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Horkheimer Händler hält Fahne der Nahversorgung hoch

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Ludwig Frank verkauft seit 1976 im kleinsten Heilbronner Stadtteil in seinem Laden "Franks Frischetreff" Lebensmittel. Der 68-Jährige denkt noch lange nicht ans Aufhören. "Wir sind ein Hort der Beständigkeit", sagt er.

von Bärbel Kistner
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Es gibt fast alles, was der Mensch braucht: Lebensmittelhändler Ludwig Frank wünscht sich, dass neue Kunden auch nach der Corona-Krise wiederkommen.
Foto: Andreas Veigel
Es gibt fast alles, was der Mensch braucht: Lebensmittelhändler Ludwig Frank wünscht sich, dass neue Kunden auch nach der Corona-Krise wiederkommen. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Die Corona-Krise wird Ludwig Frank in Erinnerung bleiben. Das Einkaufsverhalten der Kunden hat ihm ab Mitte März einen unerwarteten Boom beschert - mit einem Umsatzplus von 30 Prozent. "Solche Umsätze sollten wir immer haben", sagt der 68-Jährige, der seit 44 Jahren in Horkheim Lebensmittelhändler ist. "Doch Corona wird schnell wieder vergessen sein", glaubt Frank.

Das Geschäft sei in den letzten Apriltagen abgeflaut, die Frequenz im Laden wieder geringer. Ob es an der Maskenpflicht liegt oder an den vielen Vorräten? Oder daran, dass Monatsende ist?

Hoffnung, dass Neu-Kunden auch nach Corona kommen

Ludwig Frank hofft zumindest, dass manche Horkheimer, die während der Corona-Einschränkungen zum ersten Mal in seinem Laden waren, ihm erhalten bleiben. Weil neue Kunden entdeckt haben, dass es in dem Laden mit 8000 Artikeln fast alles gibt, was sie brauchen - und dass sie dafür nicht unbedingt mehr bezahlen müssen als in einem großen Markt. "Leider haben wir als kleines Geschäft den Stempel aufgedrückt, teuer zu sein", bedauert Frank.

Dieses Image begleitet ihn nicht sein ganzes Berufsleben. Gelernt hat Ludwig Frank bei der Handelskette Spar. 1970 machte er sich gleich nach der Ausbildung mit einem Markt in Neuenstein selbstständig. "Mit 19 Jahren war ich der jüngste Lebensmittelhändler bei der Spar."

1976 kam Frank nach Horkheim. Zuerst betrieb er einen kleinen Laden an der Schleusenstraße. Dort ist heute die Bäckereifiliale Gruner. 1985 zog der Händler um die Ecke in die Hohenloher Straße, auf knapp 300 Quadratmeter. Das war in den 80er Jahren eine durchaus passable Größe, und Frank führte in seinem Spar-Supermarkt anfangs rund 10.000 verschiedene Artikel.

Konkurrenz wurde immer größer

Nach der Jahrtausendewende wuchs drum herum die Konkurrenz aus dem Boden. Nach und nach entstanden - meist an den Ortseingängen - neue, große Lebensmittelmärkte und Discounter-Filialen. Viele Gebäude aus dieser Zeit sind zwischenzeitlich durch noch größere Märkte ersetzt - die Kundschaft hat sich an Größe gewöhnt.

Doch im kleinsten Heilbronner Stadtteil hält der Lebensmittelhändler nach wie vor die Fahne der Nahversorgung unter dem Namen "Franks Frischetreff" hoch: mit Metzgerei-Theke und einer Brot- und Käseabteilung. Den Namenszusatz hat Frank 2005 ergänzt. In diesem Jahr wurde Spar Deutschland von Edeka übernommen. Das eingeführte Spar-Logo wollte der Kaufmann nicht aufgeben.


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Fotos: Andreas Veigel
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Edeka-Frank in Flein öffnet wie geplant am 14. Mai


"Läden wie meiner existieren im Stadt- und Landkreis Heilbronn heute nicht mehr viele", sagt Frank. Einige, die es nicht mehr gibt, sind sogar Teil der Familiengeschichte. Waltraud Frank hatte ein Spar-Geschäft in der Sichererstraße.

Sohn ist längst auch Lebensmittelhändler

Sohn Thorsten steht hinter dem zweiten "Franks Frischetreff" in Flein, der am 9. Mai schließt. Der 47-Jährige öffnet stattdessen in Flein Mitte Mai einen neuen, 1300 Quadratmeter großen Edeka-Markt. "So mancher denkt, dass wir deshalb hier in Horkheim zumachen", wundert sich Frank über das Gerücht.

Trotz seiner 68 Jahre denkt Frank nicht daran aufzuhören. "Wir sind ein Hort der Beständigkeit." Das gilt nicht nur für die oft ältere Stammkundschaft, sondern auch für das Personal. Silke Sperber und Rita Avdija halten ihm seit Jahrzehnten die Treue. Bei Monika Steinle (51) sind es sogar 35 Jahre.

In den meisten Stadtteilen und Kommunen gibt es seit Jahren einen Schwund bei kleinen Einzelhandelsgeschäften. Auch Horkheim ist davon nicht verschont. In der Schleusenstraße gab es eine Schlecker-Filiale, die 2012 im Zuge der Insolvenz des Unternehmens zumachte. Auch die Apotheke ist seit einigen Jahren geschlossen. Zuletzt hat sich Iris Wende aus dem Einzelhandel verabschiedet. Ihr kleiner Laden mit Wolle, Schreibwaren und Poststelle bestand 33 Jahre. "Die Entwicklung ist für das Ortsleben leider nicht gut", sagt Lebensmittelhändler Frank.

 
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