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Welche Folgen die Pleite der Silicon Valley Bank für hiesige Start-ups hat

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"Eine vermeintlich sichere Geldquelle versiegt", sagt Zukunftsfonds-Chef Thomas Villinger. Und er verrät, welche Personen jetzt bei der Verwendung des Risikokapitals von Dieter Schwarz mitreden dürfen.

Hauptsitz der Silicon Valley Bank in Santa Clara. Die Bank ist unter staatliche Kontrolle gestellt worden.
Hauptsitz der Silicon Valley Bank in Santa Clara. Die Bank ist unter staatliche Kontrolle gestellt worden.  Foto: Li Jianguo/XinHua/dpa

Risikokapital gab es bis vor einem Jahr noch reichlich. Doch das finanzielle Klima für Start-ups verändert sich zusehends. Welche Konsequenzen das auch für den Raum Heilbronn hat, erzählt Thomas Villinger, Geschäftsführer des Zukunftsfonds Heilbronn, im Interview.

 

Herr Villinger, von der Pleite der Silicon Valley Bank sind viele amerikanische Start-ups betroffen. Ist das Beben bis nach Deutschland zu spüren?

Thomas Villinger: Es ist allenfalls indirekt zu spüren. Wir haben im Gegensatz zu den USA keine Regionalbanken, die sich rein auf Start-ups fokussieren. In Deutschland sehe ich aktuell auch nach dem Fall der Credit Suisse keine Irritationen bei Risikokapitalgebern.

 


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Bis vergangenes Jahr gab es aber so viel Risikokapital, dass sich die Start-ups ihre Investoren aussuchen konnten. Hat sich das nicht verändert?

Villinger: Doch. Durch den Krieg in der Ukraine und die Lieferkettenproblematik wurde die wirtschaftliche Lage instabil. Die Zinskonditionen sind teurer geworden. Damit sanken die Bewertungen der Start-ups, eine vermeintlich sichere Geldquelle für Investoren versiegte. Wenn die aber kein Geld mehr übrig haben, fehlt es an zukünftigem Risikokapital. Hier sehe ich deutliche Anpassungen auf die deutschen und europäischen Wagniskapitalgeber zukommen.

 

Wann hat sich das angedeutet?

Villinger: Schon vor einem Jahr. In den USA hat der Sequoia Fund damals den Start-ups, in die er investiert war, vorgegeben, 50 Prozent der Kosten einzusparen. Das hat man in Deutschland damals noch belächelt. Aber es war vollkommen richtig. Solche Signale aus den USA sollte man rechtzeitig wahrnehmen.

 

Und der Zukunftsfonds Heilbronn hat sie rechtzeitig erkannt?

Thomas Villinger, Geschäftsführer des Zukunftsfonds Heilbronn, beriet mehrere Start-ups in Deutschland, bevor er 1999 in Heilbronn mit dem Aufbau der Innovationsfabrik begann. 2005 wechselte er zum Zukunftsfonds Heilbronn.
Thomas Villinger, Geschäftsführer des Zukunftsfonds Heilbronn, beriet mehrere Start-ups in Deutschland, bevor er 1999 in Heilbronn mit dem Aufbau der Innovationsfabrik begann. 2005 wechselte er zum Zukunftsfonds Heilbronn.  Foto: Mario Berger

Villinger: Wir schauen seit zwölf Monaten verstärkt darauf, dass wir das Pulver trocken halten für weitere Finanzierungen in erfolgversprechende Start-ups. Denn 2023 bleibt insgesamt schwierig. Wir werden weitere Seed-Investments tätigen, jeweils in einer reduzierten Größenordnung von etwa 500.000 Euro.

 

200 Millionen Euro Kapital hat Dieter Schwarz vor 17 Jahren in den Zukunftsfonds gegeben. Wie viel ist davon noch da?

Villinger: Rund ein Drittel haben wir flüssig. Der Rest steckt in rund 20 Portfolio-Unternehmen. Von denen wollen wir in diesen Zeiten möglichst keine verlieren - zumal einige ziemlich große Kaliber dabei sind. Wie die großen internationalen Fonds sagen wir auch konsequent: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Zu verschenken haben wir nichts.

 


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Heilbronn bräuchte irgendwann mal ein weltweit erfolgreiches Start-up. Hätte der Zukunftsfonds dafür genügend Kapital?

Villinger: Die Xenios, unser ehemaliges Start-up im Bereich Medizintechnik, ist seit der Pandemie weltweit erfolgreich. Der Zukunftsfonds verfügt über genügend Kapital, um auch zukünftig mit anderen zu investieren. Wir werden jedenfalls nichts unversucht lassen, so ein Einhorn unter den Start-ups zu finden.


