Leintal
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Von Schwaigern über Massenbachhausen bis Leingarten: was man im Leintal alles ernten kann

Das Leintal bringt dank guter Böden so manche Spezialität hervor. Welche Ackerfrüchte in Schwaigern, Leingarten und Massenbachhausen gedeihen und welche Rolle die Biogasanlage dabei spielt:

Jörg Kühl
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Lesezeit 3 Min
Von Schwaigern über Massenbachhausen bis Leingarten: was man im Leintal alles ernten kann
Die Böden geben es her: Landwirt Thomas Schmälzle aus Schwaigern baut exotische Feldfrüchte wie Quinoa oder Reis an. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Dank seiner reichhaltigen Böden ist das Leintal seit jeher für die Landwirtschaft interessant. Eingerahmt von Weinbergen gedeihen hier Ackerfrüchte aller Art. Sogar Kulturen, die sonst in anderen Erdteilen beheimatet sind, werden im Leintal kultiviert. Typisch für die Mischung aus Wein- und Ackerbau ist der Schwaigerner Stadtteil Stetten. Hier stehen 120 Hektar Rebfläche 400 Hektar Ackerfläche gegenüber, berichtet der Vorsitzende des Ortsbauernverbands Eberhard Kümmerle. 15 Vollerwerbsbetriebe nutzen die guten Böden. Es gibt noch einen Schweinemastbetrieb im Ort.

Im Hauptort Schwaigern wirtschaften 22 Landwirte vollberuflich und nur zwei im Nebenerwerb. Ein Grund für die Stärke der Branche sei der Boden: Lößlehm im Leintal, Muschelkalk und Sandstein an den Hängen des Heuchelbergs, weiß Bauernobmann Samuel Muth. "Der Kartoffelanbau ist bei uns traditionell stark vertreten, es gibt aber eine Konzentration des Anbaus auf immer weniger Betriebe."

Wozu das Wasser beim Reisanbau dient

Thomas Schmälzle aus Schwaigern baut die aus dem französischen Hochland stammende Grünmarmorierte Linse und die schwarze Sorte Beluga an. "Wir wollen unseren Kunden etwas bieten, das sie nicht überall bekommen", so der Landwirt, der auch Buchweizen und das Anden-Korn Quinoa im Portfolio hat. Seit 2020 kultiviert Thomas Schmälzle sogar Reis. Anders, als man vom Anbau in Asien oder in der Po-Ebene gewohnt ist, kommt er ohne Flutung des Ackers aus. Für Reis ist das Fußbad nicht zwingend. "Das Wasser dient der Bekämpfung der Beikräuter", erläutert der Landwirt. Mit Leindotteröl trägt der Familienbetrieb weiter zum exklusiven und exotischen Speiseplan "made im Leintal" bei. In diesem Jahr bauten die Schwaigerner erstmals Speisemohn und Kichererbsen an.

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Was die Niederhofener mit dem Weinberghäuschen vorhaben

Im Schwaigerner Stadtteil Niederhofen gibt es noch 30 Mitglieder des Ortsbauernverbands, die im Nebenerwerb tätig sind, berichtet Obmann Hartmut Eisele. Als Weinort halten die Mitglieder die örtliche Winzertradition in Ehren. Gerade sanieren die Bauern und Winzer ein historisches Wengerthäusle. Finanziell ist dies möglich, da das Rebflurneuordnungsverfahren "Gewann Lochberg" entsprechende finanzielle Reserven bereit hält. Bereits 2014 hat der Ort ein historisches Bauwerk in den Weinbergen gerettet. Damals wurde die Wengertschützenhütte am Lochberg wieder instand gesetzt.

Mit 60 bis 80 Bodenpunkten sind die Lößlehmböden in Massenbach "ziemlich gut", meint Bernd Heuschele, Vorsitzender des Ortsbauernverbands. Hier gedeihen nicht nur "die üblichen Verdächtigen" wie Weizen und Gerste. Dank Bewässerung wachsen hier auch Kartoffeln und Zwiebeln zu ihrer Normgröße heran. Immerhin vier der 20 Mitglieder arbeiten noch im Haupterwerb.

Wie die Bauern von der Biogasanlage profitieren

Einige Landwirte im Ort bauen Silomais in ihre Fruchtfolge mit ein. Denn in Schwaigern gibt es mit der Biogasanlage der Firma Söhnergy einen der größten Abnehmer im Heilbronner Land. Die Anlage gehört zur Ölmühle Brian und ist eine von zwei in der Region, die auch Erdgas einspeist. Und dies mit einer Kapazität von 30 Millionen Kilowattstunden. Abnehmer ist die Heilbronner Energieversorgungsgesellschaft (HNVG), die damit unter andrem Schwaigern, Leingarten, Frankenbach und Teile Heilbronns versorgt. 20 Millionen Kilowattstunden werden in der Anlage verstromt und davon gehen zehn Millionen Kilowattstunden als Strom ins Netz und zehn Kilowattstunden werden als Wärme oder Kälte von Abnehmern im Schwaigerner Industriegebiet genutzt.

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Wie sich die Bauern in Massenbachhausen vernetzen

Nach der Vergärung des Maises erhalten die Landwirte die Gärreste als Düngemittel zurück. Rund 25 000 Tonnen Gärreste fallen jährlich an, die an Landwirte im Umkreis von 15 Kilometern angegeben werden: Ein Standortvorteil des Leintals angesichts explodierender Düngemittelpreise.

Bernd Schwarz, Vorsitzender des Ortsbauernverbands Massenbachhausen, setzt auf die regionale Vernetzung im Leintal. Schwarz nutzt die Gärreste aus Schwaigern zum Düngen und er bringt Anbieter und Abnehmer zusammen. Der Betrieb verfügt über einen Hofladen, der sich zu einem kleinen Nahversorger gemausert hat. Hier stehen auch Honiggläser von Imker Walter Lehner. Der Rentner arbeitet seit 19 Jahren mit Bienen, aktuell pflegt er gemeinsam mit Tochter Silke und Ehefrau Annika 30 Völker. Sie produzieren Linden-, Wald-, Blüten- und Rapshonig.

Wis sich die Rebfläche verändert

Die landwirtschaftliche Nutzfläche der Stadt Schwaigern ist nach Daten des Statistischen Landesamts in den vergangenen 20 Jahren leicht angewachsen, von rund 3200 Hektar auf 3300. Hauptgrund ist der Weinbau. Gab es 1999 in Schwaigern und seinen Stadtteilen noch 344 Hektar Rebland, so waren es 2020 schon 424. In Leingarten sind insgesamt etwa 200 Hektar Agrar-Nutzfläche verloren gegangen. Gab es 1999 insgesamt 1099 Hektar Ackerland, Dauergrünland und Obstanlagen, so betrug dieser Wert 20 Jahre später nur noch 890 Hektar. Dafür ist die Rebfläche von 117 auf 129 Hektar angewachsen.

 
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