB. Neun Mal (zu Saisonbeginn) stand der Zabergäuer Dominik Draband (28) im Tor der zweiten VfB-Mannschaft.
Lilian Egloff aus Bretzfeld (21) spielt nach fünf Kurzeinsätzen bei den Stuttgarter Profis aktuell keine Rolle, auch weil den offensiven Mittelfeldspieler immer wieder Verletzungsprobleme plagen. Eine Spielzeit zum Vergessen erlebte lange auch der Ex-Hollenbacher Mart Ristl. Der 27-Jährige verpasste quasi die komplette Spielzeit beim ambitionierten Regionalligisten FC Homburg mit einem beidseitigen Leistenbruch, einem Adduktorenabriss und einer Oberschenkelverletzung. Die vergangenen fünf Spiele trug der FCH-Kapitän immerhin wieder auf dem Spielfeld die Kapitänsbinde.
Kevin Conrad befindet sich als Mannschaftskapitän von Zweitligist SV Elversberg (zehn Einsätze) auf Abschiedstournee vom Profifußball. Am Saisonende ist Schluss bei den Saarländern, die mit dem 33-jährigen Innenverteidiger den Durchmarsch aus Liga vier in Liga zwei schafften und kurz vor dem Zweitliga-Klassenerhalt stehen. Für Conrad geht es zurück in die Heimat nach Hohenlohe, ins neue Eigenheim nach Amrichshausen. fhu


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