Unternehmen stehen fürs Impfen bereit
Während die Politik noch überlegt, bereiten sich die Betriebe darauf vor, in ihren Lagerhallen Gesundheitszentren einzurichten. Doch viele offene Fragen sind noch nicht geklärt. Und dann gibt es vor allem noch zu wenig Impfstoff.

Unternehmen könnten in der Impfkampagne eine entscheidende Rolle spielen. In der Region Heilbronn bereiten sich vor allem die großen Betriebe darauf vor, ihre Mitarbeiter systematisch durchzuimpfen. "Wir könnten doch auch dazu beitragen, mögliche Ängste der Menschen zu senken", sagt etwa Hauke Hannig, Sprecher der EBM-Papst-Gruppe in Mulfingen. Als Arbeitgeber könnte hier ein gewisser Vertrauensbonus wirken. Doch derzeit fehlt vor allem eins: Impfstoff.
VDMA ist schon an die Politik herangetreten
Industrie- und Handelskammern, aber auch der Maschinenbauer-Verband VDMA haben Vorstöße gewagt. Der VDMA ist an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut herangetreten.
"Wir haben darauf hingewiesen, welche Erfahrungen ein Teil unserer Unternehmen hier schon hat, etwa im Zusammenhang mit den Grippe-Impfungen", sagt Dietrich Birk, Geschäftsführer des VDMA Baden-Württemberg. Die Ideen seien positiv aufgenommen worden, sagt Birk. Doch Staats- und Wirtschaftsministerium verweisen auf das zuständige Sozialministerium.
Grundsätzlich wird die Initiative begrüßt, aber...
Dort bremst man zu hohe Erwartungen: Erst müssten die Hausärzte eingebunden werden, dann könnten die Unternehmen folgen. "Vorausgesetzt es steht ausreichend Impfstoff zur Verfügung", wie eine Sprecherin des Sozialministeriums betont. Das könnte noch eine ganze Weile dauern. Grundsätzlich wird die Initiative aber begrüßt. Betriebe könnten beim Impfen einsteigen, wenn Impfstoff keine Mangelware mehr ist.
Audi ist "Impf-ready"
"Nach außen hält sich die Politik noch sehr bedeckt", findet Sabine Maaßen, Personalvorständin von Audi. Dennoch sei wichtig, das Signal zu setzen, dass Audi bereit ist. Man habe ein Konzept erarbeitet und sei "Impf-ready".
Das heißt: Es wurden Räume definiert, wo die Impfungen kurzfristig stattfinden können. In Ingolstadt und Neckarsulm stehen zudem drei Gesundheitszentren und fünf dezentrale Sanitätsstellen zur Verfügung. Durch die jährliche betriebliche Grippeschutz-Impfung sei das Personal bestens geübt und vorbereitet.
EBM-Papst ist bereit für einen Modellversuch
Der Mulfinger Ventilatoren- und Motorenhersteller EBM-Papst hatte in der Pandemie von Anfang an besonders weitsichtig gehandelt. Bereits seit April 2020 - und damit früher als andere Unternehmen - ermöglichte EBM-Papst zusätzliche Sicherheit durch unternehmenseigene PCR-Testungen und ab Juni 2020 mit flächendeckenden Schnelltests.
"Wir konnten damit Ansteckungen im Unternehmen sehr gut verhindern", erklärt Sprecher Hauke Hannig. Bislang gebe es keinen Fall einer Ansteckung im Unternehmen. EBM-Papst bietet sich als Partner für einen Modellversuch an.
Es wurden Konzepte erarbeitet, die Betriebsärzte und -sanitäter stünden mit Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes bereit. Die Impfkampagne könnte im Logistikzentrum in Mulfingen-Hollenbach stattfinden.
Schwarz-Gruppe prüft noch einige Punkte
Die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe bleibt, was Angaben zu einer möglichen Impfung in ihren Unternehmen wie Lidl, Kaufland oder Schwarz IT angeht, noch sehr zurückhaltend.
"Derzeit prüfen wir einige Punkte. Das Impfen sehen wir grundsätzlich als weiteren Baustein der Pandemiebekämpfung", heißt es dort. Aktuell könne man - auch aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen - darüber hinaus keine Aussage treffen. Nach der derzeitigen Impfverordnung fallen Verkäuferinnen im Lebensmittel-Einzelhandel in die Prioritäts-Gruppe 3.
Läpple will so bald wie möglich loslegen
Die Heilbronner Läpple-Gruppe führt bei Infektionsfällen bereits seit Beginn der Pandemie Tests durch. Dies gelte für alle Kontaktpersonen sowie vor und nach Dienstreisen, wie eine Sprecherin mitteilt. Die Tests erfolgten extern wie auch über die Betriebsärzte.
Die Möglichkeit, im Unternehmen zu impfen, würde Läpple begrüßen. "Sobald dies möglich ist und den Ärzten entsprechender Impfstoff zur Verfügung steht, soll dies umgesetzt werden", sagt die Sprecherin.
Bosch sieht sich gut aufgestellt
Bei Bosch in Abstatt werden schon länger Antigentests und die selbstentwickelten PCR-Tests verwendet. Voraussichtlich ab nächster Woche haben die Mitarbeiter in Abstatt die Möglichkeit, sich zunächst einmal pro Woche freiwillig mit einem Antigen-Schnelltest testen zu lassen, teilt ein Sprecher mit.
Auch für Impfungen auf freiwilliger Basis sei Bosch gut aufgestellt. Sofern es rechtlich und organisatorisch möglich sei, werde man den Mitarbeitern in Abstatt freiwillige Covid-19-Impfungen anbieten, sagt der Sprecher.
Kreissparkasse wartet ebenfalls auf die Behörden
Für die Kreissparkasse Heilbronn teilt Sprecher Joachim Schmutz mit: "Natürlich haben wir ein hohes Interesse daran, dass unsere Mitarbeitenden bald geimpft und bis dahin regelmäßig getestet werden. Wir prüfen bereits Optionen, beides in unserem Haus anzubieten. Die weitere Umsetzung wird insbesondere von der Verfügbarkeit von Schnelltests und Vakzinen sowie von der vorgegebenen Impfstrategie der Behörden abhängen."
Offene Fragen
Das Thema Impfen in Unternehmen beschäftigt auch die Ministerpräsidentenkonferenz. Dabei gibt es auch noch einige offene Punkte. Themen wie Vergütung, Haftung oder Distribution seien zu klären, erläutert eine Sprecherin des baden-württembergischen Sozialministeriums. Sozialminister Manne Lucha werde sich im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz dafür einsetzen, dass diese Fragen frühzeitig geklärt werden. Darüber hinaus stehe das Ministerium im Austausch mit der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltschutz und dem Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte.
Trotz der aktuellen Vorstöße bei Großbetrieben ist der Einsatz von Corona-Schnelltests in baden-württembergischen Unternehmen bisher eher die Ausnahme. Bei einer Umfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK) unter 935 Betrieben kam heraus, dass nur 19 Prozent der befragten Unternehmen Schnelltests anwenden. Immerhin 27 Prozent wollen demnach mit solchen Tests in Kürze starten. Bei den Großbetrieben mit mehr als 1000 Beschäftigten sind die Anteile etwas größer: In dieser Gruppe bieten 46 Prozent der befragten Betriebe Schnelltests an.
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