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Der Zukunftsfonds hat sich zuletzt neu ausgerichtet. Gibt es auch intern Veränderungen?

Villinger: Im Verwaltungsrat gab es eine Neuaufstellung. Der frühere Vorsitzende Axel Krauss, früherer Manager bei Knorr, hat den Fonds seit Gründung maßgeblich geprägt. Jetzt ist er mit 77 Jahren ausgeschieden. Ebenso Joachim Cyran und Heinz-Dieter Schunk, die beide über 80 sind. Sie alle waren Mitglieder der ersten Stunde. Neu dabei ist Bastian Karweg. Als Gründer von Echobot in Karlsruhe bringt er Erfahrung mit digitalen Geschäftsmodellen und Künstlicher Intelligenz mit. Weiterhin dabei sind Frank Heinricht als Vorsitzender und Hermann-Josef Hoffmann als sein Stellvertreter. Günter Steffen berät auch zukünftig als Fondsmanager.

 

Und Dieter Schwarz?

Villinger: Er ist als Gast aktiv dabei!

 

So nennt man das also. Der Zukunftsfonds holt jetzt keine Firmen mehr direkt nach Heilbronn, stattdessen investiert er hier in Start-ups und andernorts über die Marke Born2Grow. Wie gut funktioniert das?

Villinger: Sehr gut. Im vergangenen Jahr haben wir uns an sechs Unternehmen über Born2Grow beteiligt. Zusammen mit den Campus Founders haben wir zudem drei Start-ups am Standort Heilbronn über das sogenannte Venture Studio mitfinanziert.

 

Sie haben vor Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer des Zukunftsfonds die Innovationsfabrik in Heilbronn aufgebaut. Jetzt unterstützt Ihre Mannschaft auch die Campus Founders. Wie würden Sie die Start-up-City Heilbronn beschreiben?

Villinger: Sie wächst stark. Wir sehen erste Früchte einer Entwicklung, die erst seit drei bis fünf Jahren läuft. Es gibt die Ecole 42, die Campus Founders, den KI-Innovationspark Ipai. Und wir können zu diesem Erfolg beitragen, das freut mich sehr. Bis vor kurzem mussten wir noch darum kämpfen, Unternehmen hierherzuholen. Jetzt kommen sie mehr und mehr freiwillig. Das ist doch sensationell. Durch die großen Investitionen werden wir hier einen Hype erleben, der seinesgleichen sucht.


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Der Zukunftsfonds hat den Aufbau einer Auslandsrepräsentanz des Landes Baden-Württemberg in Israel unterstützt. Sie haben sich auch etwas für die Region erhofft? Was wurde daraus?

Villinger: Ich habe das Projekt nach zwei Jahren weitergegeben, so dass es nun vom Land alleine weiter finanziert wird. Jetzt hat Baden-Württemberg als industriell geprägtes Bundesland eine Repräsentanz in Tel Aviv. Dafür haben wir finanzielle Starthilfe gegeben. Es war klar, dass das keine dauerhafte Aufgabe für uns ist.

 

Spielt Deutschland jetzt eine größere Rolle für israelische Firmen?

Villinger: Nein. Eines haben wir gelernt: Israel hat einen starken Fokus auf Amerika. Fast alle Unternehmen dort träumen von der US-Börse Nasdaq. Auf dem Weg dahin könnte sich Deutschland allerdings durchaus öfters mal ins Spiel bringen.


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Hat man sich zu viel von einer Zusammenarbeit mit den Familienunternehmen hier in der Region der Weltmarktführer versprochen?

Villinger: Man darf nicht ungeduldig sein. Unser Ökosystem wird weiter wachsen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in den nächsten Jahren eine nachhaltige Zusammenarbeit sehen werden. Die Dieter-Schwarz-Stiftung hat Kooperationen mit der Universität Jerusalem, wir kooperieren mit dem Weizmann-Institut in Tel Aviv. Die Kontakte werden weiter intensiviert. Und hier brauchen wir ein Netzwerk, das die gesamte Region Heilbronn-Franken umfasst. Somit gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein.

 

Zur Person

Thomas Villinger (60) ist in Namibia und Südafrika aufgewachsen. Mit 16 Jahren kam er mit seiner Familie nach Deutschland, studierte nach dem Abitur Volkswirtschaftslehre und Geographie in Frankfurt, machte zudem den Master of Business Administration (MBA) an der Schiller International University in den USA und in Frankreich. Er arbeitete für die Weltbank in Riad und Abu Dhabi, verbrachte Zeit in Boston und im Silicon Valley. Er beriet anschließend mehrere Start-ups in Deutschland, bevor er 1999 in Heilbronn mit dem Aufbau der Innovationsfabrik begann. 2005 wechselte er zum Zukunftsfonds Heilbronn.

 
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