Würth kratzt an den 20 Milliarden Euro Umsatz
Das Geschäft des Schraubenhändlers hat 2022 neue Rekordmarken erreicht. Der Umsatz legte innerhalb von zwei Jahren um 5,6 Milliarden Euro zu. Konzernchef Friedmann warnt allerdings, dass es ganz so dynamisch nicht weitergehen wird.

Es sind allesamt Rekordzahlen, auch wenn die Marke von 20 Milliarden Euro nicht geknackt wurde: Würth hat im vergangenen Jahr 19,95 Milliarden Euro Umsatz gemacht, bei einem Betriebsergebnis von 1,5 Milliarden Euro. "Das war ein großartiges Jahr", kommentiert Konzernchef Robert Friedmann im Gespräch mit unserer Zeitung die vorläufigen Zahlen.
Strategie aufgegangen
Mit einem Sprung von 5,6 Milliarden Euro innerhalb von zwei Jahren wurde die Verdopplung des Umsatzes innerhalb von zehn Jahren perfekt gemacht. "Das hat uns in eine andere Dimension gebracht", sagt Friedmann. Die Strategie sei aufgegangen.
Dass es in diesem Tempo nicht weitergehen kann, sei nun absehbar. "Mit zwei Quartalen mit negativem Wirtschaftswachstum befinden wir uns in einer Rezession in Deutschland", sagt Friedmann. Der Umsatz werde nur noch einstellig zulegen, auch beim Gewinn ist Würth verhalten.
Auf diese Situation bereitet sich das Unternehmen vor - etwa mit vollen Lagern. Die Bestände wurden in den vergangenen zwei Jahren um jeweils 800 Millionen Euro erhöht. In den vergangenen zwei Monaten habe es bereits leichte Rückgänge gegeben. Aber die Liquidität sei gesichert, "das ist besonders wichtig in schwierigen Zeiten", so Friedmann.
Neue Marktanteile erobert
Mehr als 4,1 Millionen Kunden hat die Würth-Gruppe inzwischen weltweit, 75.000 neue sind hinzugekommen. Nach 200.000 im Jahr zuvor ist hier eine Verlangsamung zu erkennen - aber auch der Erfolg, den Würth während der Pandemie hatte, als das Unternehmen im Gegensatz zu manch anderen lieferfähig blieb.
"Damit haben wir Marktanteile gewonnen", sagt der Würth-Konzernchef. Genaue Zahlen dazu würden allerdings nicht erhoben. Klar scheint nur: Würth bleibt Weltmarktführer, und der Abstand zu den Verfolgern vergrößert sich.
Profitiert von aktuellen Trends
Die Adolf Würth GmbH & Co. KG legte 2022 um rund elf Prozent zu. Insgesamt ging es in Deutschland um rund 13 Prozent nach oben. Im Ausland lag das Umsatzplus - auch wegen Währungseffekten - bei 20 Prozent.
Außergewöhnlich war der Zuwachs im Geschäftsbereich Elektrogroßhandel mit 25 Prozent. Hier spürte Würth auch den Boom bei den erneuerbaren Energien. Wann immer eine Solaranlage oder eine Wärmepumpe installiert wird, brauchten die Elektriker Kabel und Befestigungsmaterial. 22,5 Prozent Plus bei der Würth Elektronik nennt das Unternehmen eine "robuste Geschäftsentwicklung".
Was die Lieferketten angeht, so sieht Friedmann auch Anzeichen für eine anhaltende Entspannung. Neue Unsicherheiten bringt allerdings die Lage in China.
Der Onlinehandel funktioniert, der klassische Vertrieb auch

Um mehr als 20 Prozent gewachsen ist der Anteil des E-Commerce für Würth, er liegt inzwischen bei mehr als einem Fünftel (20,7 Prozent). Noch immer zweistellig wuchs damit zugleich der Vertrieb über die klassischen Kanäle. "Es gibt einen Shift, das E-Business wächst stärker als der Außendienst", sagt Friedmann. "Aber wir wissen, dass wir mit weniger Mitarbeitern nicht mehr Umsatz machen können."
98 neue Niederlassungen hat die Gruppe vergangenes Jahr eröffnet, zahlreiche neue Mitarbeiter eingestellt. "Wir gehen weiter davon aus, dass der Vertriebsmitarbeiter das Rückgrat unserer gesamten Vertriebsstrategie ist." Insgesamt wuchs die Zahl der Mitarbeiter 2022 um 2500 auf 85 637.
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