Als der Klingenberger Steg den Hol-über ersetzte
Viele Jahrzehnte verband eine Fähre die Orte Klingenberg und Horkheim. Erst mit dem Bau der Eisenkonstruktion 1925/26 war ihre Arbeit nicht mehr gefragt. In heutiger Zeit geht es um die Sanierung des Stegs.
Wer früher von Klingenberg nach Horkheim wollte, der konnte nur mit einer Fähre den Neckar überqueren, denn der Horkheimer Steg wurde erst 1925/26 erbaut. Die Fähre befand sich, wie der Heimatforscher Eugen Knauß in seinem Streifzug durch Klingenberg schreibt, einige Meter flussabwärts des heutigen Stegs.

Für den Personenverkehr benutzten die Fährmänner oder "Färchen" einen Nachen. Wer sich übersetzen lassen wollte, musste dem Fährmann "hol-über" zurufen. Für eine kleine Gebühr wurde er dann ans andere Ufer gefahren. Einen vergleichbaren Fährbetrieb gab es auch auf Höhe des Freibads Neckarhalde/heutiger Food-Court-Biergarten.
Auch die Schiffsreiter nutzten die Fähre
Größere Personengruppen und Fuhrwerke wurden mit einer größeren Fähre, der "Näa", befördert. Auch die Schiffsreiter, die mit ihren Pferden auf dem Treidelpfad des linken Neckarufers die Schleppschiffe flussaufwärts zogen, ließen sich mit ihren Gäulen auf der Näa zum anderen Ufer übersetzen, wo sich der Treidelpfad auf dem rechten Flussufer fortsetzte.
Auf beiden Flussufern waren flache Auffahrten angelegt. Die Fähre war an einem starken Seil befestigt und wurde durch das strömende Neckarwasser von Ufer zu Ufer getrieben. Bei starkem Hochwasser oder Eis wurde der Fährbetrieb eingestellt. Das alte Fährhäuschen, in dem sich der Fährmann zwischen den Fahrten aufhielt, stand an der Tränkgasse. In der Nähe befand sich am Flussufer die Viehtränke und die Pferdeschwemme. Mit dem Bau des Horkheimer Stegs wurde der Fährbetrieb eingestellt.
Der Steg garantierte kurze Wege
Im Klingenberger Gemeindeprotokoll vom 3. April 1925 wurde erstmals vom Steg als "eine einmalige Chance" geschrieben. Den Horkheimern bot das Bauwerk einen kurzen Weg zum Bahnhof, den Klingenberger Arbeitern einen kurzen Weg zu den Arbeitsplätzen in Sontheim, unter anderem bei Wolko.
Offensichtlich wurden die Arbeiten bald aufgenommen, denn die Gemeinde erklärte sich bereit, zunächst 1000 Reichsmark (RM) zur Verfügung zu stellen und sagte nach vollständiger Abrechnung eine weitere finanzielle Beteiligung zu. Die Gesamtkosten für den Steg beliefen sich auf 48.807 Reichsmark. Beiträge dazu leisteten die Amtskörperschaft Heilbronn (8000 RM), die Zwirnerei Sontheim (3000 RM), die Neckarbaudirektion (10.000 RM), das Oberamt Brackenheim (5000 RM) und die Gemeinde Klingenberg 1000 (RM). Zusammen 27.000 Reichsmark.
Horkheim trug die finanzielle Hauptlast
Den Restbetrag über 22.000 Reichsmark musste Horkheim aufbringen. Für die Gemeinde ein stolzer Betrag. Um die Summe stemmen zu können, wandten sich die Horkheimer an den Klingenberger Rat mit der Bitte, sich an den Kosten zu beteiligen. Doch die Klingenberger lehnten mit dem Hinweis, dass sie selbst kein Geld hätten, ab. Außerdem ließen die Klingenberger wissen, dass eine Finanzbeteiligung vor Baubeginn hätte vereinbart werden müssen.
Stadt Heilbronn wartet auf Landeszuschüsse
Für die Sanierung des Stegs steht seit 2017 im Haushalt der Stadt Heilbronn eine Million Euro bereit. Doch bis auf Reparaturen passierte nichts. Jetzt erklärte Rathaus-Sprecher Christian Britzke auf Anfrage: "Die Sanierung wurde noch nicht in Angriff genommen, weil wir auf Zuschüsse des Landes im Zusammenhang mit dem Bau des dort verlaufenden Fernradweges hoffen. Einen Zeitplan gibt es nicht."
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Kommentare
Gisela Walch am 03.05.2020 12:33 Uhr
Zunächst könnte man auf der "Klapperbrücke" an beiden Seiten die überflüssigen und gefährlichen Mittelpfosten entfernen. Da wäre so manchem Radler geholfen. Zweispurige Fahrzeuge wie z.B. Autos kommen eh nicht drüber.