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Vor 40 Jahren setzte Deutschland auf Sparen, Kernkraft und Kohle

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1981 gab es zuletzt Teuerungsraten von mehr als sieben Prozent. Was damals die Bundesbürger umtrieb, treibt sie zum Teil auch heute wieder um. Und dann wurde "in die Hände gespuckt".

Bier teuer, Sprit teuer, die Zinsen steigen: Ende 1981 lag die Inflationsrate im Südwesten bei 7,7 Prozent - und erklomm damit letztmalig Höhen, die jetzt wieder erreicht werden. Der Blick auf die Zeit Anfang der 1980er Jahre offenbart noch einige weitere Parallelen.

Bedrohungslage damals wie heute

Die Kurve der Teuerungsraten in der alten BRD zeigt im Oktober 1981 einen Höchststand von 7,4 Prozent. Kanzler war Helmut Schmidt. Grundig kündigte den Plasma-Fernseher an, der dann doch noch mehr als zehn Jahre auf sich warten ließ.

Das Verhältnis zu den USA und ebenso das zur UdSSR füllte Titelseiten. Die Friedensbewegung nahm Fahrt auf, während die Politik über die angemessene Antwort auf russische SS20-Raketenstationierungen diskutierte. Die Wirtschaft ächzte.

Nicht nur die Teuerung war auf einem Rekordniveau, auch die Zinsen. Einer der großen Unterschiede zwischen der heutigen Situation und der vor 40 Jahren ist: Wer derzeit das Geld auf der Bank liegen lässt, bekommt dafür nichts oder muss sogar dafür bezahlen. Seinerzeit gab es rund sechs Prozent und somit eine Verzinsung, die im Bereich der Inflation lag.


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Der Hausbau wurde plötzlich unbezahlbar

Richtig teuer war es allerdings auch damals, ein Haus zu bauen. Die Hypothekenzinsen überschritten in jenem Jahr einen Gipfel. Zwischen Juli und September lagen sie bei rund 11,7 Prozent. Eine Wachstumsbremse, die anschließend jedoch gelockert wurde.

Stahlpreise explodierten, und betroffen waren nicht nur die Maschinenbauer. Eine Pleitewelle rollte durchs Land, von der vor allem Bauunternehmen betroffen waren. Um sechs Prozent ging das Bauvolumen in jenem Jahr nach unten. Der "Eiswind der Rezession" blies auch den Airlines ins Gesicht, war in der Stimme zu lesen. Die Arbeitslosigkeit stieg rasant an.

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Die IG Metall forderte 7,5 Prozent

Ebenso wie die Preise stiegen auch die Lohnforderungen der Gewerkschaften. Eine Erhöhung um 7,5 Prozent forderte die IG Metall für die Tarifrunde 1982.

Die hohen Ölpreise führten dazu, dass es schon damals in der Industrie einen Trend gab, Öl durch Strom zu ersetzen. Der Strombedarf wuchs und wurde von neuen Kernkraftwerken gedeckt. Erneuerbare Energie spielte damals noch eine untergeordnete Rolle, auch wenn die Hoffnung bereits keimte, dass Photovoltaik die Welt revolutionieren könnte.


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Solarzellen aus Heilbronn

Aus dem Heilbronner Telefunkenpark kamen damals Zellen für ein "Solarauto", das Ende Oktober 1981 in Frankfurt vorgestellt wurde. Der Sonnenstrom reichte allerdings nur, um die Lichtmaschine zu entlasten. Gefahren wurde weiterhin mit Benzin, das um die 1,40 Mark kostete und damit so viel, dass die Autofahrer im Oktober 1981 fast zehn Prozent weniger tankten.

Trotzdem zeigt das Beispiel Solarauto, dass hohe Preise Zukunftstechnik in den Bereich des Möglichen rücken. Auch die Kraft-Wärme-Kopplung bekam einen Schub.

Schon damals: Raus aus der Abhängigkeit

Schlussfolgerungen aus den hohen Energiepreisen waren: Europa muss sich aus der Abhängigkeit befreien. Energie sparen, lautete ein Motto. Mehr Steinkohle, ein anderes. Deutschland testete sogar die "Kohleverflüssigung", um so Öl und Benzin zu gewinnen. Und mehr Kernkraft: Um 30 Prozent war 1981 der Anteil des Atomstroms gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Kritik daran gab es ebenfalls.

Kanzler Schmidt bereitete die Menschen damals darauf vor, dass der Wohlstand auf das Niveau von 1978 sinken könnte - verbunden mit der rhetorischen Frage: "War das etwa nichts?" Trotzdem hoffte er auf ein kleines Wirtschaftswachstum.

Daraus wurde nichts. Um 0,4 Prozent schrumpfte die Wirtschaftsleistung 1982. Die Band Geier Sturzflug sang in jenem Jahr: "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt - wir steigern das Bruttosozialprodukt." Sie sollte recht behalten. 1983 ging es mit der Konjunktur wieder nach oben.

 

 

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