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Würth sieht die 20 Milliarden Euro Umsatz in Reichweite

Das Jahr hat so angefangen wie das letzte aufgehört hat. Doch eine lahmende Baukonjunktur könnte den Schraubenkonzern bremsen. Erste Anzeichen gibt es bereits.

Christian Gleichauf
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Lesezeit 3 Min
Würth sieht die 20 Milliarden Euro Umsatz in Reichweite
 Foto: Sebastian Gollnow

Der Schraubenkonzern Würth sieht sich mit ausschließlich negativen Rahmenbedingungen konfrontiert. "Es gibt nichts, was besser wird, es wird alles schlechter." Mit diesen drastischen Worten fasst es Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe, bei der Jahrespressekonferenz in Schwäbisch Hall zusammen. Trotzdem geht das Umsatzwachstum bislang ungebremst weiter.

Würth ist lieferfähig, doch nur mit großem Aufwand

Die Umsatzmarke von 20 Milliarden Euro wäre unter anderen Umständen in diesem Jahr als Ziel ausgegeben worden - trotz verschiedener Krisen, sagt Friedmann. "Grenzen beim Wachstum sind nicht erreicht. Aber die Organisation steht unter Stress, weil in der Supply Chain nichts glatt läuft."

Die Lieferfähigkeit zu erhalten, falle inzwischen immer schwerer. Und nun seien mit den steigenden Preisen und Zinsen, ihren Auswirkungen auf die Baukonjunktur sowie dem Krieg in der Ukraine noch größere Risiken dazugekommen.

Der positive Trend setzt sich fort

Trotzdem sieht es auch in den ersten vier Monaten 2022 sehr gut aus, mit mehr als 17 Prozent war das Umsatzplus auf Vorjahresniveau. Allerdings liegt das Betriebsergebnis nach dem Rekordwert 2021 jetzt "nur" elf Prozent darüber. "Es gelingt immer schlechter, die Preise weiterzugeben", räumt Friedmann ein. Es könnten Vorboten einer gebremsten Geschäftsentwicklung sein.

Dabei gelingt es Würth weiterhin, Handwerker für sich zu gewinnen. Im vergangenen Jahr waren es 275 000 zusätzliche Kunden, bei einem Bestand von vier Millionen weltweit. Um fast sieben Prozent ging es damit nach oben. Der Marktanteil von rund zehn Prozent wird damit weiter ausgebaut. Beste Werbung ist derzeit wohl die Lieferfähigkeit.

Das Regal denkt mit

Auch mit der Digitalisierung will Würth Vorteile bieten. Im neuen Regalsystem Orsy (kurz für Ordnung und System) gibt es beispielsweise Varianten, die per Lichtschranke oder eingebauter Waage fehlende Kleinteile registrieren und gegebenenfalls automatisiert eine Bestellung aufgeben. Das spare Zeit und Geld.

Friedmann führt Studien an, nach denen ein Bestellvorgang 122 Euro koste und somit teurer sei als die Schrauben und anderen geringwertigen C-Teile, die bestellt werden. Insgesamt läuft jeder fünfte Auftrag über das Online-Portal ein, allerdings wenige davon automatisiert.

Erfolgreich läuft nicht nur das Schrauben-Geschäft. Auch der Elektro-Großhandel und vor allem die Würth-Elektronik-Sparte glänzen mit beeindruckenden Zahlen - trotz des Chipmangels und sonstiger Lieferschwierigkeiten. "Da geht es teils um sehr kleine Bauteile, die kann man dann auch mal per Luftfracht liefern lassen", sagt Friedmann.

Der Lockdown in China trifft Würth noch nicht hart

Der Corona-Lockdown in Schanghai sorgt für weitere Sorgenfalten. In diesem Fall sind sie allerdings nicht ganz so tief. Rainer Bürkert, Geschäftsführer der Würth Industrie, sieht zwar erste Lieferketten bedroht, aber noch "laufen alle Bänder".

Drei Prozent seiner Teile bezieht Würth aus China, die Werke des Konzerns im Raum Schanghai produzieren vor allem für den chinesischen Markt. Mitarbeiter würden dort wegen des Lockdowns in den Fabriken übernachten.

Friedmann sieht es als Bestätigung des bisherigen Kurses, dass Unternehmen vermehrt Produzenten in Europa suchen. Bei Würth sei der Anteil aus europäischer Produktion bei mehr als 70 Prozent.

"Holzbauschrauben wie diese werden neun Kilometer entfernt von Künzelsau in Waldenburg hergestellt", sagt der Würth-Chef und zeigt eine Assy-Schraube der vierten Generation. Nicht nur die werden künftig im neuen, 75 Millionen Euro teuren Innovationszentrum in Gaisbach weiterentwickelt, das im Herbst eingeweiht wird.

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Inspirierende Treffen mit Reinhold und Bettina Würth

Finanzchef Joachim Kaltmaier betont, welche Bedeutung die Eigentümerfamilie für das Unternehmen hat. Das Eigenkapital habe die Marke von sieben Milliarden Euro jetzt überschritten.

"Hauptursache ist das Verhalten der Familie Würth, die Gewinne weitgehend im Unternehmen reinvestiert und nur bescheidene Ausschüttungen vornimmt." Friedmann sagt: "Der regelmäßige Austausch mit Reinhold und Bettina Würth inspiriert uns."

Die Zukunft der 780 Beschäftigten in Russland ist ebenso unklar wie die der 118 in der Ukraine. Das Russland-Geschäft ist stillgelegt. Die Mitarbeiter werden alle bis Ende des Jahres bezahlt, auch wenn sie jetzt nicht weiterarbeiten können. In der Ukraine läuft das Geschäft gerade wieder behutsam an. Insgesamt macht Würth in den beiden Ländern weniger als 0,5 Prozent seines Umsatzes.

Noch kein Ergebnis der Betriebsratswahl

Ergebnisse der Betriebsratswahl vom Dienstag liegen voraussichtlich an diesem Donnerstag vor. Der Wahlkampf war von Briefen von Reinhold Würth und AWKG-Chef Norbert Heckmann begleitet worden, die vor zu viel Einfluss für die IG Metall gewarnt hatten.

 

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