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Stellenabbau bei Magna: Das Schlimmste wurde abgewendet

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Der Autozulieferer Magna baut in Untergruppenbach 60 Stellen ab, kann Betroffenen mit substanzieller Hilfe von Arbeitsagentur aber eine Alternative bieten. Gewerkschafter loben das Ergebnis der durchaus schwierigen Verhandlungen.

Für Doppelkupplungsgetriebe war die einstige Getrag hochgeschätzt. Nun muss sich die Untergruppenbacher Firma nach neuen Geschäftsfeldern umsehen. Foto: dpa
Für Doppelkupplungsgetriebe war die einstige Getrag hochgeschätzt. Nun muss sich die Untergruppenbacher Firma nach neuen Geschäftsfeldern umsehen. Foto: dpa  Foto: Getrag / Handout

Für den Autozulieferer Magna in Untergruppenbach wird ein wichtiges Geschäftsfeld - die Entwicklung und Produktion von Getrieben für Verbrennermotoren - immer kleiner. Als dem Betriebsrat vor einem Jahr erste Pläne vorgestellt wurden, sollten deshalb offenbar bis zu 240 Mitarbeiter entlassen werden. Diese Zahl wurde auf rund 60 reduziert. Doch nicht nur das. In einer Transfergesellschaft können sich die betroffenen Mitarbeiter an der DHBW CAS für neue Aufgaben qualifizieren. Die Ausgestaltung sei beispielhaft, loben Vertreter von IG Metall und Arbeitsagentur.

Kein Kommentar vom Unternehmen

Die ehemalige Getrag, die 2015 von Magna übernommen wurde, muss sich der Transformation stellen. Da Elektroautos keine Getriebe wie Verbrennerfahrzeuge mehr benötigen, sind dort plötzlich hochqualifizierte Ingenieure und Fachkräfte überflüssig.

Rund 1000 Mitarbeiter arbeiten in Untergruppenbach, 35 in Neuenstadt, 900 in Neuenstein. Vom Unternehmen selbst gibt es dazu keine Zahlen, keine Infos - keinen Kommentar.

 


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Die Zulieferer reagieren auf den Wandel


Dabei braucht sich der kanadisch-österreichische Konzern für das, was hier gemeinsam mit IG Metall und Arbeitsagentur ausgehandelt wurde, nicht zu verstecken. "Das ist ein sehr positives Beispiel", findet der scheidende Leiter der Arbeitsagentur Heilbronn, Jürgen Czupalla. "Es war aber auch für uns neu, dass sich jetzt Ingenieure verändern müssen."

Mit der Qualifizierungsmaßnahme ist annähernd ein Master-Abschluss möglich

Für sie wird eine Transfergesellschaft gegründet, in der die Betroffenen Module am DHBW Center for Advanced Studies in Heilbronn buchen können. Dort können sich Getriebespezialisten beispielsweise in Elektrotechnik oder Künstlicher Intelligenz weiterbilden und sich damit auf dem Arbeitsmarkt gefragte Kenntnisse aneignen.

Einen offiziellen Abschluss gibt es dafür zwar nicht, doch anschließend ist offenbar mit wenig Aufwand der Erwerb eines Masterabschlusses möglich. "So ein Modell ist in Baden-Württemberg ziemlich einzigartig", sagt Uwe Bauer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Schwäbisch Hall, Verhandlungsführer für die Arbeitnehmerseite.

 


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Gewerkschaft wirbt für Akzeptanz bei Betroffenen

Da die Mitarbeiter in der Transfergesellschaft über das Kurzarbeitergeld rund 85 Prozent ihres bisherigen Gehalts beziehen und Arbeitgeber und Arbeitsagentur hälftig die Kosten der Weiterbildung übernehmen, sei das Angebot hoffentlich auch für die Betroffenen akzeptabel, so Bauer. "Positiv ist es natürlich nie, wenn man vor so eine Entscheidung gestellt wird", fügt Gewerkschaftssekretärin Martina Walter von der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm an.

Die Verhandlungen seien zwar nicht einfach gewesen, berichten Bauer und Walter, aber die Magna-Verantwortlichen seien immer gesprächsbereit gewesen. Ein Vorteil war wohl auch, dass alle Beteiligten bereits Kontakt über das Bündnis für Transformation hatten. Mit dabei war etwa auch der regionale Südwestmetallchef Jörg Ernstberger als Rechtsberatung des Arbeitgebers.

Magna-Konzern ist voll im Umbau-Prozess

Für Magna ist das Thema Transformation damit allerdings nicht beendet. Der Mutterkonzern geht mit großen Schritten in Richtung E-Mobilität - unter anderem als Anbieter komplexer Module oder ganzer Fahrzeuge. Welche Rolle dabei künftig Untergruppenbach spielen wird, das ist die Frage.

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