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Werden Strom und Gas ab Januar teurer?

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Obwohl die Energiepreise an den Börsen zuletzt gesunken sind, kommen die Nachlässe bei den Kunden nicht an. Mit dem Auslaufen der Preisbremsen könnten die Tarife sogar wieder steigen. Wie die stark schwankenden Energiepreise zustande kommen und welchen Ausblick es für 2024 gibt.

Eine echte Trendwende bei den Energiepreisen ist derzeit nicht in Sicht. Zwar sind die Preise an den Spotmärkten in den vergangenen Monaten deutlich gesunken, doch die Preisnachlässe kommen bei den Kunden noch nicht an. Und mit dem 1. Januar 2024 drohen nun auch noch die Preisbremsen wegzufallen. Statt billiger könnte es dann für viele teurer werden.

Als im Dezember vergangenen Jahres Bundestag und Bundesrat auf den letzten Drücker den Weg für die Energiepreisbremsen freigemacht haben, da sollte den Verbrauchern bis auf weiteres die Sorge vor unbezahlbaren Heizkosten genommen werden. "Voraussichtlich bis April 2024" sollte die Regelung gelten, nach der beispielsweise Privathaushalte für 80 Prozent ihres Vorjahresverbrauchs an Erdgas maximal 12 Cent pro Kilowattstunde bezahlen müssen und auch viele Unternehmen entlastet werden.

 


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Die Zeit der niedrigen Strompreise ist vorbei. Auch wenn die Versorger Nachlässe angekündigt haben, bleiben die Preise hoch. Foto: dpa
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Energiepreise in der Region liegen teils weit über dem Durchschnitt


Strompreisbremse gilt bis Ende des Jahres

Tatsächlich beschlossen wurde aber nur eine Gültigkeit bis Ende 2023. So lange zahlen Privatleute für das Gros ihres Stroms maximal 40 Cent pro Kilowattstunde.

Die EU-Kommission hat hier Bedenken angemeldet. Die Beihilferegeln der EU sollen eine Wettbewerbsverzerrung verhindern, wie sie durch die Strom- und Gaspreisbremsen verursacht werden. Plänen, für bestimmte industrielle Verbraucher weitere Vergünstigungen vorzusehen, erteilte die Kommission im März deshalb eine Absage, wie damals das "Handelsblatt" berichtete.

Verlängerung der Preisbremsen: Keine Entscheidung in Sicht

Noch keine Entscheidung zeichnet sich ab, was die Verlängerung der Preisbremsen über den Jahreswechsel 2023/24 hinaus angeht. "Derzeit liegt das Verfahren bei der EU-Kommission", teilt eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums auf Anfrage unserer Zeitung mit. Über den Zeitpunkt, wann Brüssel sich des Themas annimmt, ist demzufolge nichts bekannt. Und ohne eine Entscheidung wird es wohl auch keine Verlängerung geben. Damit würden ab dem kommenden Jahr wieder die regulären Tarife gelten, und diese bewegen sich teilweise noch immer über den Preisbremsen.

 


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Immerhin haben die Versorger für das Jahr 2024 erste Preissenkungen angekündigt. "Wir rechnen dann bei den Gaspreisen mit einer Preissenkung von 18 auf 15 Cent je Kilowattstunde, erklärt Frank Schupp, Geschäftsführer der Heilbronner Versorgungs GmbH (HNVG), auf Stimme-Anfrage. Seit 2020 waren die Preise von 4,96 Cent pro Kilowattstunde brutto auf 18,15 Cent Ende 2022 geklettert. Dass die Preise nicht schon früher gesenkt werden erklärt Schupp mit den langfristigen Planungen der Versorger. Die Preise seien Mischpreise und beinhalten das "extrem hohe Marktniveau" der Vergangenheit, erläutert Schupp. "Das hat aber auch den Effekt, dass die Preise nicht so schnell sinken können wie auf den Märkten", unterstreicht der HNVG-Chef.

Wie die stark schwankenden Energiepreise zustande kommen

Auch die unterschiedliche Preisgestaltung der Versorger in der Region erklärt sich durch das System. "Die meisten Unternehmen beschaffen Gas und Strom langfristig in Teilmengen und Schritt für Schritt", erläutert eine Sprecherin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Das minimiere zwar das Risiko stark schwankender Börsenpreise. Wer aber an der Strombörse 2022 große Mengen teuer eingekauft hat, gibt die hohen Preise bis heute an die Kunden weiter.

So beklagt der Neckarsulmer Stadtrat Volker Raith, dass "die aktuellen Strompreise der Stadtwerke Neckarsulm deutschlandweit zu den teuersten Tarifen zählen".

Die Energiepreise lassen sich auch mittelfristig nur schwer vorhersagen. Dafür liegt der Schlüssel auch in Berlin. "Die politischen Entscheidungen haben großen Einfluss auf unsere Geschäftsfelder", macht Frank Schupp klar. Die Versorger wünschten sich deshalb schnelle politische Weichenstellungen.

 

 
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